Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1898)
- Date
- 1898-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1067 verfahren? gegeben wäre, liegt aber für die Gestattung der Wiederausgrabung der Leiche des im israelitischen Bekennt» niß verstorbenen und nur auf ausdrückliches Ansuchen seiner Angehörigen auf dem israelitischen Friedhof beerdigten Justizraths N. umsoweniger vor, als ausweislich einer uns vorliegenden notariell beglaubigten Erklärung Seitens der Tochter des Verstorbenen und ihres Ehemannes, des praktischen Arztes Dr. mcd. M. in G., vom 25. v. M. gegen dieselbe Protest erhoben wird." England.? London. Anfangs Juli fand in den Räumen des Board of Guardians die diesjährige Generalversammlung der Anglo-Jewifh-Asiociation statt. Der Vorsitzende Claude G. Monieftore verlas den bereits bekannten Bericht t er Gesellschaft und zeichnete dann in längerer Rede ein Bild von den gegenwärtigen Zuständen der Judenheit. Obwohl Montefiore ein grober Optimist ist, so fiel doch feine Schilderung der Verhältnisse trübe genug aus. Unter den Ländern, deren Bedrückungen gegen die Juden aufgezählt wurden, nimmt sich England aus wie eine Oase der Toleranz in der Wüste der Barbarei. Montefiore kam dann auf die verschiedenen Hilfsmittel zu sprechen, die man gegen die Judennot'i vorschlage. Er erwähnte den Zionismus, mit seine Gegnerschaft gegen diese Bewegung noch einmal zu betonen, besprach dann die Kolonisationsversuche in den verschiedenen Ländern und schilderte die Toätigkeil der Jewish-Colonisation-Association. In Argentinien sei sicher nicht alles, wie es sein sollte, aber die Angriffe seien gewiß stark übertrieben und diese Kolonisation verspreche in der nächsten Zeit sehr gute Erfolge, wenn auch gegenwärtig die Ausdehnung der Kolonien nicht möglich erscheint. In Nordamerika und Canada habe man ebenfalls in der letzten Zeit keine Erfolge gehabt, doch boffe er hier bald von neuen vielversprechenden Fortschritten berichten zu können. Was Palästina angeh?, so wachse die Zahl seiner Juden trotz aller die Einwanderung beschränkenden Verbote der Regierung stetig an. Die Jewish-Colonisation-Association hat große Bewilligungen fürPalästina gentacht, aber er, Montefiore, sehe darin nur eine neue große Gefahr, denn wenn man in Rußland erfahre, daß die Jewish-Colonisation-Affociation Beiträge für Palästina bewillige, so werde man trotz aller türkischen Einwanderungsverbote den mächtigen Einwanderungsstrom aus Rußland gar nicht zurückhalten können. Montefiore ist aber nicht für eine Kolonisation in Palästina, sondern nur für eine solche im Westen der Welt, wenn die russische Judenfrage in Rußland selbst nicht gelöst werden kann. Obwohl die Methode durch bessere Erziehung die Lage der Juden zu heben, gegenwärtig mit großem Takt angewendet werden müßte, weil die beschränkenden Gesetze in Rußland und Rumänien die Ausübung der erlernten Fähigkeiten erschwerten, so hofft doch der Redner gerade hiervon in der Zukunft viel Gutes. Die Anglo-Jewish-Affociation habe mit ihren geringen Mitteln, kaum 2000 Lstr., sehr viel gethan, sie habe auch dafür gesorgt, daß die Sprache ihres Vaterlandes, das Englische in den von ihr subventionirten Schulen gelehrt werde. Bedauerlich bleibe nur, daß die geringe Unterstützung seitens der Allgemeinheit der englischen Juden die Wirksamkeit der Gesellschaft so beschränke. Roch einigen kurzen Worten F. D. Mocattas wurden dann die ausscheidenden Vorstanosmitglieder wieder gewählt. Der Oberrabbiner Adler nahm die Gelegenheit wahr, um sich ebenfalls gegen dm Zionismus von Herzl und Rordau, gegen den politischen überhaupt, zu richten und seine eigene glühende Liebe zu Zion auszudrücken. In der ferneren Debatte theilte dann Hermann Landau mit, daß in Rußland insofern eine Wendung eingetreten sei, daß man die Auswanderung der Juden nicht wie früher begünstige, sondern vielmehr erschwere. Er empfehle die Ansiedelung derselben in den britischen Kolonien, besonders in Kanada. Aus dem Baufonds wurden dann noch .'JO,000 M. zur Erwerbung eines eigenen Gebäudes für die Schule in Bombay bewilligt. > Uersonaüen. -f Crainfeld < Unlieb verspätet.) Ein Frommer, ein pH!? auf dem Lande, Herr Fritz Stein dahier, starb Mitra# mp int 74. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager. Der Verblichene, ein Kämpfer für Gottes Wort und. Sache, fastete allwöchentlich über 30 Jahre zweimal an den Tagen von rrnnn ntop; er versah das Amt eines ppin an 60 Jahre. Er, der in gedrückten Verhältnissen lebte und sich durch einen Hausirhandcl kümmerlich ernährte, war für das Wohl seiner Mitmenschen bemüht. Er bewog vor 20 Jahren einen ausländischen Menschenfreund, durch einen namhaften Geldbeitrag hier ein Nitnalbad in Stand zu setzen. Durch Anschluß der hiesigen Gemeinde an den in Darmstadt bestehenden allgemeinen Soldatcnecrcin bezweckte er, daß hiesige jüdische Soldaten während ihrer Dienstzeit rituell leben konnten. Ferner verdankt ihm der hiesige Frauenverein und die Chebra Kadischa ihr Entstehen. Die Bestürzung und Trauer um den großen Tobten war eine sehr große. Seine rvi? legte glänzendes Zeugniß ab von der Liebe und Verehrung, die sich der Verewigte bei Juden und Nichtjuden erfreute. Bon Nah und Fern strömte alles herbei, um dem Entschlafenen das letzte Geleite zu geben. An der Bahre entrollten Herr Lehrer Zeller und der Sohn des Verstorbenen, Herr Lehrer Stein in Höchst, in tüfcrgrcifcndcn Worten ein getreues Lebensbild des Dahingeschiedenen. Eine Wittwe mit acht Kindern, von denen fünf noch unversorgt sind, beweinen den schweren Verlust. Möge ’"#n der schwer heimgesuchten Frau beistehen und sie die Früchte genießen lassen, die ihr edler Gatte auf Erden gesäet hat. n"2yjn. Niederstetten 13. Juli. Mit trauerndem Herzen und Thränen in den Augen haben wir heute das mapn na verlassen, nachdem wir einem "c im reinsten Sinne des Wortes die letzte Ehre erwiesen. Im Alter von 89 Jahren war vorgestern unser Gemeinde- und Stadtältester Herr Moses Stern zu unseren Vätern eingegangen. Mit wehi