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Der Israelit · 1898-07-25 · Heft 58 (25.7.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 58 (25.7.1898)
Date
1898-07-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1064 gerichtet darauf, daß Zion bei ihrem Publikum nicht mehr populär ist, und nun schwärmen plötzlich wieder weite Kreise, die im Uebrigen von jeder positiven Glaubensbethätigung nichts wissen wollen, von unserem Zion, nachträglich erklären diese Religionsdiplcmaten deßhalb Freunde Zions zu sein, Bekenntniß und Gesinnung in Widerspruch setzend. Hörten wir doch vor zwei Jahren den Führer einer sehr großen Gemeinde die ganze Tischo-b'Ab Feier von der Kanzel herab lächerlich machen, spotten über die „weinerlich, rührseligen" Leute, die äußerlich die Awelußzeichen bekunden. Mancher Hörer wurde durch solche Ausstellungen tief verletzt. „Am Tage der Freude sei freudig, am Tage der Trauer traurig." Beides sind göttliche Schöpfungen. Führen uns die Freudentage das Aufblühen Israels vor, so sind die Fasttage die Merkzeichen des Niedergangs und Israel bat sich in trüben Zeiten eher bewährt, als in Zeiten, da ihm die Sonne des Glückes lächelte. Wir fühlen uns so sicher, „jeder unter seinem Feigenbaum und seinem Weinstock". Können wir uns die Gunst der uns umgebenden nichtjüdischen Welt auch nicht in vollem Maße erwerben — Vorurtheil bleibt immer vorhanden — so haben wir doch auch keine Gewaltthätigkeiten zu fürchten. Wer kann aber dafür bürgen, daß die Güter, die uns vas jur Neige gehende Jahrhundert gebracht, uns dauernd erhalten bleiben? Israel hat schon einmal geglaubt, anderen Völkern es gleich thun zu müssen, und gab seinen Gott preis. Aber schwer mußte es büßen. Ist cs heute anders? Dieses Nachäffen nichtjudischer Sitten und Gebräuche hat Jung-Jsraels Häuser und Svnagogen unkenntlich gemacht. Hinweg ist alle Poesie, die immer darin heimisch war und beschämend dürfen wir die Worte anwenden : arny-e* cirenn •twe:. „Euere Mondesfeier und euere Festesfeier haßt meine Seele." Es klingt wie Hohn, wenn Rabbiner zusammentreten und berathen, wie sich ihr Ansehen heben läßt. Ein großer Theil derselben hat sich eben beim Volke entbehrlich gemacht. Die Predigt allein verschafft diesem Stand nicht die Achtung. In jenen Kreisen, in denen der Rabbiner nur der Interpret des überlieferten Gottesgcsetzes und treuer Wächter der Tradition ist, hat er sich nicht erst durch Konferenz- und Parlamentsbeschlüsse Achtung zu verschaffen. Sie wird ihm von Jedem entgegengebracht. Man ehrt die Thorakenntniß in ihm. Was der große Rambam von den Trauertagen im allgemeinen sagt, das gilt auch für zxz w im besonderen. In r-:yr msbn heißt es: ipyi» mx kzt\w i'ci-B? nr.twn "me m -c~ bzxnr, pb jnm c'jrw errate bb:zw San uhlym rrby y-'N ebiyn :n:co m -an ne«- sSn -y-v nb: ipyv xb ex pamb enb r.crr m:« -p-i -7 m rnp: mp: n mjp -;b m-na amarr> xn ,rrrnx rmx mn rpevn ,c*rin empyoa zzbv x-axtra ’bz np nenn oacy ’js c; mabn7 npa 'vy Dnabm mp rvan erb spe-x np «w riexr ex nuwre* na ms „Ein Weg zur rarem ist es, wenn eine Noth dich trifft, man klagt und jammert darüber, so erfährt ein jeder, daß böse Handlungen das Leid verursacht haben. Wenn aber kein Klagelaut deshalb vernommen wird, inan vielmehr meint, das Verhängniß ist eine Folge der Weltordnung und das Leid ist nur eine Zu fallsschickung, eine solche Erklärung hat etwas Grausames in sich und ist Schuld daran, wenn die bösen Handlungen fortgesetzt neues Leid erzeugen, das bedeutet das Thorawort: Wenn ihr nicht durch Zucht gebeffert werdet, und wandelt mit mir in Zufall, so werde auch ich mit euch in Zufall gehen. (III. XXVI. 23. 24.) das will sagen: wenn ich eine Noth über euch bringe (in der Absicht), daß ihr zu Gott zurückkehrt, ihr aber sie nur als Zufall betrachtet, so werde ich solche Zufälle meines Zornes euch vermehren." Mit weit ausschauendem Blick hat der große Denker hier einen Satz aufgestellt, von dem man annehmen könnte, er gelte für unsere Zeit. Mit der nichtssagenden Phrase vom „blinden Zufall" will man jede Erscheinung erklären. So einfach der Satz auch klingt, den jedes Schulkind kennt, daß Gott das Geschick der Völker und des Einzelnen nach seinem Willen lenkt, er bedarf immer wieder des Beweises. Bekanntes kann nicht oft genug in's Gedächtniß zurückgerufen werden. War es nur Zufall, daß Marr, Stöcker und Treitschkc das Volk mit offenem Haß gegen die Juden erfüllten, Zufall nur, daß Erkapitän Dreifus so fürchterlich büßen muß, Zufall nur, daß Hunderte von Menschen auf der Bourgogne ein schauerliches Grab fanden? Niemals! Niemand entgeht seinem Schicksal. Wir hören es an jedem man iwr, von Jahr zu Jahr wird über das Geschick des Menschen das göttliche Urtheil gesprochen, uud unsere alten Meister werden auch nicht durch einen Zufall auf den Gedanken gekommen sein, daß ernste Rückkehr zu Gott das böse Verhängniß abwenden kann. Indem wir nun am neunten Ab, dem Tag, der immer rrayneb pxs war, trauern und fasten um die Ursachen, die den Untergang von Staat und Tempel hervorbrachten und all die bösen Folgen beklagen, mischt sich darein der Jammer, der unserer Zeit anhastet. Die Wanderung ins Eril sollte uns bester machen, uns erziehen, daß wir würdig werden, den Tempel in unserer Mitte wieder erbaut zu sehen. Tiefer als je scheint aber die Kluft zu gähnen zwischen der Gegenwart und dem Hochziel, das der Prophet verkündet. 72cstre rem atsm -nab. Wir haben es verlernt in Lauterkeit Gutes zu vollbringen; die Spender großer Gaben sorgen dafür, daß ihre Namen in' den Artikeln verbreiteter Blätter prangen und weisen da-

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