Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1898)
- Date
- 1898-08-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1125 eine grössere Oberfläche desselben der Einwirkung der Verdauungssäfte ausgesetzt wird. Die Entfernung von etwa vorhandenen Fasern, der Zusatz von Kochsalz oder etwas Citronensäure erhöht die Verdaulichkeit des rohen Fleisches. Dass das Fleisch in jedem Falle frisch sein muss und keinen üblen Geruch, der auf Fäulnissvorgänge hinweist, haben darf, ist wohl selbstverständlich. Da aber viele Menschen eine Abneigung gegen rohes Fleisch haben, so kommt diese Art der Fleisch Verabreichung nicht viel zur Verwendung: es ist überdies durch den Genuss von rohem Rindfleisch eine Uebertragung des Bandwurms auf den menschlichen Organismus nicht ganz ausgeschlossen. Es tritt darum die Zubereitung durch die Hitze, das Kochen und das Braten des Fleisches, in ihr Recht. Durch diese Art der Zubereitung, welche auf die Einwirkung hoher Temperaturen hinzielt, wird ein zwiefacher Zweck erreicht. Einerseits wird die Schmackhaftigkeit, gar oft auch die Verdaulichkeit des Fleisches erhöht und andererseits alle im Fleische sich etwa aufhaltenden Parasiten und Krankheitskeime getödtet. Schon bei einer Siedehitze von 70 Grad Celsius, die 10 bis 15 Minuten ununterbrochen auf das Fleisch einwirken muss, werden die meisten Organismen, auch die Finnen des Bandwurms, unschädlich gemacht. Ueberdies verwandeln die hohen Temperaturen das Bindegewebe des Fleisches in die leichter lösliche Form des Leimes und führen einen grossen Theil des Eiweissgehaltes in einen den Magensäften zugänglicheren Zustand über. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Main;, 3. August. Es ist erfreulich, wie der jüdische Geist im Erstarken begriffen ist. In vielen Theilen Deutschlands und auch des Auslandes entstehen jüdische Lokalblätter, dazu bestimmt, die jüdischen Interessen ihres engeren Kreises publicistisch zu vertreten. Diese Blätter und Blättchen, so viel Gutes sie vielleicht in ihren Kreisen stiften mögen, benehmen sich doch mitunter recht possirlich, so wachen sie beispielsweise ängstlich darüber, daß irgend eine Nachricht oder kurze Notiz, die sich zufällig in ihre Spalten zuerst verirrt hat, nur ja nicht ohne Nennung ihrer Herkunft in andere Blätter übergeht. Demgemäß fordert uns die Radaction des Jüdischen Volksblattes in Breslau aus, mitzutheilen, daß eine in Nr. 59 d. Bl. enthaltene Entscheidung des Breslauer Gemeinde- Vorstandes, die wir mit Angabe der Quelle der „Allgemeinen Zeitung des Judcnthums" entnommen, ursprünglich in ihrer Zeitung gestanden habe. Das genannte Blatt würde sicherlich diese Aufforderung an uns nicht abgelaffen haben, wenn es sich bewußt wäre, daß es sich, wie auch noch andere jüdische Blätter, anhaltend uns gegenüber der Gesetzesverletzung durch Abdruck unserer Inserate schuldig macht. Lübeck, im sa chjc. Am rcn ist das älteste Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr S. L. Le wert off (Vater des so rühmlichst bekannten Herrn Adolph Lewertoff in Hörter a. W.) nach längerem Leiden in fast vollendetem 88. Lebensjahre vom irdischen Leben abberufen worden. Der Verblichene welcher der Stolz seiner zahlreichen Kinder, die Krone seiner Familie war, hat es verdient, daß seiner in diesen Blättern Erwähnung geschieht. Derselbe hat sich durch seine große Bescheidenheit. durch rastlose Thätigkeit. vereint mit wahrer Religiosität und großem Gottvertrauen, die größte Achtung Aller erworben, welche ihn kannten. Von Juden und Nichtjuden, von Arm und Reich, wurde der Verstorbene gleich hochgeschätzt und verehrt. Die überaus innige Theilnahme bei dem Ableben, sowie bei der seitens aller Kreise der Bevölkerung hat dieses vollauf bewiesen und der Heimgegangene H welcher den ©einigen im wahren Sinne des Wortes re er die herrliche Krone des guten Namens als heiligstes und theuerstes Vermächtniß hinterlaffen hat, war thatsächlich der Ehre, welche ihm nach seinem Ableben zu Theil wurde, werth. Der Verstorbene war der letzte Enkel des V-i:yn yje^x -:ia pan;»r mseKn p"p“ fCKJ* ■jx'iaxs. Ferner war der Heimgegangene der Letzte derjenigen Lübecker Juden, dem als geborener Lübecker vom hohen Senat gestattet war, seinen Wohnsitz stets in Lübeck zu nehmen, während bis zum Jahre 1848 die sämmtlichen dortigen Glaubensgenossen (bis auf 3—4 Familien) nur in dem eine Stunde von Lübeck entfernten Dorfe Moisling wohnen durften. Von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Carlebach welcher sich z. Zt. gerade zur Kur in Bad- Kissingen aufhielt, sowie von dessen hochverehrter Frau Gemahlin *nr wurden dem Heimgegangenen Nachrufe gewidmet, aus denen hervorgeht, welch großer Beliebtheit sich der Verstorbene überall erfreute! — Möge rm die trauernde Familie trösten und mögen die zahlreichen Kinder stets eingedenk sein, sich würdig zu zeigen der re vr ira, der Krone des guten Namens, welche der unvergeßliche Vater bi denselben in solch hervorragender Weise hinterlaffen hat; mögen dieselben stets bemüht sein, in jeder Beziehung durch gottesfürchtiges Leben, sowie bezüglich px pn im Sinne des Heimgegangenen edlen Vaters hi ortzuwirken, alsdann kann man mit Recht hinsichtlich des Verstorbenen ausrufen pnjt ist, p«.