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Der Israelit · 1898-07-21 · Heft 57 (21.7.1898) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 57 (21.7.1898)
Date
1898-07-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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r.i 1056 böses Lharakterzeicheu dieses Patriarchen hingestellt. Es seien dies: 1j Der Kauf der Erstgeburt, 2) Die Gewinnung des dem Esau zugedachten väterlicher Segens und 8) die Art und Weise, wie er sich den von Laban ausbedungenen Lohn verschafft habe. Die Urtheile aus nichtjüdischen Kreisen gehen fast ausnahmslos dahin, daß Jakob durch List und Betrug Vortheile zu gewinnen suchte, und viele stempeln ihn direkt zum Betrüger, welchem Urtheile sich leider auch viele aus unserer eigenen Mitte anschließen. An der Hand der Bibel gibt Redner ein objek tives Bild jener dem Jakob zum Vorwurf gemachten Handlungen. Bei dem Kaufs der Erstgeburt könne von einer Uebervortheilung Esaus nicht die Rede sein, da es sich hier nur um ein ideales Gut gehandelt habe. Nirgends sei gesagt, daß damals schon die Erstgeburt zum doppelten Antheil an dem väterlichen Erbe berechtigte; dagegen gehe aus dem Wortlaute der Erzählung unzweifelhaft hervor, daß Esau in wilder Hast und Gier jenes ideale Gut vollständig verachtet und von sich geworfen habe. Bei der Erlangung des väterlichen Segens fei Jakob nicht von jeder Schuld freizusprechen, wenn auch der größere Theil der Schuld nicht ihn, sondern Rebekka träfe; doch habe Jakob diese That durch die Entfer nung aus dem Vaterhause schwer büßen müssen. Redner weist noch auf die interessante Thatsache hin, daß Isaak den abrahamitischen Segen von vornherein dem Jakob zugedachl haben müsse, da er ihm in seiner Verkleidung als Esau nur einen materiellen Segen gegeben, der sich übrigens nie an Jakob erfüllt hat. Bezüglich der Art und Weife, wie sich Jakob den von Laban ausbedungenen Lohn verschaff! habe, weist Redner klar und deutlich in längerer Ausführung aus der Bibel nach, daß es sich hier ebenfalls nicht um einen Betrug handle; höchstens müsse man es als unberechtigte Selbsthilfe bezeichnen. Wenn wir uns streng an den Wortlaut der Bibel halten, ohne etwas hinzuzudeuten und hineinzulegen, so finden wir, daß Jakob wohl, wie alle Menschen, nicht erhaben war über jeden Fehl, nicht frei von Schuld, daß er aber auch kein Betrüger gewesen. Jakob ist der schlichte Mann — Jsch Tam — geblieben, als den die Bibel ihn als Jüngling schon gezeichnet hatte. Er hatte sich in Kämpfen mit feindlichen Mächten und mit sich selbst emporgeschwungen zu einem Manne, der vollauf würdig war, den erhabenen Beruf Abrahams auf sich zu nehmen und auf feine Nachkommen zu verpflanzen. Sein nächtliches Ringen, das ihm den Ehrennamen Israel eintrug, war ein Bild seines Lebens, an dem wir die leuchtende Aufschrift lesen: Durch „Kampf zum Sieg." Dieser Sieg aber war ein Sieg des Rechtes über die Mach t. Der Vorsitzende dankt dem Redner und hebt, ' vom reichen Beifall der Versainmlung begleitet, hervor, daß der Vortrag vor allem ein echt pädagogischer gewesen. Mühlfelder—Hildburghausen regt an, auf Grund des Vortrages eine. Probelektion über Jakob auszuarbeiten und dieselbe in einer der erscheinenden pädagogischen Zeitschriften zu veröffentlichen. Koll. Heilbrunn ist der Meinung, daß der jüd. Lehrer berufen sei, durch geeignete Veröffentlichungen gewisse Vorurtheile zu klären. Baum garten— Lengsfeld mißt derartigen Veröffentlichungen keinen großen Werth bei und spricht sich dagegen aus. An der weiteren Debatte, welche sich sehr anregend gestaltet, betheiligen sich noch die Herren Dr. Salzberg er, Sa mue l—Vleicherode, Dr. Spanier, O p p e n h e i m—Coburg, Röthler und der Referent. Ein besonderer Beschluß wird nicht gefaßt, mit nochmaligen Dankesworten an den Herrn Vortragenden schließt der Vorsitzende die Debatte. Derselbe berichtet sodann in vertraulicher Weise über die Thätigkeit des Vorstandes des Verbands der Lehrervereine im verflossenen Jahre. Die Versammlung nimmt freudigst Kenntniß von den Bestrebungen für die soziale und materielle Befferstellung des jüd. Lehrerstandes. Zum Deligirten wird wiederum S te i nh ar dt—Magdeburg gewählt, und beschließt der Verein ferner mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Verbandskaffe, die Kosten seines Delegirten an dem um Weihnachten stattfindenden Delegirtentag selbst zu tragen. Der Gemeindebund hat die Unterstützung der Lehrer an dem „Statistischen Jahrbuch" angeregt; die anwesenden Kollegen erklären sich sämmtlich dazu bereit, ersuchen jedoch, daß zu diesem Zwecke ihnen seitens des Gemeindebundes fernerhin die Fragebogen zugesandt werden. Ein Antrag des Kollegen Dr. Spanier betreffs anderweitiger Gestaltung des Vorstandes des Verbandes der jüdischen Lehrervereine soll demselben zur Kenntnißnahme und Berücksichtigung unterbreitet werden. Kollege Heilbrunn stellt den Antrag: „Der Verbandsvorstand wolle der Frage näher treten, eines der vorhandenen Lehrbücher über Behandlung der bibl. Geschichte für die jüdische Schule bezw. als Präparationsbuch für die Hand des jüdischen Lehrers zu bearbeiten. Mit Rücksicht auf den noch stattzufindenden Vortrag des Kollegen M ü h l f e l d er wird die Beschlußfassung über diesen Antrag bis zum nächsten Tage ausgesetzt. Einer Anregung des Vorsitzenden betr. besserer Organisation des Vereins stimmt die Versammlung zu; das Weitere in dieser Angelegenheit wird dem Vorstande, bezw. dem Delegirten überlassen. Es folgen noch verschiedene Besprechungen; dabei mahnt Sommerfeld—Chemnitz die Kollegen zur Vorsicht in der Unterstützung und besonders Weiterempfehlung

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