Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1898)
- Date
- 1898-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. M 58. Der Israelit. Ein Gentrat-Organ für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. ire&mann in Hain}. mvntaQ, de« 2 5 Juli 5658 (1898). Zur rZtirei Mnvll abonnirt man bei allen Postansialten für die Monate Juli und August auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Are ErprLition des „Israelit". Leitender Artikel. ZUIN neunten Ab. Lon M. Schweitzer-G logau. N7IVL>2 f'vsvv sk D»nro „Mit dem Eintritt des Monats SK soll die Freude eingeschränkt werden", lautet eine talmudische Bestimmung. Es ist schwer, auf ein gegebenes Verlangen heiter, und noch schwerer, auf Verlangen traurig zu sein. Der Autor jenes Satzes muß die wahre Bethätigung des Lebens nur in der nnvw, in der gehobenen Stimmung, die nur das Vollbringen von wahrhaft Gutem hervorzuzaubern vermag, erblickt haben. Es gibt heute nur wenige, die für die drei Wochen der jüdischen Nationaltrauer noch Verständniß haben Den meisten ist es unbegreiflich, heute noch um Zions Fall zu trauern. Sie bleiben kalt und fühllos bei den Klagetönen der ns'K und langweilen sich erst recht bei den Trauerklängen der mrp. Wohl, so meinen sie, haben die Augenzeugen jenes schweren Verhängniffes einst die ganze Wucht der über Zion geschwungenen Geißel empfunden und mit bitterem Weh im Herzen den heimathlichen Boden verlassen. Bald indeß versöhnten sie sich mit dem Schicksal, das Wandern war ihnen so fremd nicht, und sie fanden ihren Trost darin, daß ihnen die Thora geblieben war. Unsere hyperpatriotischen Klügler glauben am Ende gar gegen das Vaterland zu sündigen, wenn sie noch um Jeruscholajims Fall klagen wollten. Für diese Juden haben die Propheten umsonst ihre unsterblichen Worte gesprochen, unsere Dichter und Sänger vergeblich die trüben Zeiten in Israel mit ergreifenden Tönen geschildert! Würden sie heute aus ihren Gräbern erstehen, sie könnten die Sammlung der rro’p um manchen Trauerklang vermehren. Und doch ist unsere Zeit jener, die dem Untergang des jüdischen Staates voranging, gar nicht unähnlich. Durch Genußsucht und Selbstsucht wurde er herbeigeführt. Dienen heute in vielen Kreisen alle Lebensgüter, Reichthum, Macht, Wohlstand, Kunst und Kenntnisse nicht auch nur der Genuß- und Selbstsucht? Gab es je eine Zeit, in welcher der Kampf des Bruders gegen den Bruder gemeinsamer Lebensinteressen wegen heftiger und erbitterter geführt wurde, als in der unsrigen? Zürnt der Kaufmann nicht seinem Konkurrenten, weil er ihm seine Einnahme vermeintlich schmälert und ihn dadurch zwingt, auf manche Annehmlichkeit verzichten zu müssen? Wie stellen sich die Führer der Gemeinden Israels zur Feier dieser Tage? Entsprechen sie den Joealgestalten der Propheten, die dem Volke furchtlos unverblümt seine Fehler vorhielten und zur Rückkehr ermahnten? Nein, viele sind geschworne Feinde aller Erinnerungen an Zion; sie haben es bewiesen, indem sie alles, was mit Zion zusammenhängt, mit frevelndem Muth aus den Gebetbüchern gelöscht haben. Ungelegen kam ihnen die neue Bewegung der Zionisten, sie hatten sich doch einmal ein-