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Der Israelit · 1898-08-04 · Heft 61 (4.8.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 61 (4.8.1898)
Date
1898-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1120 Indien.? Jamaica. Hier ist kürzlich ein alter, jüd. Friedhof entdeckt worden. In dem Negerdörfchen Lakowja, einst einer bedeutenden Ansiedlung, jetzt aber nur ein Haufen von Ruinen, liegt dieser Friedhof, der mindestens ein Alter von 150 Jahren hat und deffen Grabsteine vielleicht noch manche interessante historische Thalsache ergeben. Der erste Jude kam 1508 nach Jamaica, auch später, z. B. am 81. März 1663 wandert en Juden zum Theil in größerer Zahl ein, doch ist die Geschichte der Juden in Jamaica ziemlich dunkel. Personalien. Brette»» 28. Juli. Heute bewerte sich durch unsere Stadt ein großer Leichenzug, zusammengesetzt aus Leidtragenden aller Stände. Beamten hiesiger Stadt und der umliegenden Orte, wie man ihn hier selten gesehen, Es galt die irdischen Ueberreste unseres unerwartet abberufenen Bürgers des Herrn A. H. Rothschild der Mutter Erde zur letzten Ruhe zu übergeben. Im Bad Homburg v. d. H. mit seiner jetzt in Trauer zurückgelassenen Gattin zur Kur weilend, traf das Schlimmste ein. indem der Gatte seiner Ehehälfte und den lieben Seinigen unerwartet, von einem Herzschlag betroffen, im Alter von 72 Jahren durch den Tod entrissen wurde. In dem Dabingegangenen verliert die Gattin ihren treuen Lebensgefährten, die Kinder ihren sie heißliebenden Vater, die Gemeinde einen theuren Bürger, die Sparkasse einen Verwaltungsbeamten, die Gemeinde ein Ausschußmit alied und der Rabbinatsbezirk seinen Bezirksältesten, welchem Amte der Entschlafene si.ti über ein Vierteljahrhundert gewidmet hatte. Der selig Entschlafene war ein ehrenhafter Charakter und hat sich durch sein freundliches Benehmen in allen Schichten der Bevölkerung zahlreiche Freunde erworben. Er war ein angesehener Bürger seiner Gemeinde und wurden ihm dadurch viele Ehrenämter übertragen, sowie schon oben erwähnt, das Amt eines Verwaltungsrathes der städt. Sparkasse, zu deren Begründern er gehörte, des Bürgerausschusses und des Verwaltungsrathes der höheren Töchterschule. Als gelernter Goldschmied, und in diesem Gewerbe Tüchtiges leistend, verstand er es, sich später dem Kaufmannsstande zu widme", ein Geschäft zu gründen, das auf solider «Grundlage fußend, zu einein der bedeutendsten Geschäfte am hiesigen Platze sich entwickelte, so daß er seinen Lebensabend sorgenlos und ruhig genießen konnte. Auf dem Friedhofe hielt Herr Bezirks Rabbiner Schlesinger eine wohldurchdachte von Herzen kommende und ZU Herzen gehende Grabrede, in welcher er die Verdienste des Geschiedenen um das Gemeindemohl, seinen □B'n KTi’P hervor hob und ihm den Dank des Bezirks für die langjährige Ihätigkeit eines Bezirksaltesten zurief. DU3 pttfD DP 2D. Sprechsaal. (Für diesen Theil übernimmt die Redaktion dem Leserkreis gegenüber nur die preßgeseyliche Verantwortung.) Lothringer» In der letzten Zeit sind mehrere Artikel aus dem Elsaß veröffentlicht worden, die dahin führen sollen, die Verhältnisse der Eonsistoricn iin Elsaß zu regeln, und es scheint, daß man mit Erfolg arbeitet. Aus diesen Artikeln ist nicht ersichtlich, daß nach dieser Richtung hin für uns Lothringer was gethan ist. so daß wir genöthigt sind, selbst hierfür einzutreten, was