Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-07-21 · Heft 57 (21.7.1898) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 57 (21.7.1898)
Date
1898-07-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448911--46386-2496799
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

schehen war, daß man ihn zerreißen oder zerstampfen i werde. Einer von den nächststehenden riß ihm die Mütze vom Kopfe, ein anderer — das Käppchen, mehrere zerfetzten seine Kleidungsstücke. Man schlug, stieß ihn von allen Seilen, spuckte ihm ins Gesicht und bombardirte ihn förmlich mit Steinen und Koth. Dabei war ein Zischen und Pfeifen, Zetern und Fluchen, Kreischen und Heulen, als ob sich alle bösen Geister der Unterwelt um ihn versammelt hätten. „Jakton! Jakton! Jakton!" ließ es sich in allen erdenklichen Tonarten hören, und je wüthender dieser Ausruf erklang, desto höher schien Levi Rabinowitsch zu wachsen und desto verklärter wurde sein bleiches, mildes Gesicht. Er wisch keinen Finger breit von der Bahre. Mit zerrissenen und beschmutzten Kleidern, barhäuptig, schritt er ruhig und würdevoll neben ihr her, das Haupt hoch erhoben, die leuchtenden, goldschimmernden, tief traurigen Augen in die Ferne gerichtet, die eine Hand fest an die Brust gedrückt, mit der anderen den Leichnam beschützend. So begleitete er die Leiche des unglücklichen Jakob Porter bis zu der Grube draußen vor dem Städtchen, die eigens für ihn bereitet war. Nachdem die Leiche begraben worden war, nahm Nabinowitsch das Tallis unter den Arm und kehrte nach Hause zurück. Die Jungen liefen hinter ihm her, warfen mit Sand, Koth und Steinen nach ihm und grölten aus vollem Halse: „Jakton! Jakton!" Er aber schritt ruhig weiter, hoch aufgerichtet, mit verklärtem Gesicht und weit, weit in die Ferne schauenden, tieftraurigen, aber dennoch leuchtenden, goldschimmernden Augen, — und seit der Zeit geht er immer so im Städtchen umher. Liid. Allerlei. Moderner Realismus. In einem jüngstdeutschen Roman: „Kreuziget ihn!" von C. v. Czajkowski, der in sehr durchsichtiger Weise die Schicksale einer getauften Bankiersfamilie Kronenfelo in Warschau schildert, findet sich in dem Kapitel, wo der Verfasser die reuige Rückkehr des alten Kronenfeld zum Judenthum darstellt, folgender Dialog zwischen Vater und Sohn: „Ist heute Freitag?" „Es ist Freitag, Vater." Der Alte wandte seine Augen gegen das Fenster, dann rief er hastig: „Der erste Stern zeigt sich am Himmel — rasch entzündet die Kerzen — Der Sabbat hält seinen Einzug. . . Was zauderst Du, mein Sohn? Bringe die Brode herbei, damit ich segne. Wir wollen beten. . ." Seine Augen wurden wieder starrer, seine Sinne verwirrten sich, und krampfhaft hielt er Eugens Hand umklammert. „Mein Sohn," stöhnte er, „binde mir um das Haupt und um die Hände die Tephilum; vor meinen Augen wird es Nacht, und die Seele wird unstät im Leibe. . . O, du Gott Israels!" murmelte er mit brechender Stimme. Es geht doch nichts über die Wahrheit des jungdeutschen Realismus! Der „Israelit"' erscheint wttchentiich zweimal, Montags and Donnerstag:«, jedesmal in mindestens zwei Vogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E. F. Leiprig, glohplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petilzeile oder deren Raum. Preis der Zeile tm ReclametbeÜ 75 Pfennig. — Directe Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'« Ausland 18 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenben. Eine Rügsendnng der ft» Mtftftlo» eingesandte« Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshald, sich van ave« Ginsendnnge« eine Eopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Aus Ungarn. Von E. Friedmann. Huszt. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzcn: Deutschland: Dresden. Kiel. Memmingen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Triest. Zuramno. Frankreich: Paris. England: London. Rußland: Kiew. Moskau. Belgien: Brüssel. Türkei: Konstantinopel Algier: Oran. Afrika: Johannisburg. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvcrcincn und für dieselben: Darmstadt. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Jakton. Von Ljubow Murachina. — Jüd. Allerlei. Inhalt per ersten Beilage: Leitender Artikel: Die israel. Rcligionsgesellschaft und der Vorstand der Cultusgemeinde Zürich. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzcn: Deutschland: Hamburg. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Bayonne. Peronnc. Indien: Kalkutta. Inhalt der Pädagogischen Beilage: Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. — Freier Verein jüd. Lehrer Hannover-Bremen. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Jsraelrt", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.