Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1898)
- Date
- 1898-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1119 und überdies das Schloß desselben in nicht wiederzugebender Weise besudelt. Es wäre wirklich zu wünschen, daß man der Thäter habhaft würde, damit sie der ihnen gebührenden empfindlichen Strafe zugeführt werden könnten. Jedenfalls sind es rohe Patrone, welchen nicht einmal die Stätte der Todten heilig ist. Wie wir hören, ist man ihnen auch bereits auf die Spur. Der israelitische Kranken- und Beerdigungsverein „Chewra-Kadischa", welcher durch die Verwüstungen empfindlich geschädigt erscheint, sichert demjenigen, welcher zur Ergreifung der Friedhofschänder beiträgt, eine Belohnung von zehn Gulden zu. 11. Aus Westgalizien, 30. Juli. (Die Hetze wird fortgesetzt.) Das Standrecht und der Ausnahmezustand bestehen noch, aber die Hetze wird trotzdem eifrig fortgesetzt. Fast ohne Ausnahme ist die polnische Presse bemüht, den Antisemitismus zu fördern, und sie gebraucht dabei jene Mittel, welche sich anderwärts bewährt haben. Es werden täglich theils vollständig erdichtete, theils künstlich bearbeitete Geschichtchcn erzählt, welche die Ausbeutungssucht, den Uebermuth und die Anmaßung der Juden bezeugen sollen. In dieser Hinsicht übertrifft aber ein in Neu-Sandec erscheinendes Blättchen, „Bauernbund", alle Mitbewerber, selbst die Organe des Pater Stojalowski. Als Herausgeber und verantwortlicher Redakteur dieses dreimal im Monat erscheinenden Blättchens fungirt der Abgeordnete Stanislaus Potoczek, derselbe, welcher im Wiener Abgeordnetenhause sich in den Obstructionsschlachten des vorigen November als Kämpfer für Badeni bemerkbar machte. Die uns vorliegende Nummer 20 des fünften Jahrganges des Potoczek'schen Blättchens enthält eine Reihe weißer Stellen. Es ist dies nämlich eine Ausgabe, die als Ersatz für eine eonsiscirte Nummer erschien. Die Juden werden in dieser nicht beanstandeten Nummer in unfläthigster Weise beschimpft, der strengste Boycott wird gegen dieselben gepredigt, und sie werden sogar als die Urheber der antisemitischen Ercesse verdächtigt. Der Zweck der jüngsten Unruhen in Galizien, heißt cs in einem Artikel, sei kein anderer gewesen, als den in starker Zunahme begriffenen rechtlichen Widerstand gegen die jüdische Herrschaft vor den Behördeit und der ganzen Welt zu diskreditiert. Man habe nach einem listig ersonnenen Plane den gesetzlichen Widerstand in eine gewaltsame Bewegung verwandelt, um diesen Widerstand zu vernichten und das Volk wieder jüdischer Uebervortheilung preiszugeben. An solche Auslassungen knüpft jedoch das Potoczek'sche Blättchen die Mahnung an die Bauern: Seid nur um Gotteswillen hübsch brav und begeht keine Ungesetzlichkeiten! Wer den masurischen Bauer kennt, weiß, daß solche Mahnungen, wenn ihnen Beschimpfungen und Beschuldigungen der Juden vorangehen, ganz werthlos sind. Es wird also trotz der Erfahrungen, die man bei den Ausschreitungen im vorigen Monate gemacht hat, fortgesetzt, und doch hätten die Veranstalter dieser systematischen Aufreizungen, an denen sich im Potoczek'schen Blättchen auch ein Dorfschullehrer betheiligt, alle Ursache, sich stets vor Augen zu halten: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. § Czernowitz, 22. Juli. Ich glaube Sie nicht zu belästigen, wenn ich Ihnen heute auch eine Liste iener auswärtigen Rabbiner, die unserm Rabbiner Weiß '"j zu seinem 25jährigen Jubiläum gratulirt haben, mittheile. Es find dies: Zadoc Kahn, Großrabbiner von Frankreich, Dc. Moritz G ü d e m a n n, Oberrabbiner von Wien, Dr. Breuer in Frankfurt a. M., Dr. Schiffer in Kalrsruhe und Dr. Guggenheim in Kolin. Auch der hiesige Erzbischof Monsignor Dr. Czupercovicz hat sich als Gratulant eingefunden. V. S-A.-Ujhely. In Folge der Judenverfolgungen in Galizien hat die Behörde des Zempliner Komitats auf Grund eines Beschlusses des Komitatsverwaltungs-Ausschusses aus Furcht vor einer Invasion galizischer Juden die Oberstuhlrichter des Sztropher Homonar, Szinnaer, Varannoer und Nagy-Mikalyer Bezirke beauftragt, Vorkehrungen zu treffen, daß die Gendarmerie an der Grenze des Komitats auf die Einwanderung galizischer Juden ein genaues Augenmerk haben solle. R u ß l a n d. \i Petersburg. Alljährlich, sowie die Schifffahrt wieder aufgenomnieu wird, werden neue Truppen, in welchen sich eine Anzahl Juden befindet, nach Sibirien, nach Vladistok und mitunter nach den entlegensten Theilen des Landes entsendet. Gewöhnlich liefern die jüdischen Bewohner der Ortschaft ihren Glaubensgenossen alles, was sie zur Ausübung ihrer religiösen Pflichten brauchen, namentlich die Mazzos, die sie zu Ostern essen wollen. Durch ein merkwürdiges Zusammentreffen, feiern sie dieses Fest mitunter in der Nähe des Rothen Meeres, wo ihre Vorfahren zum ersten Male das Freiheitslied anstimmten. Vor einiger Zeit langte in Odessa der Brief eines jüdischen Soldaten an, der zur Garnison eines verlorenen Winkels von Sibirien gehört; er bat um ein Messer zum rituellen Schächten des Rindviehs; er meldet, daß wegen Mangels eines jüdischen Schlächters, er und seine Kameraden sich in der Unmöglichkeit befinden, koscheres Fleisch zu genießen. Zum Glück versteht einer von ihnen das Schächten, und es wird nur auf die Zusendung des Messers gewartet, um seine Schuldigkeit seiner Religion gegenüber zu thun.