wir auch thun wollen. Mit unseren Glaubensgenossen im Elsaß sind wir nahe befreundet und auch wir stehen unter einem Consistorium. das seinen Sitz in Metz i. L. hat, an deffen Spitze Herr Ober-Rabbiner Ury steht. Was wir Lothringer wünschen ist eine geregelte und gerechte Verfassung, Selbstständigkeit der Gemeinden. Wir wollen von Männern geführt werden, die Religion besitzen, echte Jehudim sind, die Gesetze kennen und letztere sowie unsere Religion nebst Vorschriften beachten und handhaben. Wir wollen Männer haben, die dahin wirken, daß unsere Jugend in der Religion so unterrichtet wird, daß sie zu religiös- und gesetzestreuen Männern heranwachse. Wir wollen Männer haben, die sich um unsere Gemeindeangelegenheiten, sowie um die bestehenden Einrichtungen in der Gemeinde kümmern und dieselben nicht verfallen lassen, — Männer, die bei event. Streitfragen in Gemeindeangelcgenheiten unter Berücksichtigung von Religionsgesetzen und bestehenden Vorschriften, ein Urtheil nach Pflicht und Gewissen kälten können; Männer, die Verstöße gegen Religionsvorschriften rügen und eintretenden Falls abzuwehren wissen. Die hohe Regierung sieht es gerne, wenn die Religion gefördert wird und ist bei correctem Verfahren, auch deren Hilfe zu erwarten. Wir wollen in unserer Religion nicht versumpfen, vielmehr dahin wirken, das wieder zu erobern, was uns verloren gegangen und was unseren Vätern hoch und heilig war. Dieser Zweck ist zu erreichen und kann mit Leichtigkeit erzielt werden, wenn wir vereint Zusammenhalten, vorwärts gehen und berathschlagen, welche Mittel und Wege eingeschlagen werden müssen. Ein Einzelner kann wenig in dieser die Gesammthcit betreffenden Sache thun, muß vielmehr eifrig unterstützt werden und ist es an uns Lothringer die Reihe, eine Verbesserung der Lage zu schaffen. Die Interessenten und Diejenigen, die für das Judenthum eintreten, namentlich meine Glaubensgenossen in Lothringen, die der Sache näher beizutreten beabsichtigen, wollen durch Veröffentlichung in dieser Zeitschrift, ihre Meinungen abgeben, Vorschläge machen, in welcher Weise die nöthigen Schritte, Vorbesprechungen eingeleitet werden sollen. Mit Händen im Schooß kann Nichts erzielt werden und nehme ich an. daß wir Lothringer ebenso weit vorgeschritten sind, als unsere Glaubensgenossen im Elsaß und daß wir auch das voll führcn können, was heute die Elsäßer zu thun beabsichtigen. Ein Anfang ist da und werden wir mit Gottes Hilfe in diesem für die Gesammthcit der Juden Lothringens beabsichtigten Vorgehen, Unterstützung finden. Ein Lothringer für Viele. Vielleicht kann durch einen „Unabhängigen Verein ge setzestreuer Glaubensgenossen" in Lothringen Aehnliches erreicht werden, wie solche Vereinigungen in Alt-Deutschland seit Jahren u, ter göttlichem Beistände es erreicht haben- Red- Vermischtes. < Lemberg. Herr Dr. Simon Schaff, Vieepräses der hiesigen israelitischen Gemeinde, erklärte dem Cultusvorstande seine Bereitwilligkeit, ein besonderes Mädchenwaisenhaus auf seine Kosten zu erbauen, wenn ihm der Vorstand den zum Waisenhaus gehörigen seitlich gelegenen Platz ein räumen wird. — Wie wir vernehmen, wurde der Kostenvoranschlag des Spitals, das Herr Lazarus bauen läßt, vom Baumeister, nicht wie ursprünglich angenommen, aus l00 000 bis 120 000 fl., sondern auf 165 OOO fl. präliminirt.

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