Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1898)
- Date
- 1898-07-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1042 nt#fTfjpgihrer Grenzen durch eine mit Zusammenrottung verübte öffentlichte Gewaltthätigkeit zugefügt wurde, Ersatz zu leisten verbunden, wenn nicht ein einziger Thäter zu Stande gebracht wird, und der Gemeinde eine Vernachlässigung Ln Betreff der Verhinderung dieser Gewaltthätigkeit zur Last fällt. Das Erkenntniß über die Verpflichtung zum Ersätze des Schadens ist von der politischen Bezirksbehörde nach vorläufiger Einvernahme des Bezirksausschusses, zu fällen. Kommt über das Maß der Entschädigung zwischen der Gemeinde und dem Beschädigten kein Einverftändniß zu Stande, so ist diese Entschädigung im ordentlichen Rechtswege geltend zu machen." Ich denke, der Fall trifft hier nach dem Buchstaben zu, und unsere Pflicht wäre es, mit aller Hartnäckigkeit die strikte Ausführung des Gesetzes durchzusetzen. Eine Sammlung wird nie so viel ergeben, um den status quo ante herzustellen; wohl aber dürften wir das Erforderliche zu Stande bringen, um einige unserer tüchtigsten Advokaten zu bestimmen, die Sache der galizischen Judenschaft in die Hand zu nehmen und mit aller Energie durchzuführen. Dadurch würde einfür allemal ein warnendes Beispiel aufgestellt werden. Dem galizischen Mod und dessen Anstiftern würde kein größerer Dienst erwiesen werden, als wenn andere das Geld beisteuerten und sie mit ein paar Wochen oder Monaten Arrest durchschlüpften. Man muß sie der Strafe unterziehen, die für sie die empfindlichste ist, und diese Strafe wäre zweifellos die, wenn sämmtliche Gemeinden, in denen Unruhen und Plünderungen vorgekommen sind, solidarisch zur Zahlung des vollen Schadens hergcnommen würden. Das wird manche so hart treffen, daß sie das Jahr 1898 zur Warnung für sich und ihre Nachkommenschaft schwarz einrahmen werden." Am Schluffe heißt es: „Wir aber wollen endlich den österreichischen Staatsangehörigen aller Konfessionen die Gewißheit verschaffen, daß sie vor dem Gesetze alle gleich sind, und daß die Behörde von den Steuerträgern zu dem Zwecke erhalten wird, um die Gesetze zur Sicherheit der Staatsbürger zur vollen Geltung zu bringen. Diesmal ist der Regierung in eklatanter Weise Gelegenheit geboten, uns die Beruhigung zu geben, daß wir in einem Rechtsstaate leben, und zu diesem endgiltigen Beweise muß sie mit allen Mitteln gedrängt werden." § Trieft. Vor einigen Tagen starb hier der Synagogen-Rabbiner Rabbi Samuel Moses Tedeschi im Alter von 77 Jahren, der in der hiesigen Gemeinde besonders bei den ärmeren Klassen sehr beliebt war. Hunderte von Personen gaben ihm daher das Geleite zum Grabe. Da er keine Kinder hatte, so sprachen alle Anwesenden das Kadischgebet für den Verstorbenen. Es machte einen erschütternden Eindruck, als man diese Hunderte von Stimmen sagen hörte: in an nvp vnpm So bewährte sich an dem Todten das Wort des Propheten jiusbi d'jsö sm dpi t> ar6 win „Ich gebe ihnen ein Denkmal und einen Namen, das besser ist als Söhne und Töchter." -1122 nnjo mnio Tin. K. Zurawno (Galizien). Wie dies in mehreren Städten Galiziens der Fall konnte auch die hiesige Gemeinde eine Talmud-Thorasckule in Ermanglung der nöthigen Mittel nicht erhalten. Da faßte Herr Simchah Milgrom, Vicepräsident des hiesigen Cultusvorstandes, den hochherzigen Entschluß aus eigenen Mitteln ein geräumiges, entsprechendes Steinhaus zu bauen, und selbes für eine Talmud-Thora zu widmen, und so konnten wir der Grundsteinlegung zu diesem Talmud- Thora-Hause am 15. Juni in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums beiwohnen. Frankreich.? Paris. Es ist interessant, ja gegenüber der antifemmfchen Strömung in Paris vielleicht von prinzipieller Bedeutung, daß sowohl Minister Delcasse, der Minister des Aeußeren, als der Marineminister Lockroy sich Juden zu Kabinetsfekretären, bekanntlich ein sehr wichtiger Posten, berufen haben. Ins Ministerium des Aeußern ist H. N eton, ins Marineministerium Edouard Jgnace berufen worden. England. 11. London. In der „Fkf.Ztg." vom 26. v. M. schreibt ein Wiener Korrespondent in Bezug auf den Schulkinderfestzug, daß der Gemeinderath, bezw. Dr. Lueger, das Verdienst der Originalität dieser Veranstaltung für sich in Anspruch nehmen dürfe. Dem muß jedoch eine englische Korrespondenz widersprechen, denn liorribile oder mirabile dictu hat Dr. Lueger nach „semitischem" Vorbild gehandelt, indem bei dem ersten Jubiläum der Königin Victoria im Jahre 1887 Sir Edward Lawton (Jude) der bekannte Eigenthümer und Herausgeber des „Daily Telegraph", auf seine Kosten die ärmeren Londoner Schulkinder in den Hyde-Park einlud, wo sie mit Erfrischungen tractirt wurden; außerdem erhielt jedes Kind einen thönernen Trinkbecher (Mug) zum Andenken. Sie wurden auch von der Königin und der königlichen Familie besichtigt und riefen Hoch „aus Leibeskräften". Mit der „Originalität" des Wiener Festes ist es also nicht weit her. Rußland. X. Kiew. Der Polizeipräfekt hat in Erfahrung gebracht, daß die Stadt von einer Anzahl jüdischer Familien bewohnt wird, die gesetzlich nicht dazu berechtigt sind. Um der Sache auf den Grund zu gehen, gebrauchte der Präfekt ein schon oft ange-