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Der Israelit · 1898-08-01 · Heft 60 (1.8.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 60 (1.8.1898)
Date
1898-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1104 Marren und üch hier redlich, wenn auch füiitmiTlici) zu ernähren m pe\ Sprechsaal. (,viiv diesen Theil übernimmt die Redaktion dem e'eserkrei-L gegenüber nur die pirvHescyliNic Verantwortung.) Prag, den 27. Juli. Die Nummer 76 Ihres geschauten Blattes enthält einen Artikel, dessen Schreiber meine Abwesenheit von Prag zu einer „Sensations-Affaire" benutzt bat. Nachdem nun der Inhalt dieses Artikels darnach angethan ist, mich in meiner Stellung, ja sogar in meiner Earrime zu schädigen, bitte ich um freundliche Aufnahme folgender Berichtigung: Mein angebliches .Verschwinden" von Prag ditttte einzig auf den Umstand zurückzmühren sein, daß ich meine», von meinem löbl Vorstände bewilligten Urlaub antrat, ohne dem Schreiber jenes Artikes eine Abschiedsvisite gemacht zu haben. Dieser war daher über das Ziel meiner pfeife ebensowenig orientirt, als seine Behauptung wahr ist, ich hätte in Ungarn beträchtliche Schulden eontrahirt, zu deren Zahlung ich erst hier in Prag verhalten werden mußte. zumal ich in Eisenstadl ein blutarmer Talmudjünger war und bei weitem nicht diesen unbegrenzten (A'Ott fl ) Kredit genoß. Was das Fasten an rr'-iy anbelangt, so übernahm ich dw cantorale Funktion dieser Feier gemäß Auftrag meines Snnagogenvorstandes und nicht auf die Einladung der „Ehewra-Kadischa" hin, der ich schon tut Vorjahre aus wichtigen Gründen (zu deren Wiedergabe hier nicht der Platz ist> abzusagen gezwungen war. Jet) habe sämmtlichc auf das Fasten bezughabende Gcbetftellen von nnja und;cp nsr er und nicht blvßtt'^p ansgelassen und nach der Funktion offen erklärt, daß ich nicht gefastet habe. Eben deshalb habeich auch die Einladung zunt ritueUcnGastmahl sowie das mir angeboteue Ehrenhonorar resäfirt. Daß ich ein Verhältniß zu c.iter 2ckchtjüdi>t haben soll, setzt diesen! Lügengewebe die Krone ans Ich zeihe diesen Arlikelschreibcr, der nur darauf ausging inich durch diesen Artikel zu comvromitttren, össentlich der llnwahrhaftigkeit, der das Licht scheut und in's Ausland geht, um par distanee feine Verläumdungen anzubringen. Ich behalte mit vor, diesen Herrn gerichtlich zu belangen. B >'I a Gutrmann, Dbeecantor, Prag, Langegajse i i. Feuilleton. 3 o 1 a di t i. Erzählung aits dem lttterarischeu Nachlaß von H. Berger—M a i n z. 2) | Alle Rechte Vorbehalten. Die für den Juden so ernste Zeit der Jahreswende, an welche sich die heilige Zeit der Bußtage anschließt, welche wieder mit dem hehrsten aller Tage, dem Versöhnungstage endet, bringt in jedes jüdische Haus eine mehr oder minder ernste Stimmung, welcher sich arlch der nicht verschließen kann, der sonst im ganzen Jahre nicht weiß, daß er Jude ist, nicht wisien will, daß er dem anserwählten Volke angehört. Schon der Monat Ellnl, der mit seinen Schofarj tönen all den jüdischen Herzen rüttelt, der uns hin austreibt in das friedlich stille bes hachajiin*), um all den Gräbern theurer Verstorbener zu beten, uns im Angesichte des Todes vor dem zu beugen, der der Herr ist über Tod und Leben, schon dieser Monat zwingt uns, Einkehr zu halten bei uns selbst, Musterung zu hallen über das, was wir gelhan, was wir hätten thun können und thun sollen. Heil dem, der sich keine Vorwürfe zu machen hat, der von sich sagen kann: „Ich habe gethan nach Deinem Worte, o Ewiger, habe gehandelt nach dem Verhältniß der mir verliehenen Fähigkeiten und Anlagen. Ich kann getrosten Muthes den Tag erwarten, von deni es heißt, hajaunr jamid bamischpot kol jezurei olomtm.' J Der Gerichtstag wird ihm ein Tag froher Hoffnung, der Versöhnungstag ein Tag himmlischer Freude sein. Aber wehe dem, dessen Herz gedrückt von Schuld und Fehle bange schlägt in der Erwartung des heiligen und heiligsten Tages. Mit Bangell und Zagen, bebenden Herzens hört er die heiligen Schosartöne schebarim, terua! Was dem Frommen Trost und Erhebung, das wird dem Gottlosen zur Todesangst ilnd Höllenpein. Und wer auch wähnt so aufgeklärt und klug zu sein, daß er des alten Gottes und seiner unbequemen veralteten Lehre, seiner strengen Gebote nicht mehr bedürfe ----- beim Ternaschall wird es ihm anders ums Herz. Jene, die jetzt still im Staube schlafen, wird dieser Schall einst erwecken am Tage des Weltgerichts, das störrige Herz, das noch auf Erden lebt, wird er aufrütteln, derß es sich beuge vor seinem Herrn und Richter. Professor Frey saß in seinen Studierzimmer über einige schwere Probleme der höheren Mathematik nachdenkend. Wenn es ihm gelang, die Probkeme auf die Art zu lösen, wie er es dachte, war sein Glück gemacht, die Unsterblichkeit seines Namens gesichert. Sein Nanre wurde mit dem des Pythagoras, Newton, Keppler, Copernicus genannt, er hatte für die Wissenschaft gelebt, die Wissenschaft bereichert, sie um einen großen Schritt gefördert. Und Buchstabe reihte sich an Buchstabe, Zahl ordnete sich an Zahl. Ueber das Gesichts des Professors flog ein freudiges Lächeln. Immer mehr näherte sich das kühne Gebäude seiner Folgerungen und Schlüsse seinem Ende. Triumph, Triumph! Ja, die Wissenschaft allein gewährt volle Befriedigung, reines Glück. Da öffnet sich leise die Thüre des Studierzimmers und ein junges, hübsches Weib tritt ein, einen bildhübschen, goldlockigen Knaben an der Hand führend. *) Friedhof, eigentlich Hans des Lebens. **) Heute stehen vor Gericht alte Geschöpfe der Welt.

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