Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 61 (4.8.1898)
- Date
- 1898-08-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1118 jüdischen Rechtsanwalts seitenjenes Blattes sagen? Wir empfehlen dem Verfasser, sich seine Informationen bei diesem und jenem antisemitischen Rechtsanwalt zu holen, aber nicht in öffentlicher Versammlung, sondern im stillen Kämmerlein, und er wird da manches hören, was er bisher noch nicht weiß oder nicht wissen will. Wir könnten mit einer ganzen Reihe jüdischer Namen aufwarten, die in hervorragender Weise die juristische Wiffenschaft und die juristische Praxis befruchtet haben." X. Marburg, 1. August. Unter der Stichmarke „Ter Juden Rache" bringt das Organ des Bundes der Landwirthe, die „Deutsche Tages-Zeitung", folgende Mittheilung: In eigenartiger Weise hat die Stadt Kirchhain es zu büßen gehabt, daß bei der jüngsten Reichstagsftichwahl in ihr eine sehr große Zahl Stimmen für den Antisemiten Dr. Böckel abgegeben worden ist. Am 13. d. M. war in Kirchhain, das bisher mit die bedeutendsten Viehmärkte in unserer Provinz aufzuweisen hatte, wieder Viehmarkt, aber statt der üblichen 600—1000 Stück Rindvieh waren nur etwa 100 aufgetrieben, denn die meisten israelitischen Händler waren dem Kirchhainer Markte ferngeblieben und hatten, wie der „K. Ztg." gemeldet wird, statt dessen den Viehmarkt in Gießen besucht. Wie sich doch die Zeilen ändern! Als Dr. Böckel die antisemitische Bewegung in Heffen entfachte, wurden aus seine Anregung hin sogenannte „judenreine Viehmärkte" eingerichtet, die nach wenigen Jahren natürlich elend verkrachten. Heute möchte man den Juden einen Strick daraus drehen, wenn sie ihrerseits das gleiche Verfahren einschlagen. Den Antisemiten, die beständig das Wort im Munde führen: „Kauft nicht bei Juden", steht die tugendhafte Entrüstung besonders wohl an. Hoff.ntlich werden die jüdischen Viehhändler in Hessen und anderswo auch in Zukunft von diesem Wege der Selbsthilfe Gebrauch machen, wenigstens so lange, bis man sie in der freundlichsten Weise wieder zum Besuch der Märkte einladet. Herr Dr. Böckel hatte vor der Wahl den Kirchhainern wie allen Landwirthe» des Wahlkreises alles Erdenkliche an Glück und Wohlfahrt versprochen, wenn sie ihn wählten. Jetzt haben sie die Bescheerung, für die ne sich bei ihrem Abgeordneten bedanken mögen. Strasburg i. E., Anfangs Ab. Gestalten Sie mir, bezugnehmend auf Ihre wiederholten Veröffentlichungen über unsere elsässischen Verhältniffe, aus einen Artikel in Nr. 27 der „Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift", „Unnöthige Entrüstung" betitelt, hinzuweisen. Herr „Alsaticus" erklärt in demselben zunächst, er sei weder reformistisch, noch orthodox gesinnt; er meint ferner, die heutigen Zustände seien die „altelsässischen"; er ist also der Ansicht, daß von jeher solche Ehen, wie die berüchtigte Forbacher, geschloffen und die betr. Eheleute in die Gemeinde ausgenommen worden seien! Aus seinen Folgerungen läßt sich ferner schließen daß die kulturellen Einrichtungen und Anordnungen nicht d e m s •> n, sondern den Wünschen der Majorität der isr. Einwohner de- Elsaß entsprechen müssen. Schließlich meint er, nur die Altdeutschen seien mit den Zuständen im Elsaß unzufrieden, die, anstatt sich zu beklagen, Elsaß verlaffen sollten. Run hat sich Herr Alsaticus in einer der jüngsten Nummern als ein Einwohner von Sulz (Ober- Elsaß) entlarvt. Hätte er das früher gethan, so hätte er die sachlichen Entgegnungen überflüssig gemacht. Wenn man nämlich den Ursprung solcher Veröffentlichungen kennt, so bedarf es nur einiger weniger Bemerkungen, um zu kennzeichnen, wo.mrch solche Anschauungen entstehen können und um den Fernerstehenden die Unmöglichkeit darzuthun, in solchen Kundgebungen die Ansicht der „Elsäffer" zu erblicken. Denn, daß in Sulz (Ober-Elsaß) solche Prinzipien walten, daß dort die Leute indifferent genug sind, um weder der Reform noch der Orthodoxie anzugehören, das ist eine längst bekannte Thatfache. In Sulz (Ober-Elsaß) war es ja, wo ein Fremder nur deßhalb kein pn bekommen konnte, weil es dem Rabbiner nicht beliebte, in die Synagoge zu kommen (worüber Sie s. Z. berichteten). In Sulz (Ob.-Elf.) war es ja, wo vor zwei Jahren am rpn 'ß ,yp die beiden Abschnitte p^a* npn im Beisein des Rabbiners verlesen wurden, ohne daß jemand wußte, daß nur eine Sidra zu lesen sei. — (Israelit, 1896, Nr. 57. St. 1088). — Der Rabbiner von Sulz (Ober-Elsaß) war es auch, der erlaubt hat 2^122 zu schächten, obschon man auch im Elsaß überall das Verbot kennt. Wie es mit der Ueberwachung des Religionsunterrichtes von Seiten des geistlichen Oberhauptes der Gemeinde aussieht, resp. warum er die Schulen nicht besucht, davon spricht jedes Kind. Von Mitgliedern einer solchen Gemeinde, die gleichgiltig solche Verhältnisse mit ansehen, kann man wohl leichtsinnige Angriffe gegen diejenigen erwarten, denen der religiöse Verfall hierzu Lande zu Herzen geht und die zu retten suchen, was noch zu retten ist. 7:1 n:c.x: rrnp nmP nrrn H2\x. Möge auch für uns eine i2n:-Zeit kommen'. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. X. Salzburg, 1. August. Unter dem Schlagwort „Ein Bubenstück" schreibt das hier erscheinende, echt freisinnige „Salzburger Volksblatt" in seiner Nummer vom 19. Juli: Wie man uns berichtet, wurden in der letzten Nacht die sämmtlichen Fenster des Leichenhauses am israelitischen Friedhofe in Glasenbach von bübischen Händen eingeschlagen, ebenso das schmiedeiserne Gitterthor schwer beschädigt