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Der Israelit · 1898-07-18 · Heft 56 (18.7.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 56 (18.7.1898)
Date
1898-07-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. Beilage ju M 56 ües „Janwlit“. Feuilleton. DlnaDctetfü ans Ser göitimerfrifäjp. Bad -Ems, 17. Juli. „Und nun lassen Sie mich gefälligst endlich los, ich will die kurze Zeit bis zum Abendbrod benutzen, um noch einen kleinen Badebrief für den „Israelit" zu schreiben." „Einen Badebrief für den „Israelit"? sagte mein Begleiter, mit einer unbeschreiblich spöttischen Miene, „der muß doch im höchsten Grade langweilig werden. Was können Sie von hier aus viel schreiben, ja, was kann man aus irgend welchem deutschen Bade berichten, was nicht schon längst allbekannt wäre?" „Lassen Sie mich nur gehen," wandte ich ungeduldig ein, „ich werde schon was Interessantes finden, und", fügte ich drohend hinzu, „wenn Sie mich nicht endlich freigeben, werde ich Ihnen das Manuscript noch heute Abend vorlesen." „Ich wüßte wirklich nicht," beharrte mein Freund, der meine Begleitung durchaus nicht missen wollte, „was Sie dem „Israeli:" schreiben könnten, ohne die Geduld seiner Leser auf eine harte Probe zu stellen. Im Uebrigen kenne ich Ihre Badebriefe schon auswendig: „In Homburg sind diesmal sehr viel bayerische Glaubensgenossen." „Bei Löwenstein hier speisen sechs fromme Rabbonim, bei Bromet dagegen desto mehr „gewöhnliche" Menschen." „In Nauheim find einige russische Glaubensgenossen mit Frauen, Kindern, Enkel, Urenkeln, Meschores und Schochet." „Unser Glaubensgenosse Dr. Schott—Nauheim wird die Kaiserin von Oesterreich behandeln." „Unser Glaubensgenosse Dr. Aronsohn, der verdienstvolle Vorsteher des Emser Mädchenwaisenhauses, hat den Finanzminister Miguel in Behandlung genommen, damit dieser im Winter mit neuer Kraft über eine neue Steuerreform nachsinnen könne." „Im Emser isr. Mädchenheim find 22 dralle Mädchen, alle brav und gut genährt." Die Geschichten kennen wir alle, sparen Sie deßhalb Ihre Tinte und kommen Sie mit in den Wald." Mein Mitkurgast hatte es nun wirklich fertig gebracht, mich ein wenig zu ärgern, nicht etwa durch seine Bemerkungen, als durch die Verzögerung, die durch ihn mein Brief erleiden mußte und ich beschloß, mich empfindlich an ihm zu rächen. „Sie irren sich sehr," sagte ich, „mein Herr, wenn Sie glauben, daß ich meinem Blatte derartige Berichte zukommen lasse. Ich habe viel Wichtigeres mitzutheilen. Sie selbst haben mir vorhin so viel Interessantes von Ihrem Rabbiner erzählt, das ist doch wirklich wichtig genug, daß cs die Welt erfahre." Nun war die Reihe an meinem Freunde, sich zu ärgern. „Wie," stieß er hastig und erröthend hervor. „Sie werden doch nicht?" „Gewiß werde ich." „Was wollen Sie denn schreiben?" „Ihr Raw," sagten Sie, „sei ein großer Am Hoorez, seinen Mangel an Gedanken suche er durch Phrasen zu ersetzen." Mein Freund wurde nun wirklich böse. „Ich werde mit Zeitungsschreibern in Zukunft jeden Verkehr abbrechen!" Sprachs und machte eine Bewegung, die mir aus meinem Militärdienste unter der Bezeichnung ..Travers-Galopp*4 bekannt ist, und fort war er. Sofort begab ich mich auf mein Zimmer, um „brühwarm" unsere Unterhaltung zu verewigen, denn es wäre auch schade, wenn dieselbe der Nachwelt verloren gegangen wäre. Damit aber mein Freund nicht Recht behält, will ich Ihnen wirklich heute etwas mittheilen, das Sie erfreuen und interessiren dürfte. Es macht mich nämlich ein aus England hier zur Kur weilender Glaubensgenoffe auf eine in den englischen Blättern enthaltene Mittheilung des Rabbiners David Kohn-Zedek, des würdigen und gelehrten Sohnes des auch den Lesern dieses Blattes wohlbekannten Rabbi Joseph Kohn-Zedek, aufmerksam. Derselbe berichtet Folgendes: „Wie bekannt, fungirt mein Vater hier seit mehr als zwei Dezennien nicht nur als Prediger, sondern auch als Rabbinats-Assefsor (p'n). Wenn es meinem Vater unmöglich ist, der Sitzung des Rabbinats-Collegiums beizuwohnen, so vertrete ich seine Stelle beim Beth-Din. — Gestern begegnete mir in Hyde Park (einer der schönsten und belebtesten Spazierplätze London's) eine sehr elegant gekleidete Dame, die schüchtern zu mir näher trat unb mich wie folgt ansprach: „Wenn ich nicht irre, mein Herr, so sind Sie Derjenige, welcher zusammen mit noch zwei Rabbinen (sie meinte die Rabbinats-Assessoren Rabbi Spiers und Rabbi S. Cohen) im Winter des Jahres 1694 auf mein Ansuchen und ausdrückliches Beharren, mich in die mosaische Religion ausgenommen haben," worauf ich erwiederte: „Jawohl, ich bin es!" Da fragte die Frau nach dem Befinden der bezeichneten

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