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Der Israelit · 1898-07-28 · Heft 59 (28.7.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 59 (28.7.1898)
Date
1898-07-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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i» 1083 Lungen zu erbringen. Auf Grund des Schuldigfpruches der Geschworenen wurde er zu sechs Monaten Arrest und zum Ersätze der Kosten des Verfahrens verurtheilt. Der Gerichtshof hat keine Milderungsgrunde berücksichtigt. Frankreich.? Paris. Die diesmaligen Ehrenverleihungen aus Anlaß des Nalionalfestes sind nur spärlich Juden zugekommen. Offizier der Ehrenlegion wurden Di', med. Vidal in Hyercs, Major Jules Baumann vom 75. Infanterie-Regiment und Bataillonschef Salomon Strauß, vom Geniekorps in Madagaskar. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden ernannt Alphonse Abraham, Kapitän im 13. Infanterie-Regiment, Etienne Vidal, Kapitän im 20. Infanterie-Regiment, Joseph Baumgärtner, Kapitän der sechsten Kuirassire, Lieutenant Octave Arsene, Oury von der Gendarmerie und Georges Behr, Batterieführer im Bezirk von Algier. England.? London. Die Fremdenbill, die dazu angethan schien, die jüdische Einwanderung nach England ernstlich zu gefährden, ist erfreulicherweise gescheitert. Kürzlich theilte Mr. Balsour, der Führer des Unterhauses mit, daß die Geschäftslage des Unterhauses nicht gestatte, diese Bill in der laufenden Saison in Berathung zu ziehen. Mit dieser gcschäftsordnungsmäßigen Behandlung hat sich die Negierung die ihr offenbar sehr peinliche Gesetzesvorlage am bequemsten vom Halse geschafft. Doch dürfen sich die englischen Juden nicht in dem Vertrauen täuschen, daß die Bill für immer beseitigt sei, denn dieselben Elemente, die diesmal das Gesetz im Oberhause durchbrachten, werden nicht verfehlen, es im folgenden Jahre zu erneuern. Griechenland. '< Athen. Wenn sich die Juden bei dem Polizeimeister von Larissa beklagen, daß die teffalische Bevölkerung gegen sie ercedire, so antwortet derselbe: „Genau dasselbe kommt in Paris vor," und oft genug werden die Klagesteller noch auf einige Stunden oder Tage eingesperrt. Besser geht es in Volo, wo die Orrsdehörden sich energisch und gerecht erweisen. Kürzlich empfing der Minister des Innern, der jetzt Teffalien bereist, eine Deputation von Volo, die ihm das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Larissa an's Herz legte. In der That versprach der Minister auch, mit allen Kräften zu Gunsten der verfolgten Juden zu imerveniren. In Larissa hat sich dagegen ein ganzes Komitee von angesehenen Christen, unter denen sich auch der Bürgermeister und andere Gemeinde-Organe befinden, gebildet, um die Verfolgung der Juden in aller Form zu betreiben. Der Oberst Wassas, der von bestem Willen den Juden gegenüber beseelt ist, kann bei der allgemeinen Mißstimmung auch nichts thun, denn selbst seine Soldaten verweigern ihm den Dienst, wenn es gilt, für die Juden einzuschreiten. Amerika.? Philadelphia. In der Kolonie Woodebyne gehen die Dinge auch nicht, wie sie vollständig sein sollten. Kürzlich war die Verwaltung genöthigt mit Hilfe der Polizei zwölf Familien aus dem Dorfe zu verweisen, weil dieselben nach Verlauf von sechs Jahren noch immer daö ihnen zugewiesene Terrain entweder garnicht oder nur ungenügend kultivirt hatten. Bei der seinerzeitigen Eintheilung erhielt jede der 61 Familien, welche die ersten Ansiedler bildeten, t5 Acker Landes. Davon sollte ein Acker mit Weintrauben, 2lU Acker mit Beerenobst, ein Acker mit Obstbäumen bestanden sein, während der Rest des Landes nach Belieben bepflanzt werden sollte. Die zwölf ausgewiesenen Familien haben nun zum Theil ihr Land überhaupt nicht bearbeitet, und man kann daher der Verwaltung in der That nicht übelnehmen, daß sie sich genöthigt sah, mit diesen Elementen einmal aufzuräumen. Ebenso wenig wird man aber überrascht sein dürfen, daß in den jüdischen Zeitungen, oder wenigstens in einem Theile derselben die heftigsten Angriffe gegen die Verwaltung publizirt werden, denn es ist eine üble Gewohnheit, besonders unserer russischen Glaubensgenossen die Verwaltung der Kolonien für alle Fehler verantwortlich zu machen, welche sie selber begehen. Afrika. '? Algier. Seitdem die Thatsache festsieht, daß es Drumont gelungen ist, die Abberufung Lepines durchzusetzen und an seine Stelle als Generalgouverneur den antisemitischen Senator Pauliat zu bringen, sind unsere Judenfeinde mehr obenauf als je. Ist doch die Centralregierung in Frankreich bei der Machtprobe kläglich unterlegen und mit Lepinc werden alle die Beamten, Richter :c. weichen müssen, die noch wagten, für Recht und Gerechtigkeit sich der antisemitischen Hochfluth entgegenzustellen. Kein Wunder, daß man hier die Jagd auf die Juden jetzt geradezu als Sport betreibt und sich nur soweit vorsieht, daß man sie nicht geradezu todtschlügt. Kürzlich hat man zwei Rabbiner, im Schlachthofe unter Todesdrohungen gezwungen, Hoch Drumont, Hoch Negis, Nieder mit den Juden, milzuschreien. Am 14. Juli kam es gelegentlich der großen Fackelzüge am Abend zu mehreren blutigen Schlägereien. Wohl hatten die Judenfeinde in einer Nachmittags- Versammlung diese Exzesse angekündigt und die Behörden hätten leicht interveniren können, aber Herr

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