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Der Israelit · 1898-07-28 · Heft 59 (28.7.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 59 (28.7.1898)
Date
1898-07-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Berseville, der den abwesenden Generalgouverneur vertritt, hütete sich wohl etwas gegen die derzeitigen Herren von Algier zu thun, und die Polizei aus eigener Jniatiive mochte schon gar nicht einschreiten.? Tunis. Da die französische Regierung den antisemitischen Excedenten die Wohlthaten einer allgenieinen Amnestie zu Theil werden läßt, hat sie wenigstens soweit Gerechtigkeit wallen lassen, daß sie die Juden, die wegen der gleichen Gründe verurtheilt sind, ebenfalls begnadigte. 22 Israeliten sind aus dem Gefängniß entlassen worden, nur die beiden Brüder Sitruk, die zu den höchsten Strafen verurtheilt waren, müsien dieselben noch weiter verbüßen. Literarische Notiz. Der alte Israel. Friedhof zu Karlsruhe wurde der israel. Gemeinde Karlsruhe im Zwangs wege durch die Stadtgemeinde Karlsruhe enteignet, nachdem das Großh. Badische Staatsministerium die isr. Gemeinde Karlsruhe für verpflichtet erklärt hat, diesen Friedhof aus Gründen des öffentlichen Jntereffes an die Stadt Karlsruhe abzutreten. Ueber diesen im Jahre 1723 erworbenen und bis zum Jahre 1826 in Benutzung gewesenen isr. Friedhof und über seine Schicksale hat Herr Gemeindesekretär E. Gumprich in Karlrsuhe ein Merkchen herausgegeben. Dasselbe schildert, in welcher Weise die isr. Gemeinde zu wiederholten Malen cs verstanden hat, die Entfernung des Friedhofes zu verhindern und in welch pietätvoller Weise die Ausgrabung von 924 Leichenseeletten und deren Ueberführung nach einenr anderen israel. Gemeindefriedhofe stallgesunden haben. Wir empfehlen allen Israeliten die Anschaffung dieses Merkchens, das gegen Einsendung von 55 Pfennig vom Herausgeber zu beziehen ist. > Vermischter,. 4- Nonenweier i. Baden, 17. Juli. „Ehre, wem Ehre gebührt." Unser Herr A. H. Drevfuß von Freiburg, hatte gestern hier eine n?’D und zwar die fünfhundertste seiner Praris. Aus diesem Anlaß, da solche gerade am rottf war, wurde in der Synagoge eine Jubiläumsfeier veranstaltet. Herr Hauptlchrer Schleicher hob in schwungvoller Rede die Verdienste des Jubilars hervor, der jederzeit ohne jede Vergütung bereit ist, seines schwierigen, verantwortlichen Amtes zu walten und zum Schlüsse den Segen des Allmächtigen für ihn und seine Familie erflehte, wobei kein Auge thränenleer blieb. Beim Festessen feierte Herr Dr. S te r n—Kippenheim den hier beliebten?niD in langer ffiebe und schloß mit dein Wunsche, daß es dem Jubilar noch lange vergönnt sein möge, als solcher in so geschickter, zuverlässiger Weise zu funktioniren. Tief gerührt ergriff hierauf Herr Dreyfuß, der durch diese Feier sehr überrascht wurde, das Wort, dankte der Gemeinde für ihre Betheiligung, dem Herrn Hanptlehrer Schleicher für seine schöne Rede iinb besonders Herrn Dr. Stern als den Veranlaster der Feier und schloß mit der Versicherung, daß er auch für die Folge diese ITUD ausübcn werde, ev. durch seinen Sohn Isidor Dreyfuß, der ebenfalls ymo ist, besorgen lasse. Erst als es Zeit war zriyc zu beten, löste sich die Versammlung aus. Herr Dr. Stern kann insofern als Veranlasser der Feier gelten, als er ein hiesiges Gemeindemitglied darauf aufmerksam machte, daß die am nDtt' stattgefundene rf’D die fünfhundertste des Herrn Dreyfuß sei. Tabasthust (Finnland). Hierselbst war in Folge einer dahingel enden Preßagitation die Schechitah verboten worden. Den Bemühungen des Herrn Rosenlhal in Helfiugfois gelang es, die Aufhebung des Verbotes durch Vorlegung von Gutachten zu bewirten. Feuilleton. 3 01 Cl cb t 1. Erzählung aus dem litterarischen Nachlaß von H. Berger—M a i n z. 1) >AUe Rechte Vorbehalten. Die Sonne sandte ihre Strahlen senkrecht zur Erde und trotz der späten Jahreszeit, man war im Oktober, war die Temperatur fast unerträglich. Wochenlang hatte kein wohlthnender Regen die Erde erquickt, die Felder lagen verbrannt und öde da und die Bauern jammerten unb stöhnten, während der Winzer glücklich lächelnd in die Weinberge sah, die endlich einmal wieder, nach Jahren schlechter Ernte, seine Mühe zu lohnen, seine Hoffnungen zu erfüllen schienen. Die Rebstöcke hingen voll goldner Trauben und die Sonne that ihr Möglichstes, um das Rebenblut süß, zuckersüß zu machen. Keller und Kelter wurden in Ordnung gebracht und Tag und Nacht gearbeitet, um Raum zu machen für den neuen Wein, der einer der besten des Jahrhunderts zu werden schien. „Willst Du nicht lieber doch noch einige Fäffer bestellen, lieber Vater", fragte Simon Frey seinen Vater, einen alten Mann mit schneeweißem Haar, der trotz der sechzig Jahre, die er zählte, rüstig und stark war wie ein Vierziger; „ich glaube, wir reichen mit den verfügbaren Fässern nicht aus." „Meinst Du? Ich denke, wir haben Fässer genug. Und sollte Gottes Segen heuer so groß sein, daß wir mit den Fäffern nicht reichen, so verkaufen wir die Trauben ungekeltert." „Nein, mein Vater, das sollten wir nicht thun. Ein Wein wie der heurige ist selten und ich denke, daß unser Wein als Jajin koscher, die Mühe, die wir darauf verwenden, lohnen wird." „Freilich, freilich. Die Firma B. in M. zahlt uns immer gute Preise; sie weiß aber auch, daß sie

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