Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1898)
- Date
- 1898-07-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1078 geworden. Wallemburg ist aus einer deutschen Fainilie, seine Eltern stammen aus Frankreich, er selbst aber ist zu Padua geboren. Berühmt geworden ist er durch die Gründung von bäuerlichen Hilfskassen auf Gegenseitigkeit, die in Nord-Italien sehr segensreich gewirkt haben. 1892 wurde er zum ersten Mal zum Abgeordneten gewählt, und derselbe Wahlkreis Citadella sandte ihn auch in das gegenwärtige Parlament. Er hat jetzt trotz seines jugendlichen Alters, denn er ist noch nicht 40 Jahre alt, die höchste Stelle nächst dem Minister erreicht. England.? London. Wir entnehmen dem „Jewish Ehronicle" folgende Correspondenz aus Buenos Ayres, in der über die argentinischen Kolonien des Hirschfonds anscheinend sehr sachkundig und zutreffend berichtet wird: „Die trüben Berichte über die Argentinischen Kolonien, die so häufig in Europa c'irculiren, sind kaum durch die Wirklichkeit gerechtfertigt. Ohne allen Zweifel haben die Kolonisten manche Schwierigkeit zu überstehen und ihr Weg zum Erfolg ist nicht gerade eben. Viele dieser Schwierigsind wohlbekannt, sie stammen theils aus den natürlichen Bedingungen, theils aus den angewandten Methoden der Kolonisation. Zu der ersteren Rubrik gehört die schreckliche Heuschreckenplage, die dieses Jahr müder Mauricio verheert und einen Appell an die Wohlthätigkeit hervorgerufen hat. Indessen haben die schädlichen Fehler der Administration und der Kolonisten selbst ebenso viel Schaden gethan, wie die Naturplagen. Der größte dieser Fehler ist das sogenannte „Nursing" d. h. Unterstützen der Kolonisten. Die Zerstörung ihres Unabhängigkeitsgefühles und ihrer eigenen Verantwortlichkeit durch außerordentlich reiche Unterstützungen, wenn die Ernte mißrieth, die große Nachsicht der Verwaltung gegenüber den Verpflichtungen der Kolonisten gehen so weit, daß sie diese fast jeder Zahlungspflicht entheben. Auch die vielen landwirthschafrlichen rc. Erleichterungen, die den Kolonisten fast in Ueberfluß zu Gebote stehen, sind nicht dazu angethan männliches Selbstgefühl, Gefühl für die eigene Verantwortung zu erziehen und sie sind besonders am falschen Platze, wo kraftvolle Selbsthilfe die einzige Garantie für den Erfolg bietet. Es existirt auf den Kolonien eine ziemlich hohe Verschuldung, die einzelnen Kolonisten schulden incl. des Bodenpreises von 12000—280U0 Mark per Familie, die in 20 jährlichen Raten bezahlt werden sollen. Ein intelligenter Kolonist kann sicher in einem guten Jahre 5 pCt. ferner Verpflichtungen zahlen, allein in den sieben Jahren, seit die Jewish-Colonrsation Association besteht, ist Dank des Wohlthätigkeitsprinzips, auf das alles aufgebaut ist, noch nicht eine einzige Rückzahlung erfolgt. Wahrscheinlich werden diese Schulden nie bezahlt werden, denn viele von den Kolonisten werden ihre Gelder in ihnen besser zusagenden Berufen verwenden, denn sie wissen sehr wohl, daß sie von der Gesellschaft nicht» zu fürchten haben. Andererseits öffnet wieder da» System der Selbstverwaltung, das den Bauern überläßt selbst zu ernten und zu verkaufen, schweren Mißbräuchen Thür und Thor. Ein Geschäft auf Theilung zwischen dem Bauer und dem Beamten, der die Ernte abschätzen soll, ist nicht selten, eine falsche Schätzung ist leicht gemacht und der Bauer entgeht dadurch erstens der Rückzahlung, zweitens erhält er vielleicht selbst von dem Central-Fonds noch „Stütze." Die französische Administration, die in Kleinigkeiten ungemeine Gewiffenhaftigkeit zeigt, entwickelt andererseits gar keinen weiten Blick für die großen Aufgaben, wie dies englische Beamten auszeichnet. Außer diesen Fehlern der Verwaltung müssen wir auch auf die der Kolonisten Hinweisen, von denen leider viele sehr geringe Neigung für den Ackerbau zeigen und sich bei der ersten paffenden Gelegenheit zurückziehen. Trotz aller dieser Hindernisse darf man indeß die Zukunft der Kolonien nicht als hoffnungslos betrachten. Im Gegentheil sind sichere Zeichen von Fortschritten sichtbar. Sogar in diesem Jahre hatte ein Bauer in Clara einen Reinertrag von 8000 M., nachdem er seine Vorschüsse zurückgezahlt und Saatkorn zur Aussaat beiseite gelegt hatte. Die Lage der Kolonien hat sich im allgemeinen trotz aller Schwierigkeiten, wenn auch nur um ein weniges gehoben. Die Arbeit in der frischen Luft macht sogar die gegenwärtige Generation kräftiger und gesunder an Gcist und Körper. Mit Geduld, Ausdauer und den durch die Erfahrung allmählich sich bessernden Methoden kann es wohl gelingen den Argentinischen Kolonien eine glückliche Zukunft zu sichern.? London. Mit gebührendem Pomp wurde, wie ich dem „Israelit" bereits mittheilte, der neue „Rothschild Flügel" der großen jüvischen Freischule, der größten der Welt, eingeweiht, denn dieser Flügel ist, rme bekannt, von den Geldern erbaut, welche innerhalb der Londoner Gemeinde gesammelt worden sind, um Lord Rothschild ein Zeichen der allgemeinen Dankbarkeit zu geben, die er sich durch seine aufopfernde Thätigkeit im Interesse der jüdischen Angelegenheiten erworben hat. Das neue Gebäude hat beinahe eine halbe Million gekostet, wovon 38'>,000 Mark die Sammlungen ergeben, während die Baronin Hirsch ein Geschenk von 100,000 Mark machte. In dem „Rothschild- Flügel" wird auch eine Werkstatt für Handfertigkeit, sowie phisikalische und chemische Cabinete eingerichtet werden, um mit diesen Hilfsmitteln den Unterricht auezugestalten. Mr. F. D. Mocatla präsidirte der Feier, an der die Spitzen der Londoner Gemeinde vollzählig theilnahmen.