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Der Israelit · 1898-07-18 · Heft 56 (18.7.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 56 (18.7.1898)
Date
1898-07-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1032 zwei Herren Rabbinats-Assessoren, worüber ich ihr Auskunft gab. Nun sagte die Frau: „Ich bin in der angenehmen Lage Ihnen etwas mitzuth eilen, welches Ihnen Freude bereiten dürste. Ich wohne seit drei Jahren mit meinem Gatten in New-Hork, weile in London seit 16 Tagen und glaube nur noch einige Tage hier bleiben zu müssen um alsdann wieder heimzukehren. Ich bin der heiligen mosaischen Religion, die ich aus Ueberzeugung angenommen habe, sehr treu, bin (seit 3*/, Jahren) eine Jüdin mit Leib und Seele, führe mein Haus im strengsten Sinne koscher, halte aus rav viel mehr als manche geborene Israeliten; faste am Versöhnungstag; mit den Vorbereitungen zum Pesachfeste bin ich sehr vorsichtig und achte gewissenhaft darauf, daß alles streng nach jüdischem Gesetze gehandhabt werde; ich komme auch pünktlich jenen Geboten nach, welche einer frommen jüdischen Frau geziemen. — Bevor ich Jüdin geworden bin, pflegte mein Gatte am Sabbat und jüd. Festtagen thütig zu sein, was er aber seit jener Zeit nicht mehr thut und darum geht es ihm in pekuniärer Beziehung viel besser als vorher. Arme unterstützen wir viel mehr, als es nach unserem Vermögen angängig wäre. — Wie haben zwei Knaben, welche wir hoffen, mit Gottes Hilfe religiös erziehen zu können. Die Juden in Amerika sind zwar im allgemeinen wohlthätig, human und gütig, auch sind sie große Patrioten, wie der gegenwärtige Krieg zwischen Amerika und Spanien ja zeigt; aber leider vernachlässigen viele derselben die Ge- und Verbote der heiligen Gotteslehre. Ich kann Sie versichern", sagte die Frau zu Rabb. David Kohn—Zedek, „daß während manche amerikanische Juden und Jüdinnen sich schämen, jüdische Namen zu tragen, bin ich sehr glücklich, ja sogar stolz darauf, daß ich bereits über 3'^Jahren dentheueren Namen „Sara h" führe. — Ich bin dem Herrn Oberrabbiner Dr. Adler (dessen Name auch in der neuen Welt geschätzt ist) den zwei Rabbinen, welche mit Ihnen zusammen saßen, und Ihnen viel Dank dafür schuldig, daß ich nunmehr zu jenem Volke gehöre, das in den finstersten Zeiten, der Welt Licht brachte. Ich lese fleißig die Geschichte der Juden, und wie oft habe ich manche Blätter derselben mit meinen Thränen befeuchtet. Aber der Wächter Israels schläft und schlummert nicht, Israels Hoffnung wird gewiß eintresfen. Mögen Sie gefälligst das Ihnen hier wahr Mitgetheilte veröffentlichen, denn ich lese die israelitischen Zeitschriften und nehme an jüd. Interessen lebhaften Antheil." Auf diese angenehmen Mittheilungen erwiederte Herr Rabbiner Kohn-Zedek Folgendes: „„Ich werde gewiß nicht verfehlen, Ihre Mittheilungen der Oeffentlichkeit zu übergeben, denn grenzenlose Freude empfindet mein Herz darüber, daß es mir beschieden war, zur Zahl derjenigen drei Männer zu gehören, welche eine solche rinw ausgenommen haben. Mögen Sie weiterhin, bis zu Ihrem späten Lebensende, treu und anhänglich bleiben unserem Glauben, der keine Proseliten machen darf, noch solche besitzt. Erinnern Sie sich wohl, daß bevor wir Sie ausgenommen haben, Ihnen laut unserem Gesetze genau erklärt wurde, daß unsere Religion mit Schwierigkeiten verbunden sei, und wer sie annimmt, muß sich großer Verantwortlichkeit unterziehen." Während ich dies schreibe, findet im Conferenzsaaldes isr. Mädchenhauses eine große Sitzung statt, zu der Herr Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt a. M., telegraphisch berufen wurde. Sollte ich über den Verlauf derselben etwas erfahren, dann werde ich Ihnen in meinem nächsten Briefe darüber berichten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. V. Altona, 15. Juli. Bor etwa 55 Jahren schenkten die Gebrüder Alexander und Bernhard Josef Sahlfelv der israelitischen Gemeinde zu Neu- Kalen zwei stattliche Gebäude, eine Synagoge und ein Wittwen- und Waisenhaus. Da sich infolge Mangels von Mitgliedern die jüdische Gemeinde dort auflöst, gibt der dortige Magistrat knnd, daß die beiden Häuser verkauft werden sollen. Nachkommen der Gebrüder Sahlfeld, haben, wsnn sie Ansprüche auf Häuser zu haben vermeinen, diese baldigst geltend zu machen. Oeste r r.- Ungar. Monarchie. Ktmpolung, 6. Juli. Auf Anregung unseres allverehrten und regen Eultusvorftehers Herrn Advocaten Dr. Zrloscer, dahingehend, anläßlich des 50jährigen RegierungsjubilämnS unseres vielgeliebten Kaisers eine wohlthätige Stiftung ins Leben zu rufen, hat sich die gesammte Judenschaft des Sprengels der israelitischen Cultusgemeinde Kimpolung, von der unentwegten Liebe und unwandelbaren Treue zu unserem erhabenen Monarchen beseelt, eifrigst zusammenqethan, und wurden unter Intervention des genannten Cnltusvorstehers unter Mithilfe des Herrn Samuel Bar, Josef Landesberg, Adolf Rauchwerger und Dr. Jos. Glücksmann, welche weder Mühe noch Kosten scheuten, um den ganzen Kimpolunger Cultussprengel zu bereisen, zu diesen: Zwecke in den einzelnen Gemeinden Localcomitees gebildet. Auf Einladung des Cultusvorstehers Herrn Dr. Zaloscer, welcher gleichzeitig Obmann des Localcomitees in Kimpolung ist, fand 23. Juni l. I. in Kimpolung eine Versammlung fämmtlicher Localcomitees statt, welche sehr zahlreich besucht war. Nach ziemlich langer und sachlich gehaltener Debatte, an welcher sich die Herren Bar, Dr. Glücksmann, Gabriel Storfer, Landesberg, Lipcie, Druckmann (Frumoffa), Moses Schapira (Mama) u. m. a. beiheiligten, wurde einstimmig beschlossen, aus

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