Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1898)
- Date
- 1898-07-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Oran 1× ep/1048048
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1044 der gegenwärtig hier tagende Eugaristische Longreß unter Theilnahmc vieler inländischer und ausländischer Kardinale, Erzbischöfe und Bischöfe eine glänzende Prozession zur Erinnerung an die angeblich von Juden im Jahre 1370 gestohlene Hostie, die zu bluten begonnen haben soll. Damals wurden zahlreiche Juden verbrannt und unmenschliche Grausamkeiten verübt. Die liberale Presse protestirte besonders gegen die Betheiligung des Militärs. Türkei. Konstantinopel. Das Rabbinerseminar, das mit Hilfe der Alliance israölite gegründet wurde, ist nun eröffnet. Rabbiner Abraham Danon, der Director desselben, giebt in einem Rundschreiben die Aufnahmebedingungen bekannt. Die Seminaristen dürfen bei der Aufnahme nicht unter 16, nicht über 19 Jahre alt, müssen im Stande sein, dem Unterricht in hebr. Sprache zu folgen, eine Sugja des Talmud auffaffen und türkisch sprechen können. Auch die Kenntniß der französischen Sprache ist erwünscht. Die Jahrespension ist 700 Fres., wofür die Seminaristen Wohnung, Nahrung und Unterricht erhalten. Zugleich richtet der Director einen Appell an die reichen Israeliten des Orients, das Seminar durch Spenden zu unterstützen. Algier. ‘i Oran Hier hat sich ein seltsamer Zwischenfall abgespielt. Es existirt in Oran eine Krippe, ein sehr nützliches Institut, an dessen Verwaltung auch der hiesige Oberrabbiner theilnimmt, dessen Leiter ein enragirter Antisemit Mr. Giraud ist. Juden beanspruchen die Wohlthaten dieser Anstalten erfreulicher Weise gar nicht. Die Anstalt ist jetzt in Geldnöthen und Mr. Giraud beruft eine Vorstandssitzung, um zu erwägen, wie man aus diesen Verlegenheiten kommt. In der Sitzung nun erhebt sich Oberrabbiner Netter und erklärt, er habe durch Verrniltelung des Oberrabbiners von Frankreich Zadok Kahn 1200 Fccs. für die Krippe beschafft. Während die Vorstandsdamen applaudiren, erhebt sich Giraud, um zu erklären, man dürfe die Spende von Juden nur annehmen, wenn die Geber ungenannt bleiben. Da er aber bei der darauffolgenden Debatte in der Minorität blieb, verließ er den Saal mit der Erklärung, er werde feine Demission und eine Spende von 500 Frcs. einsenden. Die Demission kam, die Spende aber nicht, was Niemanden von einem Antisemiten überraschen wird. Afrika.? Johannisburg. In unserer Stadt fand am 5. Juni die Generalversammlung der jüdischen Gemeinde statt. Der Vorsitzende koustatirte, daß trotz der noch immer andauernden wirthschastlichen Depression Dank der Opferwilligkeit der hiesigen Israeliten die Einnahmen sich nur wenig vermindert haben. Im Jahre 1896/97 waren die Einnahmen 98,000 M., im Jahre 1897/98 immer noch 96,000 M, also nur unwesentlich weniger. — Die zionistische Bewegung nimmt hier außerordentlichen Umfang an, auch die offiziellen Persönlichkeiten betheiligen sich allgemein daran, so die Rabbiner und Gemeindevorsteher. Der Präsident der jüdischen Gemeinde Hermann M or r i s ist zum Vorsitzenden der zionistischen Comitös gewählt worden. Seit einiger Zeit sind Abendklaffen für Erwachsene eingesühit worden, die von unseren russischen Glaubensgenoffen sehr stark besucht werden. MilthellWk« aus de» jüd. Amenuereluku uud für dieselbe«. (SLmmtliche jüd. Wanderbettelvereine und Kaffen für Durchreisende sind gebeten, uns Mitthettnnge,, über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer THLtigkeit machen, zukommen zu taffen.) Darmstadt, 18. Juli. ChajimJisroel Ianke - lewi6z aus Lodz (Nuß.-Polen) hat, nachdem derselbe einem unbemittelten Handelsmann, wohnhaft in der Nähe Darmstadt's einen Baarbetrag von 80—90 Mark, sowie Maare und Werthgegenstände im Werthe von ca 300 Mark, abschwindelte, das Weite gesucht. Verebrl. Gemeinde-Vorsteher bez. Armenkassen-Vorsitzende, oder Privatpersonen werden Höst, als dringend gebeten, diesen festnehmen zu lassen und dem isr. Gemeinde-Vorstand zu Bensheim Mittheilung zu machen. Vermischtes. Luzern, 22. Sivan. Auf Anregung des Herrn I. Schwarz aus Groß-Tapolcsany ist hier unter dem Namen „Chevrat Bachurim" ein Verein gegründet worden, der den Zweck hat, den religiösen Sinn bei der hiesigen Jugend zu erwecken. Daß das schöne Bestreben unseres Herrn Lehrers auch von Seiten der hiesigen Gemeinde Anklang findet, beweist die Theilnahme der Gemeindemitglieder, die sich unserem Vereine als Passiomitglieder angeschlossen haben. Wir wünschen dem Vereine Chevrat Bachwim Wohlergehen und Wachsthum und dem Gründer wie auch Letter des Vereins I. Schwarz ein pdni Din. M. B. Moskau Im Dirigirenden Senat wurde unlängst über die Frage berathen, ob nach der jetzt geltenden Städteordnung Juden das Recht haben, die Posten von Direktorgehülfen einer städtischen Kommunalbank zu bekleiden. Da die Meinungen der Senatoren getheilt waren, so wird die Angelegenheit der beim Justizminister bestehenden Konsultation übergeben werden.