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Der Israelit · 1898-08-17 · Heft 64-65 (17.8.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 64-65 (17.8.1898)
Date
1898-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1174 Verses der gestrigen Haftorah nSat* «S -tfv *2 Win ticvnb -snx atpn ptth hs\ „Jedes Werkzeug, das gegen dich geschmiedet ist, wird nicht gelingen und jede Zunge die gegen dich zum Gerichte sich erhebt, wirst du ihrer Schuld überführen/' Zeitungsnachrichten und Corresporrderrzerr. Deutschland. Frankfurt a. M., 16. August. (Zu den A u s w e i s u n g e n i n Frankfurt a m M a i n.) Die jüdischen Blätter Deutschlands wissen uns nur von Gewaltakten, verübt au den Juden Westgaliziens, von Mißhandlungen jüdischer Colonisten, vom Mißlingen des Colonisalionssystcms in Argentinien, in Salonsprache übersetzt, zu erzählen, als wenn im eigenen Hanse Alles gut bestellt wäre. Nicht zwar hat die Regierung ihren Standpunkt gegenüber der Juden frage geändert, nicht ist das Symbol der spanischen Inquisition, die Folter, als erlaubtes Mittel erklärt worden. Jedoch in den Zeiten des echt-alt-jüdischen Lebens, als unsere Vorfahren noch im engen Ghetto eingepfercht waren, in den Zeiten, in welchen der Gemein sinn in Israel ein ausgeprägter war, war doch Manches anders und bester gewesen; man hätte beispielsweise mit Männern, die, wie einige und zur Ehre unserer Stadt sei es gesagt, ganz wenige Herren des jüdischen Kaufmannstandes, also des Mittelstandes in Frankfurt am Main die von Juden aller Zeiten verpönteste Handlung begangen, jeden gesellschaftlichen Verkehr abgebrochen; denn — lassen Sic sich „liebe Leser", von alten Männern die als Jünglinge in jener Zeit noch gelebt vom Solidaritätsgefühle unter den Juden erzählen oder greisen Sie zur Ghetto-Literatur — nichts wurde mehr verachtet als ein ein „Denunziant". Und in der Stadt Frankfurt am Main sind Männer trotz ihrs Bildungsgrades so weit gesunken, an ihren treuen Glaubensbrüdern Verrath 51t üben, indem sie angaben, daß der Frankfurter Judcnheit Gefahr drohe, wenn nicht die zum Theile mehr als 8-10 Jahre zum Theile noch nicht jo lange hier wohnenden Familien, von denen die meisten sich auf ehrliche und anständige Weise ernähren, aus dem Bannkreise der Stadt sofort entfernt werden. Der Zorn dieser Herren ergoß sich bei Gelegenheit auch über die Rüsten, welche letztere und erstereden gemeinsamen Spottnamen „Polackim," haben. Nach solcher Beschwerde mußte die Behörde zum Schutze der „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" etwa 100 jüdische Familien ausweiscn. Als die Gefahr im Anzuge war, geißelte mit zündenden Worten in seiner Sabbat-Chasott-Presrgt Herr Rabbiner Dr. Horovitz jene Männer, die ihre Brüder aus und in dem Osten als inferior betrachten, und darum, nebenbei von materiellem Jntereste geleitet, dieselben unjüdifch behandeln. Es könnte eine Zeit kommen, in welcher die westeuropäischen Juden hilf"- flehend sich an die verjüngten Glaubensbrüder des Ostens unseres Erdtheils wenden werden. Meinen düse Herren, weil einige wenige, ganz wenige Ausländer in ihrem Verhalten nicht ganz tadellos gewesen, dürfe man alle nichtdeutschen Juden, die ihre Familien im Schweiße ihres Angesichtes ernähren, erbarmungslos hinausstoßen? Das Mitleidsgesühl war ein besonderes Charakterzeichen des jüdischen Volkslebens. Soll auch dies dahingeschwunden sein? Haben sich die galizischen Abgeordneten in Oesterreich mit der Sammlung für die armen Geplünderten und-die unschuldigen Familienangehörigen der Exeedenten lächerlich gemacht, so haben die Frankfurter jüdischen Handelsleute sich die Verachtung aller rechldenkenden Glaubensgenossen und vielleicht so mancher humandenkenden Männer anderen Glaubensbekenntnisses zugezogen. Zur Verschärfung der Angelegenheit hat auch ein hiesiges sich liberal schimpfendes Witzblättchen viel beigetragen, indem es sich nicht damit begnügte die mächtige internationale Rothe zu bekämpfen, sondern es sich nicht nehmen ließ, die armen, hilflosen galizischen Juden als Zielscheibe seines Spottes und Hohnes auszuersehen. Auch ein Wochenblättchen ist diesen Heimathlosen nicht hold. Also Männer des kräftigen Hanbelsstandes, „demokratische" Zeitnnqen, wollen die Romantik des Don Quixote, das Kämpfen gegen Windmühlen wieder zu Ehren bringen oder kurz und bündig gesagt, sie betreiben den edlen Kampf der Starken gegen die Schwachen. Dahin sind die Zeilen, in welcher die Rabbinen einen Bannftrahl mit Erfolg ausschickten, da wollen wir wenigstens die Männer, die aus kleinlichen Interessen ihre Beüder denunziren, öffentlich brandmarken. Hingegen haben edeldenkende, vornehme und zur Ehre des Leserkreises des „Israelit" sei cs gesagt, strengfromme und einflußreiche Männer das Unheil, das jene heraufbeschworen, wieder gntgemacht, indem sie der Behörde bewiesen, vaß der Untergang Frankfurt am Main's vorderhand nicht zu befürchten sei, und die ausländischen zum wenigsten die Handlanger dazu feien; ja sogar vielen Geschäftsleuten wäre das Verbleiben dieser arbeitssamen Qu!e am hiesigen Platze sehr angenehm, woraus der Aufenthalt vielen Familien gestattet und die AuSweisebefehle zurückgezogen wurden. Dank sei den Männern, die vielen Familien Sorgen nnd Kummer ersparten, dank sei den Behörden, die den Fürbiltenden Gehör schenkten. Wer die letzten vier Wochen hier weilte, und die Angst und den Schrecken, die sich auf den Gesichtern der Armen abspiegelten mitansah, wird mir bestätigen,

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