Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1898)
- Date
- 1898-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1152 folget die Gebote des Ewigen, eures Gottes, und abweichet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, um fremden Göttern nachzufolgen." Die Thora freilich, die das wahre Lebensziel des Menschen mit dem Worte 71212 scharf begrenzt und klar umschreibt, kennt nur einen Weg, der sicher dahin führt: Den Weg der Religion; die Menschen aber, die ihr Lebensziel mit dem unklaren und vieldeutigen Worte Glück bezeichnen, sind sich auch über den Weg, der dahin führt, nicht klar. Die Einen bezeichnen den Weg der Gottesgebote, die Andern den Weg der sinnlichen Gebote als denjenigen, der zum Glücke führt. Wollten wir nun dem Letzteren sagen: DaS Glück, das ihr erstrebet, ist lediglich auf dem Wege der Gottesgebote, nicht aber auf dem der Sinnlichkeit zu erreichen, dann werden sie uns entgegen halten : Unsere Götter sind irdische Freuden und sinnliche Genüsse, diese bilden unser Lebensziel; die aber liegen nicht auf dem Wege der Gottesgebote, sondern auf dem der Sinnlichkeit. Wir wollen uns auf der Erde und mit der Erde freuen, deßhalb dürfen und wollen wir nicht die Leiter besteigen, die zum Himmel führt, die Erde aber mit ihren Freuden und Genüssen, mit ihren Reizen und Schönheiten abseits liegen lässt. Wir wollen ihnen deßhalb auf ihrem eigensten Gebiete folgen. Wir wollen ihnen einräumen, daß auch der Weg der Sinnlichkeit dahin führen kann, was die Menschen Glück nennen; wir wollen noch weiter gehen und diesen Weg den kürzeren bezeichnen, aber wisset, er ist der längste zum wahren Glücke, wer diesen Weg einschlägt, er erreicht bald, um mit unterm Bilde zu sprechen, die Stadt des Glückes, doch bald erfährt er die bittere Enttäuschung, daß die Götter, denen er eifrig nachgefolgt ist, fremde Götter sind, das heißt, sie sind und bleiben seinem wahren Glücke fremd, daß die Stadt des wahren Glückes, des rc-c, des Heils und des Segens, auf diesem Weg unerreichbar ist. Er erfährt nach einer kurzen Spanne Zeit des Rausches und der Betäubung, daß das, was ihm als herrliches Paradies erschien, in Wahrheit ein elender Sumpf ist, und mit Schrecken nimmt er wahr, daß der Weg, den er zur Stadt des Glückes eingeschlaqen hat, nur scheinbar ein kurzer ist, daß er in Wahrheit so weit ist, daß er auf ihm die Pforte nicht erreichen kann, die in das Innere des Paradieses führt. Umgekehrt verhält es sich mit dem Wege der Gottesgebote. Die Tugend ist nicht so leicht zu erreichen, wie die Sinnlichkeit. Sie ist um so weiter entfernt, als sie höher steht. Allein, wer sie erreicht, der erreicht 71212 den Segen des Lebens, *ats ’wta o "io psn pcn D’rr „Wer mich findet" — spricht eben so schön, wie wahr der weise Spruchvichter im Namen der Tugend, „der findet das glückliche Leben, denn er erlangt Wohlgefallen vom Ewigen." Das ist der herrliche Gedanke, den der weife Rabbi in seiner sinnreichen Erzählung mit dramatischer Lebendigkeit und Klarheit ausgeführt hat Daß er aber diesen schönen Gedanken einem Kinde Israels in den Mund gelegt hat, um dann ausrufen zu können: easop njn ucb)n:c v'vrn 22^22» ^xie" v2'->L>x „Heil euch, Israeliten, wie seid ihr doch alle so weise, eure Großen und eure Kleinen!" das krönt und vervollständigt noch den an sich schon herrlichen Gedanken. Was die weisesten der Völker nur dunkel geahnt haben, daß nämlich die Tugend Trägerin des reinsten menschlichen Glückes ist, das ist den Kindern in Israel, die an den Brüsten der Thora sich nähren, geläufig. Sie schlagen das heilige Buch ihrer Thora auf und lesen darin: fiura bx irr>x nnan nx vv'pbx „Der wahre Segen liegt darin, daß ihr befolget die Gebote des Ewigen, eures Gottes." Zettungsnachrrchtert und Correfponderrzen. Deutschland. X Frankfurt a. M. Der von der „Franks. Ztg." nach China entsandte Mitarbeiter Herr Dr. Paul Goldmann aus Paris, berichtet über seine Fahrt durchs Rothe Meer: „Am zweiten oder dritten Tage der Durchfahrt durchs Rothe Meer erblickt man zur Linken einen langgestreckten, hochragenden Gebirgszug. Das ist der Sinai. Das Schiff fährt an seiner Seite entlang, und er erscheint ganz nahe. Vonl Meer aus geht an seinem Fuße etwas wie ein Strand hinauf. Dann erhebt sich die Bergmaffc schroff in die Lüfte. Nichts regt sich in der Landschaft. Einsam ist das Meer, leer ist der Strand, und öde und wüst ist das Gebirge, ohne Baum, ohne Strauch, ohne jede Spur einer menschlichen Ansiedlung. Es ist graues Gestein, das stellenweise schwärzlich scheint. Ob es sehr zerklüftet ist, kann man vom Meere aus nicht sehen. Oben auf dem Kamm treten mehrere Spitzen aus der Maffe heraus, und die höchste von ihnen kann man sich als den Gipfel vorstellen, auf welchem das Volk Israel von Gott die zehn Gesetze empfing, denen seitdem die Wett gehorcht. Das Schiff zieht langsam am Sinai vorüber, und noch bis spät Abends sieht man ihn am Horizont. Schweigend und starr liegt er da und hütet das Geheimniß der göttlichen Gesetzgebung. Ehrfurchtsvoll blickt man hinüber zu diesem Gebirge, auf dem nichts wächst und grünt, und dessen Ruhm doch ohne gleichen ist, weil es einmal in Jahrtausenden eine einzige Blüthe hervorgebracht hat: die Blüthe von zehn großen Gedanken."