Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 59 (28.7.1898)
- Date
- 1898-07-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1082 lehrer verglich und sich auf die Versammlung letzterer vom Ende Juli v. I. berief, wonach dieselbe eine Hebung des Lehrerstandes anstrebt und die Cantoren und Schochtim ganz außer Acht läßt; aus diesem Grunde mußte die heutige Versammlung einberufen werden, unsere Pflicht ist es für unsere Zukunft Sorge zu tragen, denn auch wir lassen nicht minder als die Herren Religionslehrer unser Herzblut für Religion und Gemeinde. Ferner hatten die Religionslehrer als direktes Ziel „Verbesserung ihrer materiellen Lage" gesteckt; wir aber fassen Hebung unserer sozialen Stellung in der Gemeinde als Hauptsache ins Auge. Im Anschluß an dieses führt Herr Eichcnbaum -Kippenheim an: Früher schalteten und walteten viele Gemeinden mit ihrem Cantor nach Willkür, so wurde mancher brave Beamte einer bloßen Laune wegen brodlos; diesem Uebelstande müsse abgcholfen werden. HerrGoldbcrg-Emmcndingen betonte, besonders müsse der Cantor im Falle seiner Dienftunfähigkeit berücksichtigt werden, da er noch mehr als alle anderen Beamte den Momenten preisgegeben ist- Hierauf ergriff Herr Bez.-Rabb. Dr. Rawicz das Wort: Für die Cantoren müsse ebenfalls gesorgt werden, umsomehr, da dieselben vom Großh. Oberrath, laut Verordnungsentwurf 8 3, Abschnitt 4 vorgesehen sind; darin heißt es: „Die gleichen Ansprüche wie den Religionslehrern, können den Cantoren von dem Großh. Oberrath verliehen werden." Der Redner jedoch ist der Ansicht, daß besagter Passus ganz wegfallen solle, insofern eine Gleichstellung gesichert wird. Run richtete Herr Rubin Karlsruhe an die Versammlung folgende Fragen: 1. Soll lediglich um Gleichstellung der Cantoren mit dem Religionslehrer in Bezug auf Regelung der Pensionsverhältnisse petitioniert werdend 2. Oder hauptsächlich um die sichere definitive Anstellung derselben? Hierüber wurde abgestimmt und folgendermaßen entschieden: „Die an Großh. Oberrath zu richtende Petition sei dahin zu fassen, daß nebst Gleichstellung der Cantoren und Schächtern des Landes, in Bezug auf die Pensionsverhältnisse auch die Anstellungsverhältnisse der Letzteren in einem für sie günstigen Sinne zu regeln sind. M. Schloß, Malsch. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. ui. Wien, 18. Juli. Vor einigen Tagen wurde in Graz der berüchtigte Freund Deckerts, der famose Judawits von Sülelmed, der getaufte Jude, der sich fälschlich als Rabbiner ausgab, verhaftet. In Graz hat sich der Verbündete des Weinhauser Pfarrers für den Director des Taubstummeninstituts in Klagenfurt ausgegeben und in dieser Eigenschaft Gelder herausgelockt. Bei den Erhebungen wurde konstatirt, daß Dr. Lazar Samuel Judawits Edler v. Sülelmed, diese so überaus interessante Erscheinung, weder adlig noch Rabbiner ist. Der Mann, nach dem nicht nur der Pfarrer von Weinhaus, sondern auch die Sicherheitsbehörde große Sehnsucht zeigte, heißt Georg Samuel Judawits, ist ein getaufter Jude, aus Kelence, Komitat Szilagv, gebürtig und steht gegenwärtig im 34. Lebensjahre. Judawits, der sich für ledig ausgab, ist verheirathet, und seine Frau lebt in Ungarn. Anfangs Februar trat Judawits, der schon vorher seinen eigenthümlichen Beruf darin gesehen hatte, wohlhabende Judenfamilien zum Uebertritt zum Christenthum zu bewegen, mit dem Pfarrer von Weinhaus, Josef Deckert, in Verbindung und Beide besprachen, da Pfarrer Deckert sich die Verbindung mit Judawits angelegen sein ließ, einen geheimnißvollen Plan, der in diesem Monat hätte zur Ausführung gelangen sollen. Der Zeitpunkt der That wurde nur deßhalb verschoben, weil Pfarrer Deckert vor der inzwischen absolvirten Pilgerfahrt nach Palästina stand. Bisher ist der geheimnißvolle Plan nicht zur Ausführung gelangt. — Eine Deputation des Ausschusses des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den oesterreichischen Mittelschulen, bestehend aus dem Obmann Dr. Ad. Weiß, Professor M. Kanitz und dem Schriftführer Dr. H. Pollak, wurde, nachdem bereits früher eine Petition dem Unterrichtsminister überreicht worden war, Montag, den 4. Juli, von dem Ministerpräsidenten Grafen Thun und dem Finanzminister Dr. Kaizl in Audienz empfangen, um ihre Bitten, betreffend die Rechtstellung der an Mittelschulen wirkenden Religionslehrer, vorzutragen. Der Deputation wurde überall ein huldvoller Empfang zu Theil und derselben eine wohlwollende Beurtheilung ihrer Angelegenheit zugesichert. V. Lemberg, 22. Juli. (Verurtheilung ein es a nti semit i s ch en Re d a kteurs.) Bohdan CzaikowSki, Redakteur der mittlerweil s.l,on eingegangenen antisemitischen Blattes „Rowy harod", hatte sich heute vor dem diesigen Schwurgerichte wegen Ehrenbeleidigung und Verleumdung zu verantworten, weil er in mehreren Artikeln unter der verlockenden Aufschrift: „Das Höchste an jüdischer Frechheit" und „Achtung vor jüdischem Betrüge" zwei jüdische Kaufleute in Lemberg in der unflätigsten Weise unehrenhafter Handlungen beschuldigte. Czaykowski, von dem der Vertreter der Klage gerade kein vortheilhaftes Charakterbild entwarf und der nach bekanntem Wiener Mutter „gearbeitet" halte, vermochte trotz des rüden Tones, dessen er sich bei der Verantwortung befleißigte, keinerlei Wahrheitsbeweweis für die in seinem Schmutzblatts enthaltenen Behaup-