Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1898)
- Date
- 1898-08-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XJLXXX. Jahrgang. M 68. Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum Begründet von Or ITeljmauu in Main} Donnerstag, de« 11. August 5658 (1898), Des gesetzlichen Feiertages wegen erscheint unsere nächste Nummer, eine Doppel- Wnummer, Mittwoch, 17. rluguft. Jnseratenannahme vis Mittwoch Morgen 8 Uhr. Leitender Artikel. Die beiden Lebenswege. (Zu Paraschath n«n.) Von Rabbiner Dr. B. Friedmann, Berlin. Einst, so erzählt ein weiser Rabbi, war ich ans dem Wege nach einer großen Stadt begriffen, als ich plötzlich wahrnahm, daß sich mein Weg nach zwei Richtungen hin theilte. Einige Augenblicke war ich rathlos, nicht wissend, welche Richtung ich zu verfolgen hätte. Da siel mein Auge auf ein am Wege sitzendes Kind, und ich trat an dasselbe mit der Frage heran, welcher dieser beiden Wege wohl zur Stadt führe? Beide, erwiederte das Kind, führen nach der Stadt, und doch gleichen sie nicht einander, ronxi mxp nnx mxpi ran» nnx:. Denn während der eine Weg kurz und lang ist, ist der andere Weg lang und kurz. rwviKi mips vpSm. Daraufhin fchülg ich jenen Weg ein, der mir als kurz und lang bezeichnet wurde. Und in der That währte es nicht lange und ich befand mich in der unmittelbaren Nähe der Stadt. Allein als ich sie betreten wollte, merkte ich, daß sie von einer unübersteiglichen Mauer umgeben sei, an der sich keinerlei Eingang befand, und mir blieb nichts übrig als umzukehren. Als ich des wegweisenden Kindes ansichtig wurde, schleuderte ich ihm den bitteren Vorwurf zu: im matpp b jdok «brr. Weßhalb täuschtest Du mich, indem Du mir diesen Weg als kurz bezeichnetest? und ruhig gab mir das weise Kind zurück: nsnrc mjtptp “(S we« xSm. Ich habe doch hinzugefügt, er sei trotzdem weit. Als ich das vernahm, fährt der Rabbi in seiner Erzählung fort, aaSms 2'V2N osSwtp Sjok” esmx -mosi Sy Q3ÄDp nyi küßte ich es auf's Haupt und sprach begeistert also: Heil euch, o Israeliten, wie seid ihr doch alle so weise, eure Großen und eure Kleinen! Fasten wir diese Erzählung wörtlich auf, dann begreifen wir zweierlei nicht. Zunächst, weshalb der Rabbi den Nachsatz des Kindes nicht gleich beachtet hat. Dann auch verstehen wir nicht, was lag in der zweiten Antwort des Kindes, die doch wesentlich von der ersten sich nicht unterschieden hat, denn so Großes, daß der weise Mann das Kind begeistert küßte und ausries: Heil euch, o Israeliten, wie seid ihr dockalle so weise, eure Großen uub eure Kleinen? In einem ganz anderen Lichte freilich erscheint uns diese Erzählung,wenn wir sie slgürlich,bild!ichauffasscn,wenn wir annehmen, daß die Lehre, die der Weife uns ertheilen wollte, in diesem anmuthigen Bilde verkörperte. Die figürliche Rede wirkt um so schärfer, je lebendiger sie ist, und je dramatischer, je bewegter und lebendiger ein Wortbild uns entgegen tritt, desto tiefer ist der Eindruck, den es auf uns macht, desto Heller ist das Licht, das es verbreitet. Es hätte unserm Biloe entschieden an Klarheit und Schärfe ge. fehlt, wenn es damit geschloffen hätte, daß der Rabbi gleich den Weg eingeschlagen habe, der ihm als lang und kurz bezeichnet wurde. Die Schönheit des Bilves gipfelt eben im scheinbaren Mlßverständniß. Die Lehre, die in diesem Woctbilde verborgen liegt, ist folgende : Das Ziel, das die Menschen lebhaft verfolgen, wonach sie heiß ringen, eifrig streben: Die menschliche Sprache nennt es Glück, die Sprache der Thora — N3i2 Segen. Nun ist die Frage, welcher Weg führt zu diesem hohen Ziele? Allerdings gibt es im Leben viele Wege, allein die heilige Thora kennt nur zwei Hauptwege: Den Weg der Religion rix espSx n ffljtö Sx pyaa>n mx nnsrt, daß „ihr befolget die Gebote des Ewigen, eures Gottes", und den Weg der Sinnlichkeit arm aa'pSx mxo Sx lyctyn xS ex ai'n 237ix rrats 13-» mx ~*nn ,w, „wenn ihr nicht be