Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 59 (28.7.1898)
- Date
- 1898-07-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1086 r. -T^^TV^ Gymnasium zu D. Er lebte im Hause des dortigen jüdischen Lehrers und lernte bei Rabbi L. Schaß und Poskim. O, hätte er nie das Haus des jüdischen Lehrers, dieses Heuchlers betreten. Er galt für fromm und brav und er hat die reine Seele meines Sohnes vergiftet, ihn abwendig gemacht unserer heiligen Lehre. In seinem Hause lernte er die Heuchelei, war er zum ersten Male mechallel Schabbos, aß er zum ersten Male trefoh —! Wie lange der Verführer dazu gebraucht hat, mein Kind auf Abwege zu bringen, ich weiß es nicht. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Die Zeugnisse, die Willi von der Schule und von Rabbi L. nach Hause brachte, waren glänzend, wir waren stolz auf unser Kind! Wir wußten nicht, daß er nicht mehr unser war. Er war in allem ein Meister, so auch in der Heuchelei. War er in den Ferien zu Hause, dann wußte er uns über seine ivahre Gesinnung zu täuschen und wir ließen uns diese Täuschung gerne gefallen." Ein Seufzer entrang sich den Lippen des Greises, eine Thräne rollte über seine Wange — sie galt der begrabenen Hoffnung. Die Vergangenheit wurde wieder lebendig in ihm, die Stunde zog an seinem Geiste vorüber, da er erkannte, daß seine Hoffnungen fehl geschlagen, daß sein Willi ein „Posche Iisroel", nicht einer der „Gedaule Iisroel" geworden, da er von den Lippen dessen, der die Lehren der Thora in Israel verbreiten sollte, hörte, daß dies alles „Mumpitz" sei, von dem er nichts halte. Es war eine entsetzliche Stunde. — Simon merkte, wie erregt der Vater war und wollte dem Gespräch eine andere Wendung geben, seine Fürbitte für den Bruder in gelegenerer Zeit wiederholen, aber der Vater wehrte ihm und sagte: „Laß uns in dieser Sache klar sehen, mein Sohn. Die Wunde, die mir jener geschlagen hat, ist nicht vernarbt und wird auch nie vernarben, aber die Nähe des Jom hadin und Jom hakipurim verpflichten mich. Dir, da Du mir Härte gegen den eigenen Sohn vorwarfst, Rechenschaft zu geben." „Vater," schrie Simon auf, „wann hätte ich je Rechenschaft von Dir gefordert, mit welchem Rechte könnte ich sie verlangen — „ „Ich will sie Dir aber geben, denn auch nicht einen Augenblick sollst Du zweifeln an dem gerechten Sinne Deines Vaters." „Vater, ich zweifle nicht, ich glaube Dir, wenn es mir auch schwer wird zu begreifen. Es ist ja doch immer Dein Kind, Dein eigen Fleisch und Blut, das Du von Dir stößt." „Es hat lange gedauert, bis ich mich an den Gedanken gewöhnen konnte, daß mein Erstgeborener ein Posche jisroel sein sollte. Ich habe ihn gebeten, ihn angefleht, bei uns zu bleiben — vergeblich. „Als frommer Jude habe ich keine Zukunft," war seine Antwort. Jetzt hat er eine Zukunft, hat aber seine Eltern verloren. Glaubst Du, daß ihm seine Profeffur die Eltern ersetzen kann, glaubst Du daß ihnl seine Professur am Jom hadin, am Jom hakipurim seinen Gott ersetzen kann?" „Laß alles vergeben und vergeffen sein, mein Vater; handle nach dem Worte der Schrift: kerachem ow al bonim. Lasse anstatt der Gerechtigkeit die Barmherzigkeit walten und schreibe ihm, daß —" „Rein, so lange er sich mit seiner Karriere hält, mag er auch mit derselben auskommen und leben." Simon sah, daß alles weitere Bitten vergeblich war und er fügte sich seufzend dem Willen des Vaters. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag»* und llonnertitag«», jedesmal in mindestens zwei Boa«. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder »iertdjahrlich. Alle Buchhandlung« und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E. $. Ktrluacker, Lrtpstg, Aohptah 16. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzelle oder deren Raum. 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Rußland: Warschau. — Vermischtes.. Anhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Czernowitz. Lemberg. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'scheu HofbuchdruckereEActicn-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.