Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 62 (8.8.1898)
- Date
- 1898-08-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1139 brachte bald darauf (3. Juni) Sprechsaal S. 317 einen Artikel aus dem Elsaß mit dem Titel: „Die Confistorialversastung in den Reichslanden". „Unnöthige Entrüstung" und unterzeichnet Alsaticus. Zu derselben Angelegenheit eine Erklärung eines mrv buk. Durch die von Herrn Scheftelowitz stud. pliil. unterm 26. Juni in Ihrem Blatte ergangene Antwort, „Elsästische und moderne deutsche Juden," wäre ja dem Artikel des Herrn Alsaticus in wichtiger Weise entgegengetreten. Oöschon Herr Alsaticus nur von seinen Elsässern spricht, bezweifle ich sehr, daß eben diese Elsäsier mit seiner Schilderung gleichen Schritt halten. Wir Lothringer stnd außerdem mit den Elsäflern so eng verknüpft, haben gleiche Gesetze wie sie, so daß ich nicht umhin kann, den Anschauungen des Herrn Alsaticus entgegenzutreten. Warum denn, Herr Alsaticus, enthüllen Sie Ihre Meinungen, nicht dem „Israelit", da dieser doch das Organ ist, wo die Angelegenheit Klauber verschiedene Mal und nachdem andere Blätter es nicht wagten die Frage anzuschneioen, zuallererst besprochen, zudem ein Blatt ist, das in fast jeder Gemeinde Elsaß- Lothringen Leser hat. Ihre Antwort war doch auch für diejenigen, die die ersten Artikel gelesen und nicht für die Leser des genannten Berliner Blattes bestimmt. Die Antwort auf Ihren Artikel durch Herrn Scheftelowitz wäre mir unverständlich gewesen, wenn ich nicht per Zufallin Besitz der „Jsr. Wochenschrift" gelangt wäre. Es wäre mir ein Leichtes, Ihnen das Gegentheil Ihres Berichtes zu beweisen, ich müßte Ihnen den Fall Klauber in seinen Einzelheiten schildern. Sie würden dann hieraus entnehmen, wie ein Consistorium, ein Oberrabbiner diese religiöse Angelegenheit behandelt haben, durch ihre Entscheidung einer Gemeinde, die bisher friedlich gelebt, den Frieden geraubt, diese in die zerfahrensten Zustände gesetzt, Zustände, welche unter diesen Verhältniflen nicht wieder geordnet werden können. Ich übergehe aber, um die Leser dieses Blattes nicht zu ermüden, den Inhalt Ihres Artikels und berühre nur besten Schlußsatz: „Wir wollen bleiben, was wir sind und was wir waren, weder orthodox noch reformirt — wir wollen beibehalten, die von unseren Vätern ererbten Einrichtungen und Gebräuche." Ganz schön gesprochen Herr Alsaticus, wollen Sie mir denn nicht auch das Wahre, die heutigen Thatsachen für Ihre Aeußerungen kundgeben? Mit welchem Recht sprechen Sie diese Worte aus, wir wollen bleiben was wir stnd? Sind Sie denn der Auserwählte für die Gesammtheit der Juden im Elsaß! Meines Wistens befinden sich orthodoxe Rabbinen im Elsaß; ob diese ehrwürdigen Herren Ihre Meinung theilen, bezweifle ich sehr und ist Ihnen ja auch schon seitens des Herrn „Etiam Alsaticus" Antwort geworden. In Lothringen waren unsere Väter glaubenstreue, gottesfürchtige Juden. Innerhalb der Gemeinden war man religiös gesinnt. Es gab aber auch nur Vereinzelte, die SchabboS und Jomtof entheiligten. Der Synagogenbesuch war an Wochentagen fast ebenso rege wie am SchabboS. Orgelspiel kannte man nicht u. s. w. Metz z. B. führte den Namen Kilo-Kaudescho, Forbach sollte gleiche Auszeichnung zu Theil werden. Alles, was mit unseren heiligen Gotteslehren Zusammenhang fühlte, wurde gepflegt und gefördert. Dies waren die Grundlage, Sitten und Gebräuche unserer Väter. Wie sieht es aber nun schon seit 25 Jahren und noch weiter zurück in Lothringen aus? Diese Frage wird sich ein jedes Gemeindemitglied Lothringens selbst beantworten können. Es sind recht traurige Zustände, die wir heute hier vorfinden. Was wird heute zur Pflege, zur Förderung unserer Religion, zur Erziehung unserer Jugend gethan? Absolut nichts. — Wer kümmert sich auch darum? Kein Mensch! Wir sind in Forbach noch immer einem Consistorium von Lothringen, mit Sitz in Metz, als dessen VicepräsidentOber-Rabbiner Ury fungirt, mit Haut und Haaren ausgeliefert, einem Consistorium, das den Fall Klauber „gelöst" hat, und zwar in einer Weise, daß es den Vorstand, der sich gewissenhaft gegen die Aufnahme Klaubers sträubte, sich auch nicht, trotz einer 21{o ständigen Unterredung mit dem Ober- Rabbiner von seiner Ueberzeugung abwendig machen ließ, unterstützt von der Mehrheit der Gemeindemitglieder, einfach seines Amtes enthoben hat, den Onkel der Frau Klauber, Herrn N. Levy und den früheren Geschäftsinhaber der jetzigen Firma Klauber, Herrn A. Joseph, zum Vorstand berufen hat. Ein von der Mehrheit Unterzeichneter Protest gegen die Ernennung der beiden Herren, blieb rücksichtslos unbeantwortet. Herr Ury hatte auch wohl anderen Herren die Stelle eines Vorstehers unter der Bedingung, daß sie Klaubers Aufnahme gewähren, angetragen, es gab sich jedoch Niemand dazu her. Wollen Sie mir nun auch diese einzelnen Fragen, die sich auf Ihren Artikel beziehen, beantworten? Hat es zur Zeit unserer Väter 1. einen Ober-Rabbiner gegeben, der drei Herren, welche einzig in der Absicht denselben besuchten, um ihn auf die entstehenden Zwistigkeiten und Unfrieden bei der erzwungenen Aufnahme einer Person als Gemeindemitglied aufmerksam zu machen mit den Worten beschied: „Nehmen Sie diese Person (und zwar einen nach unseren Gesetzen in verbotener Ehe