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Der Israelit · 1898-08-11 · Heft 63 (11.8.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 63 (11.8.1898)
Date
1898-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11öS Ätts Baden. Der Eulturhistoriker, der sich einmal berufen fühlt, eine Culturgeschichte des 19. Jahrhunderts zu schreiben, wird mit Wohlgefallen darin vermerken, wie man im Allgemeinen am Ende desselben bemüht war, dem Lehrerstande eine würdige Stellung zu verschaffen. Ein besonderes Ruhmesblatt gebührt da dem badischen Volke, welches durch seine Vertretung mit der Regierung wetteifert, dem Lehrer seine Werthschätzung und sein Wohlwollen zu bezeigen, wie die jüngsten Kammerverhandlungen über die Gehaltsbezüge der Elementarlehrer beweisen. — Ein gleiches Ruhmesblatt gebührt da dem befferen und gebildeteren Theile der badischen Israeliten, vor Allem dem Gr. Oberrathe. Ihnen ist wenigstens das Verdienst nicht abzusprechen, eine materielle und soziale Besserstellung der bisher als Parias der Gemeinde behandelten Religionslehrer angebahnt zu haben. Reben den bereits durchgeführten und vorgeschlagenen materiellen Verbesserungen enthält das neueste Verordnungsblatt eine Verfügung, daß künftig die Erhebung des Schulgeldes durch den Gemeinderechner zu geschehen habe, und das veraltete, der Würde des Lehrers nicht entsprechende Selbsteinziehen desselben, das Gr. Oberrath längst beseitigt glaubte, zu unterlassen sei. — Die Religionslehrer Badens sehen deshalb voll freudiger Haltung der Zukunft entgegen im Vertrauen auf ihre oberste Behörde und im Vertrauen auf die Synode. Voll Begeisterung rief deshalb bei der vorjährigen constituirenden Versammlung des „Landesverein für die israel. Religionslehrer in Baden" einer der Gründer desselben, ein älterer Lehrer aus: „Ich stehe hier gleichsam wie unser Lehrer Moses auf der Höhe des Pisgah und sehe — gestützt auf das Wohlwollen unseres hochverehrten Oberraths — das gelobte Land vor mir, das ihr jüngeren Lehrer besitzen werdet, das ich aber nur aus der Ferne sehen darf." Hoffen wir also, daß nach und nach die Stellung des Religionslehrers in materieller und sozialer Beziehung eine zeitgemäße, daß noch Vieles geändert wird, das der Stellung des Lehrers unwürdig ist. Beispielsweise sei erwähnt, daß man in manchen Gemeinden, die allerdings von der Cultur auch nicht einmal oberflächlich überfirnißt sind, in das Schulzimmer kommt, ohne anzuklopfen und ohne zu grüßen, daß beim Aufrufen zur Thora der Lehrer nach Gutdünken aufgerufen — zuletzt natürlich — oder ganz übergangen wird. Bei den „Mizwoth" ist dies noch mehr der Fall. Versieht ein anderer die Vorbeterfunktion, so steht der Lehrer und Vorbeter auf der letzten Bank bei den armen Durchreisenden, oder mit mehr Recht — auf der ta&ä9anf. Wenn dies auch nur Kleinigkeiten sind, so drücken sie aber um so mehr auf das Ansehen des Lehrers. Nicht wenig aber zur Herabdrückung der sozialen Stellung des Lehrers trägt die Verordnung über die Leitung des Gottesdienstes in Orten, wo kein Rabbiner ist, bei. (Siehe Beilage zum Verordnungsbl. v. 1885. S. 10 und 11.) Verschweigen wollen wir aber auch nicht, daß es in dem Stande der Religionslehrer manche Erscheinungen giebt, die eine bessere soziale Stellung gar nicht wünschen, aber auch nicht verdienen; diejenigen, die keine Standesehre kennen, die ihre meiste Zeit für Nebengeschäfte von oft fragwürdiger Natur verwenden, die der Schrecken ihrer Collegen und die Speichellecker ihrer Gemeinde sind. Möge die neue Zeit mit ihren besseren Aussichten auch einen Religionslehrerstand antreffen, der sich, seiner Gemeinde und der Judenheit zur Ehre gereicht. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. X Wien, 8. August. Die Juden haben seit jeher für das Schachspiel eine besondere Veranlagung gezeigt, und es hat bei ihnen schon im frühen Mittelalter sorgsame Pflege gefunden, durch ihren Geist, Witz und Scharfsinn hohe Ausbildung erfahren. Von hebräischen Schachlehrgedichten erzählt ausführlich in einem besonderen, sehr gelehrten Capitel Antonius Van der Linde's classische Geschichte des Spiels. Im vorigen Jahrhundert saß der große Moses Mendelssohn seinem unsterblichen Freunde Gotthold Ephraim Lessing am Schachbrette gegenüber und der Dichter vergaß nicht, den porträtgetreuen Zug auch seinem Nathan zu verleihen, welcher mit dem Derwisch Al Hasi, dem aufbrausenden Schachfanatiker, Parthie um Parthie spielt. Und in diesem Jahrhundert, in welchem die Schachkunst und die Schachwissenschaft zu höchster Blüthe und Vollendung gelangt sind, sehen wir wiederum das jüdische Element, wie bei allen geistigen Kämpfen, im Vordertreffen stehen und zu wiederholten Malen sogar die oberste Führung übernehmen. Wir brauchen blos den Namen des alten Weltschachmeisters Wilhelm Steinitz zu nennen, welcher aus Anderssen's Händen das Scepter empfing, bis er es nach fast dreißigjähriger unumschränkter Alleinherrschaft wiederum an einen Angehörigen des jüdischen Stammes, an den jugendlichen Emanuel Lasker abzugeben gezwungen war. Vor einigen Tagen nun ist in Wien eines der größten Schachturniere, bedeutsam nach jeder Hinsicht, zu Ende gegangen und in Köln hat ein solches begonnen. Unter den zwanzig Kämpfern gab es Britten, Anglo-Amerikaner, Deutsche, Russen, Oesterreicher, Ungarn. Die dabei betheiligten Juden sind: Wilhelm Steinitz ist ein gebürtiger Prager und erblickte am 17. Mai 1836 das Licht der Welt. Aus kleinlichen und beengenden Verhältnissen kam er, von Jugend auf immer schwächlich und kränkelnd,

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