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Der Israelit · 1898-07-21 · Heft 57 (21.7.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 57 (21.7.1898)
Date
1898-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1041 testamentlichen Aussprüchen Reklame zu treiben. Es stellte sich heraus, daß der Mann Jacobsen, nicht Jacobsohn hieß, lutherisch ist, nicht jüdisch, daß der Name Jacobsen in der christlichen Bevölkerung dort nichts weniger als selten ist. Zu den Leuten, die sich zum Mundstück dieser antisemitischen Angriffe machten, gehörte auch der damalige Rechtsanwalt Graf Reventlow in Kiel. Der Herr wurde im Berliner Central-Verein ersucht, diese Angriffe, die antisemitischer Natur waren, zu widerrufen: da er nicht reagierte, hat der Vorstand des Centralvereins schließlich an die „Kieler Zeitung" geschrieben und gebeten, zunächst die Sache im redaktionellen Theil zu veröffentlichen; als das abgelehnt wurde, hat er sich erboten, im Jnseratentheil gegen Bezahlung die Sache zu veröffentlichen; auch das ist abgelehnt worden. Das Blatt nennt sich liberal! Nun, es ist dem Herrn Grafen Reventlow später doch einmal die Wahrheit gesagt worden. Als er nämlich nach Hamburg kam und dort eine Versammlung abhielt und ihm verschiedene Sünden vorgehalten wurden, da erinnerte sich einer unserer Freunde christlichen Glaubens dieser Sache und hielt sie ihm vor. Der Herr Graf erklärte: Darüber wäre ja längst Gras gewachsen, die Sache wäre doch nicht so schlimm, sie wäre nicht der Rede werth. (Ei, ei, vorher war sie schon der Rede, des Schreibens und des Drückens werth!) Memmingen. (Aus Familienrücksichten verspätet.) Arn -f? rbw D 7wv> 'k»b ist eines der angesehensten und hochgeschätztesten Mitglieder der Gemeinde Memmingen gestorben. HerrJsac Rosenbaum, Mitinhaber der Firma W. Rosenbaum, ist unerwartet nach nur kurzem Krankenlager im Alter von 50 Jahren in ein besseres Jenseits abgerufen worden. Der Verblichene war bei allen, die ihn kannten, durch seine Bescheidenheit, seinen ehrenhaften, guten Charakter außerordentlich beliebt, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Verkehr; seine größte Freude im Leben war, die Seinen zu beglücken, für die er Tag und Nacht sorgte. Ein Sohn des Rabbi Moscheh Rosenbaum und Enkel des als wackerer Kämpe für das orthodoxe Judenthum in Bayern und angrenzenden Ländern wohlbekannten und berühmten Rabbi Mendel Rosenbaum in Zell bei Würzburg, trat der Verstorbene in die Fußtapfen seiner frommen Vorfahren. Er war ein echter mrr in des Wortes strengster Bedeutung, von tief inniger Religiosität, was er sein ganzes Leben durch persönliche und materielle Opfer bethätigte. Auf seinen langen Geschäftsreisen versagte er sich oft wochenlang jeden Fleischgenuß, weil er nur jüdische Restaurationen solcher Plätze aufsuchte, in denen die rranB» sowie die Restauration nach streng religiöser Vorschrift geordnet und gehandhabt wurden. In der noch jungen Gemeinde Memmingen gab es lange Zeit schwere und harte Kämpfe bis die religiösen Gemeindeinstitutionen nach jüdischem Gesetz eingerichtet wurden, Kämpfe, die der Verstorbene im Vereine mit seinem Bruder Wolf Rosenbaum o»ni& b«td pa ^nar6 muthig und unerschrocken ausfocht. Die Erfüllung, sogar der kleinsten religiösen Pflichten beobachtete er bis zu seinem letzten Athemzuge. Sein Haus stand den Armen weit offen, und gesättigt und mit Gaben beschenkt, verließen sie dasselbe. Oft wurde, noch bis vor kurzer Zeit, da am Platze keine jüdische Restauration vorhanden mar, das Haus Rosenbaum von religiösen Geschäftsleuten aufgesucht, welche hier mit freudigem Herzen echt jüdische Gastfreundschaft empfingen. Im Vereine mit seiner edlen Gattin w, einer geb. Sichel aus Schlüchtern, mit der er 28 Jahre in glücklichster Ehe lebte, erzog Herr Rosenbaum seine Kinder streng religiös, die nun ganz im Sinne ihres verstorbenen Vaters das ihnen gewordene Erbe, echte dhiit zu sein und zu bleiben, sorgfältig pflegen und ausführen werden. An dem Leichenbegängnisse betheiligte sich nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch viele christliche Mitbürger; aus der Nähe und Ferne waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um dem theuren Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. An seiner Bahre schilderte Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Jchenhausen in beredten Worten die vielen edlen Eigenschaften des allgemein Betrauerten. Möge Gott der Wittwe, den Kindern und der weitverzweigten Familie seinen heilsamen Trost verleihen. rraaun. Oesterr.- Ungar. Monarchie. nn. Wien, 18. Juli. Die Wiener zionistische Wochenschrift „Die Welt" hat eine Sammlung für die in Galizien ausgeplünderten Juden eröffnet. Darauf hat Freiherr A. G. von Suttner, der Präsident des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, an das Blatt eine Zuschrift gerichtet, in der eS heißt: „Sie eröffnen eine Subskription zu Gunsten österreichischer Staatsbürger, die von ihren Mitbürgern ausgeplündert und beraubt worden sind. Also soll wieder einmal nach österreichischem Gewohnheitsrechte die öffentliche Mildthätigkeit für solche in Anspruch genommen werden, die ein gesetzlich begründetes Recku haben, den vollen Ersatz des ihnen zugefügten Schaden-? zu fordern! § 34 der galizischen Gemeindeordnung lautet: „Wenn jemand aus Anlaß der Vernachlässigungen der Gemeinde in den ihr hinsichtlich der Ortspolizei obliegenden Verpflichtungen zu Schaden kommt, so ist die Gemeinde zum Ersätze des erlittenen Schadens verpflichtet . . . Insbesondere ist die Gemeinde für denjenigen Schaden, welcher innerhalb

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