Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-07-21 · Heft 57 (21.7.1898) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 57 (21.7.1898)
Date
1898-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448911--46380-2496793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1040 so schwer es ihm auch fällt, sein Kind von der Bit. düng fern zu halten bestrebt ist. Und die Folgen davon liegen auf der Hand. Wie wäre es aber, wenn das ung.-orth. Judenthum eine mit einer min n^n-Schule verbundene Mittelschule gründen möchte, die keine direkt für die Universität vorbereitende Schule, wie das Gymnasium oder die Realschule ist, sondern eine derartige wäre, wie die sogenannte Bürgerschule, die nächstens bis aus sieben Klassen mit Maturität erweitert werden soll, und in der der Lehrstoff auf zehn Jahre, auf zehn Klaffen aufgetheilt wäre, so daß der Schüler nebst dem Absolviren dieser Mittelschule ein tüchtiger v-n werden könnte? — Sehen wir uns dieses Projekt näher an. Der Unterricht der acht Gymnasialklaffen beläuft sich auf beiläufig 8800 Unterrichtsstunden, davon auf Religion, Latein und Griechisch beiläufig 3200 Stunden, bleiben für die übrigen Lehrgegenstände circa 5600 Stunden, diese auf zehn Jahre vertheilt, jährlich 560 Stunden, das wäre auf 200 Lehrtage (40 Wochen zu fünf Unterrichtstage) keine drei Stunden täglich. Wenn nun Kinder während der übrigen Zeit in und me;, natns aipta einen planmäßigen Unterricht genießen, denn auch dies sollte Zweck Vieser Schule sein, welch schöne Resultate könnten da nicht erzielt werden! Wahrlich um vieles schönere, als auf mancher rop», wo von einem planmäßigen Unterrichte keine Rede sein kann. In dieser Schule, die hinsichtlich der profanen Lehrgegenstände unter Aufsicht der Regierung stehen müßte, sollte alles das gelehrt werden, was im Gymnasium obligat ist, nur Latein und Griechisch könnten als außerordentliche Gegenstände unterrichtet werden, damit dem strebsamen und befähigten Jünglinge der Weg zur Universität offen stäno.', — und in dieser Schule sollte dem Schüler jenes Maaß von rnivx und nx-' eingeschärft werden, daß er allen Lehren der Philosophie und Rar. .Wissenschaft, wie auch allen Verlockungen des Lebens, o.e ihn vom Wege der pTw abzubringen geeignet sind. Widerstand leisten könne. — In eine solche Schule möchte jeder religiöse Jude mit gesundem Menschenverstände sein Kind getrost geben, und so könnte das ung. orth. Judenthum einer Generation entgegensehen, die aus wohl weltlich gebildeten, dennoch streng religiösen Jehudim bestehen würde. Was aber die Rabbinerfrage betrifft, sollte diese Schule aus Rabbinerbildung keine spezielle Rücksicht nehmen. Alle Schüler müßten tüchtige v-»2n fftbw d'jc*, werden! Hat der Schüler die Schule absolvirt, mag er für seine ferneren talmudischen Studien nach einer ihm beliebigen Art Sorge tragen. Er lerne, wo er will und was er will. Und hat er dann Lust Rabbiner zu werden, hat er sich die nöthigen Zeugniffe über nnun mm zu verschaffen. so wie er es jetzt thut, da die Schule keine Rabbiner- Diplome geben würde, und bei der Regierung müßte nur das eine angestrebt werden, daß sie beim Rabbiner von der Kenntniß des Latein und Griechischen absehen soll, wie diese Gegenstände übrigens auch in der Realschule nicht gelehrt werden, aus der der Schüler doch sogar auf die Universität gehen kann. — Wohl wird in dieser die französische Sprache unterrichtet; aber daß auch diese Sprache zur Maturität nicht unbedingt nothwendig ist, beweist wieder das Gymnasium. — Uebrigens wird jetzt, wie bereits erwähnt, die Erweiterung der Bürgerschule auf sieben Klaffen mit Maturität geplant, in der weder Latein, noch Griechisch, noch Französisch unterrichtet wird. — Eine orth.-jüd. Mittelschule, verbunden mit min -netoi, würde also die glücklichste Lösung der in Rede stehende Frage sein. Wir hätten Rabbiner, die vermöge ihrer talmudischen Gelehrsamkeit dieser Würde werth wären, trotzdem sie acht Mittelschulklaffen absolvirt hätten, — man möchte aber, wie in Deutschland, auch in Ungarn Männer von Stellung und Beruf finden, die sich ihres Judenthums nicht schämen würden. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. H. Dresden. Der schwerste Schlag, der die Antisemiten bei der letzten Reichstagswahl getroffen hat, ist der Verlust des Wahlkreises Dresden-Altstadt an die Sozial-Demokraten. Nicht nur, daß der Führer der Partei. Oskar Zimmermann, mandatlos geworden ist, schmerzt sie tief, sondern vor allem, daß der Wahlkreis, der seit 1890 in ihrem Besitz war, verloren ist, und zwar in Folge eines Streites mit den Conservativen und in Folge des Rückganges des Antisemitismus. Im Jahre 1893 hatten die Conservativen in diesem Wahlkreise nur 6127 Stimmen, die Antisemiten dagegen 13.805, und so kam Zimmermann zur Stichwahl mit dem Sozialdemokraten, in der er mit Hilfe der konserativen Stimmen siegte. Diesmal aber waren die Rollen getauscht. Der Conservative kam in die Stichwahl mit dem Sozialdemokraten Gradnauer, in der er unterlag. Es heißt nun, daß die Antisemiten in ihrem Aerger in der Stichwahl dem Sozialdemokraten zum Siege verhalfen. P. Kiel, im Juli. Ein gewisser Jacobsen hatte hier ein Inserat veröffentlicht und dabei den Ausspruch aus dem „neuen Testament" gebraucht oder gemißbraucht: „Es ist vollbracht". Das wurde ihm von den Antisemiten verargt; es erhob sich ein Sturm, daß dieser Jude es wage, derartig mit neu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.