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Der Israelit · 1898-08-04 · Heft 61 (4.8.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 61 (4.8.1898)
Date
1898-08-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1117 werden hier in Wochen und Monaten erledigt. — Wie lange der junge Mann hier verbleibt, das richtet sich nach individueller Begabung und nach dem Berufe, den derselbe wählt. Ein Kaufmann, der sich praktisch weiter biloet, kann nunmehr sein Tw'ö". Studium in zwei Jahren abschließen; die werdenden Rabbiner bleiben länger hier. Man muß nicht schon zu zwanzig Jahren geistiges Oberhaupt einer Gemeinde sein; Zeit genug, wenn man es zn fünfundzwanzig wird. Hat nun der um von seinem neunzehnten bis zum sechsundzwanzigften Lebensjahre hier aus der Oberstufe der wieder fleißig „gelernt" und fleißig „ftudirt", welch ein tüchtiger, gebildeter min p muß da aus ihm geworden sein! Blüht Ungarn bei Durchführung dieses Systems nicht die herzerfreuende Hoffnung bedeutende cwn H’o^n, gebildete Männer und begei ierte DHirv ins Leben zu sitz n? Die Pläne des n ptr usc noto 'inon habe ich absichtlich hier nur skizzirt. Ungarn mag an seinen großen Meister sich selbst wenden, seinen Rath hören, den herzrührenoen Ermahnungen, die in feinen Werken in die Welt hinauslönen, ein geneigtes Ohr schenken und kräftige Hand an's große Werk legen. Gott verhelfe ihnen dazu! Zeitungsnachrichten nnd Korrespondenten. Deutschland. ft. Berlin, J. August. Ein beliebtes Sujet antisemitischer Schaumschlägerei sind von jeher die Juristen mosaischer Konfession. Die müssen es sich immer wieder gefallen lasten, durch die unsauberen Spalten judenfrefferischer Blättchen geschleift zu werden, freilich ohne Schaden dadurch zu nehmen. Diese Arbeit besorgt soeben wieder einmal eine Hamburger Antisemiten-Zeitung, die sich „Deutsches" Blatt nennt. An der Hand einiger statistischer Zahlen, deren Richtigkeit wir, ohne sie zu prüfen, nicht anfechten wollen, wird dort über „das maffenhafte Eindringen der Ju^en in die Juristerei" antisemitelt, wie sich das bei böswilligen antisemitischen Ignoranten von selbst versteht, ohne auf die Ursachen dieser Erscheinung einzngehen. Mit Recht bemerken dazn die Mutheilungen zur Abwehr des Antisemitismus „Es ist dieser Gesellschaft natürlich nicht unbekannt, daß den Juden eine ganze Reihe von Berufen ganz, andere fast völlig verschlossen sind. Oeff.'ntliche und private, jawohl, auch private. Große Institute, Fabriken, Anstalten, deren Leiter sich schämen würden, in einem Athemzuge mit antisemitischen Demagogen genannt zu werden, treiben den sogenannten latenten Antisemitismus: sie Hallen ihre Betriebe „judenrein", wie es im antisemitischen Gaffenjargon heißt. Der Radauantisemitismus wird sich, wie jede Bewegung auf der Gaffe, überleben, manche Leute behaupten, er habe schon den Höhepunkt überschritten. Gleichviel, er hat seine „Kulturmission" erfüllt, er hat den latenten oder — deutsch gesprochen — den feigen, heuchlerischen Antisemitismus geschaffen. Der lehnt zwar nach außen aus Gründen der Reinlichkeit jede Gemeinschaft mit dem Parlamentsantisemilismus ab, aber im Geheimen besorgt er die Exekution jener „Pioniere". Das maffenhafte Eindringen der Juden in die Juristerei" ist um so „gefährlicher", als die Juden gänzlich ungeeignet sind, Richter oder Rechtsanwälte zu sein. So verkündet das „deutsche" Blatt. Was qualifizirt denn zum tüchtigen Richter? Gediegene Kenntnisse, Gerechtigkeitssinn, ein offener Sinn für das praktische Leben und liebevolles Eingehen auf das Vorbringen der Parteien. In allen diesen Punkten ist der jüdische Richter im Durchschnitt nicht um ein Deut mehr, aber auch nicht weniger begabt als der christliche. Die jüdischen Studenten rekrutiren sich in überwiegend großer Zahl aus Kreisen, die nur so lange über Einkommen verfügen, als sie Erwerb haben. Ihr „Wechsel" ist ein sehr bescheidener, sie wissen auch, was sie, wenn sie ins „Philisterium" übertreten, nicht zu erwarten haben. Ihr Lebenslauf ist weniger „Lieb und Lust" und „Sauferei" und „Rauferei" als Vorbereitung zu ihrem Beruf. Protektion und Konnexion hat der junge jüdische Jurist nicht zu erwarten, im Gegentheil, Hindernisse auf allen Wegen. Jahrhunderte hindurch unter der brutalsten Ungerechtigkeit seufzend, weiß der Jude das köstliche Gut der Gerechtigkeit wahrlich nicht weniger zu schätzen als der Christ. Ec sieht in jedem Mitmenschen den Menschen, dessen Persönlichkeit er achtet, und dem er als Richter Verständniß entgegenbringt, nicht weniger als der christliche Richter, denn er hat die Nichtachtung der Persönlichkeit zur Genüge kennen gelernt. Er kennt die Bedürfniffe des kleinen Mannes, er weiß, wo ihn der Schuh drückt, denn er lebt mit den kleinen Leuten, und keine Reservelieutenantsoerpflichtungen trennen die Empfindungen des jüdischen Richters von dem kleinen Mann, der sein Recht sucht. Eine immer wiederkehrende Verleumdung ist die Behauptung, daß jüdische Richter jedesmal, wenn unter den streitenden Parteien sich Stammesgenoffen von ihnen befinden, ein lebhaftes Jntereffe zeigen, deren Angelegenheiten in ein günstiges Licht zu stellen und ihnen, soweit angängig, hilfreich zu sein — auch vielleicht ohne bestimmte Absicht." — Umgekehrt kann man in solchen Fällen, insbesondere unter der Herrschaft des Antisemitismus — zweifellos ohne bestimmte Absicht — dar Gegentheil beobachten. Was soll man erst zu der verlogenen Schilderung des

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