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Der Israelit · 1898-07-28 · Heft 59 (28.7.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 59 (28.7.1898)
Date
1898-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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LUIX Jahrgang, Erste Beilage M M 59 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Missenschuft kehrt mu.*) * M ainz, den 21. Juli. III. Die Zeichen mehren sich, daß die s. g. jüdische Wissenschaft andere Bahnen sucht. Ein halbes Jahr mindestens ist das Werk des Herrn Halevy schon im Buchhandel, das von strengwissenschaftlichem Standpunkt aus soviele Größen der modernen historischen Talmudforschung einer herben Kritik unterzieht, ein Vierteljahr ist vorüber, seitdem wir an dieser Stelle die volle Berechtigung der Angrffe im Buche Dorot Harischonim gegen Grätz, Weiß und Genossen öffentlich anerkannt haben. Daß unseren Gelehrtenkreisen der hier ausgesprochene Tadel gegen diese noch vor Kurzem vielbewunderten Geschichtsforscher unbekannt geblieben sei, ist schon deßhalb schwer anzunehnren, weil ja ein Scheltwort lauter klingt, als ein Lehrwort. Und — soviel jüdische Wochen- und Monatsschriften uns in die Hand gekommen sind, mit zarter Sorgfalt wird das Werk Halevy's und seine Angriffe verschwiegen. Haben Grätz und Weiß keine Freunde mehr, die sich ihrer annehmen? Der Grund dieses tiefen Schweigens, sowohl zur Kritik als auch zur Vertheidigung kann nur darin liegen, daß die wissenschaftliche Welt sich entweder nicht mehr in der, Gefolgschaft der umstürzlerischen Talmudforschung befindet, oder daß sie die Unmöglichkeit der Vertheidigung gegenüber den scharfen und schweren 'Waffen, die Herr Halevy führt, einsieht. Jedenfalls kann unser Meister den Satz x'2-ni^nv rpviir „Schweigen ist gleich Zugestehen" für sich in Anspruch nehmen. Uns wird man es unter diesen Umständen nicht verübeln, wenn wir uns der Führung des Berfaffers von Dorot Harischonim weiter? anvertrauen und nun das Bild eines noch gefeierteren modernen Talmudkritikers von seinem hochragenden Platz herunternehmen. Es liegt uns fern die wissenschaftliche Bedeutung Zacharias Frankel'S auf manchem anderen Gebiete leugnen zu wollen, doch feine Schwächen in den Einleitungen zur Mischna und zum Jeruschalmi sind uns schon lange bekannt, und durch das Werk Halevy's sehen wir jetzt, wieso der sonst so besonnene Forscher auf diesem Gebiet zum Falle kommen mußte. Der Grund •) Siehe Nr. 21 u. 2S dieses Jahrganges. liegt in der Feindseligkeit und Voreingenommenheit gegen den Talmud, der besonders um die Mitte des Jahrhunderts die Männer der s. g. jüdischen Wissenschaft beherrschte und ihr Urtheil trübte. Wie war es, um nur ein Beispiel zu nennen, möglich, daß eine große Zahl jüdischer Gelehrten die Fälschungen des Karäerhauptes Firkowitsch lange Jahre gläubig und kritiklos hinnahm? Die Ursache liegt in nichts I Anderem, als in der Sympathie, welche man jedem Talmudseinde entgegenbrachte. TieWahlverwandtschast mit dem talmudfeindlichen Karäerthum hat in der bekannten Begrüßung nn» utk „unser Bruder bist du", die Jellinek dem Firkowitsch widmete, einen klassischen und bedeutsamen Ausdruck gefunden. Ist es zu verwundern, daß diejenigen, welche mit jedem gefundenen Stein froh waren, der sich gegen den Talmud schleudern ließ, daß solche Leute dem Karäer Firkowitsch seine gefälschten Beweise zur Verherrlichung des Karäerthums gern und gläubig abnahmen? Dem Geist der Zeit folgend, dem Alles und Jedes lieb war, was die Autorität des Talmuds und seiner Träger erschüttern konnte, stellt Frankel in seiner Einleitung zum Jeruschalmi die absonderliche Behauptung auf: die letzten Amoraim, sowie die Saboraim und Gaonen, hätten den Talmud nicht gekannt. Das Hauptbeweisstück dafür ist dem Aktenbündel des Fälschers Firkowitsch entnommen. Das allein würde genügen, um die Beweiskraft der Frankel'schen Behauptung zu erschüttern. Herr Halevy thut gut daran, daß er sich bei seiner Entgegnung nicht mit dem Hinweis auf die Fälschungen des Firkowitsch begnügt, sondern daß er selbst für den Fall, daß jenes karäische Dokument echt sein sollte, das Hinfällige der Folgerungen Frankel's in helles Licht rückte. Pinsker im Likute Kadmoniot bringt ein aus wenigen Zeilen bestehenoes Fragement aus einem angeblichen Psalmenkommentar des Karäers Salomon b. Jerucham. Dort soll der Karäersagen; er habe im Jeruschalmi einen Beweis gegen Saadia gefunden und habe zur Ueberführung des Saadia den Jeruschalmi nach Babylonien gebracht. Aus diese karäische Mittheilung baut Frankel seine seltsame Behauptung auf, daß man bis Saadia den Jeruschalmi nicht gekannt habe. Wir können freilich hier Herrn Halevy nicht darin beipflichten, daß der Karäer unter Babylonien nur den Aufenthaltsort Saadias, die Stadt Bagdad, gemeint habe. Denn im arabischen Text bei Pinsker steht: 'brr r,z nn;r px^Px „ich habe es nach dem Irak gebracht", Irak deckt sich ungefähr mit Babylonien und wurde von Pinsker richtig mit übersetzt. Dagegen sind die anderen Beweise im Dorot Harischonim für das Widerspruchsvolle und durchaus nicht Beweiskräftige

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