Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1898)
- Date
- 1898-07-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1057 zugereister jüd. Bettler. Hiermit ist die Tagesordnung erledigt. Abends vereinigten sich die Vereinsmitglieder, um einer Einladung der Gemeinde Eisenach zu einem gemeinschaftlichen Abendbrode Folge zu geben. Seitens des Gemeindevorstandes nahmen daran die Herren Kuh, Weinstein, Stiebe! und Steinberger Theil. Das Zusammensein, welches bis nach Mitternacht währte, gestaltete sich zu einer wahrhaft kollegialen Festlichkeit. Das herrliche Mahl wurde gewürzt durch eine Reihe ernster und heiterer Drinksprüche; es toastete Herr Dr. Salzer aus die Gemeinde Eisenach, Steinhardt—Magdeburg auf den deirtsch-israel. Gemeindebund, Samuel— Bleicherode aus den Vorsitzenden, Oppenhei m— Eoburg auf die Jugend u. f. w. die herrschende frohe Stinimung erhöhte sich durch ein Gesangsquartett, welches in musterhafter Weife mehrere gesangliche Vorträge aussührte, die allgemeinen Beifall Hervorriesen. li. Sitzungstag. Kollege Emanue l—Themar hält eine Lehrprobe in der Mittelstufe über das Thema „Die Berufung Abrahams", welcher die Versammlung mit großem Interesse folgt. Im Anschluste daran ergreift Kollege Mühlselder das Wort zu seinem Vortrage „Die Methodik des biblischen Geschichtsunterrichts." Die biblische Geschichte ist, so führte Redner aus, wenn auch nicht ausschließlich, so doch vorzüglich die Grundlage auch im jüd. Religionsunterricht. Der systematische Unterricht tritt später, nicht vor dem 5. Schuljahre auf, wenn er nicht gar in das 13. Jahr verlegt wird. Begründung: Das erziehende Moment ist die Hauptaufgabe alles Unterrichts; nicht durch theologische und philosophische Erwägungen und Abstraktionen kann ein religiös-sittlicher Charakter gebildet werden. Die Geschichte dagegen entspricht den Anforderungen der Anschaulichkeit; sie bietet zwar kein System; aber sie erweckt Leben. Die Anwendung der formalen Stufen (Herbart) ist zu empfehlen. Ein Lehrbuch für die Hand des Lehrers, nach dem Muster der Präparationen von Staude und Lentz, ist zu schaffen; jüd. Bibelexegese und haggadische Stoffe, wie Midraschim, sind dabei zu verwenden. Die Lernbücher für die Hand der Schüler sollen die Geschichte in einer dem Kindesaster entsprechenden Sprache enthalten; durch Zwischenbemerkungen ist der Gang der Geschichte nicht zu unterbrechen, nur Kernsprüche, nicht aber Lehren, sind den einzelnen Geschichten hinzuzufügen. Verthcilung des Stoffes: Die Unterabteilung lernt ausgewählte Geschichten in sehr beschränkter Zahl. In der Mittelklasse (5. und 6. Schuljahr) und in der Oberklaffe (7. und 8. Schuljahr) ist in je zweijährigem Kursus die ganze biblische Geschichte in ausführlicher Weife durchzunehmen. Bei der Mittelklasse wird mehr der Wiffensstoff, bei der Oberklaffe dagegen mehr der Lehrinhalt berücksichtigt. Die verschiedenen Operationen und zwar: Ziel, Vorbereitung, Darbietung, Besprechung oder Vertiefung (sachliche und religiös-sittliche Klarlegung), Wiedergabe, Verknüpfung und Anwendung bespricht Redner an einem Beispiele: Davids Sünde und Reue. Die erwähnte Geschichte wird in drei Abschnitte zerlegt; Davids Nebelthat, Nathans Strafpredigt und Davids Reue. Das Hineinziehen des Gebetbuchinhalls bei paffender Gelegenheit ist nicht zu unterlaffen; der Hinweis auf die entsprechenden Gebote und die Anwendung geeigneter Bibelsprüche (Kernspruch) ist geboten." Langanhaltenden, lauten Beifall spendete die Versammlung dem Referenten und bewährten Lehrer für seinen wissenschaftlichen, lehrreichen Vortrag. Ueber diesen, sowie über die vorangegangene Lehrprobe entspinnt sich nun eine lange Debatte, an welcher sich alle Verein-Mitglieder betheiligen. Der Vorsitzende ersucht den Referenten schließlich um Aufstellung von entsprechenden Thesen, welche in der nächstjährigen Versammlung zur Berathung gestellt werden sollen. H e i lb runn—Gehaus bringt seinen gestrigen Antrag betr. Beschaffung eines Präparationsbuches für die Hand des jüd. Lehrers wieder ein. Nach längerer Debatte wird beschloffen, den Delegirten zu beauftragen, den Antrag dem Verbandsvorstand zu unterbreiten, event. ihn auf den nächsten Delegirtentage zur Sprache zu bringen. Der Delegirte Steinhardt-Magdeburg sagt solches zu, behält sich jedoch eine Erweiterung des Antrages vor. Der Vorsitzende gibt sodann einen kurzen Ueberblick über den Gang der Verhandlungen der Konferenz, welche er zu seiner Freude als die interessanteste des Vereins glaube bezeichnen zu können und fordert die Kollegen aus, auch fernerhin für den Verein und somit für das Wohl der jüd. Lehrerschaft und der jüd. Schule zu wirken und zu streben. Nachdem er noch der Gemeinde Eisenach für die gastfreundliche Ausnahme im Namen der Versammlung den herzlichsten Dank ausgesprochen, erfolgt mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, sowie aus Se. König!. Hoheit den Großherzog von Sachsen-Weimar der Schluß der Versammlung. S t e i n h a r d t—Magdeburg, Vorsitz. Sommersel d—Chemnitz, Schriftführer.