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Der Israelit · 1898-07-18 · Heft 56 (18.7.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 56 (18.7.1898)
Date
1898-07-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1028 dem Todten einen Nachruf in dem er den Lebenswandel desselben, der nicht immer den religiösen Satzungen entsprach, scharf kritisirte. Dies erregte so sehr das Mißfallen der Leidtragenden, daß sie den Rabbiner zwangen, seine Reoe zu unterbrechen. I). Lemberg. Der jüngsthin verstorbene Industrielle kaiserl. Rath Jacob G a l hat testamentarisch einen geräumigen Platz wie auch 30,000 fl. zur Erbauung einer Synagoge hiuterlaffen. In einem von 19 Meter breiten umzäumten Garten wurde die Grundsteinlegung der unter Leitung des jüdischen Architekten und Baumeisters Heinrich Salver zu erbauenden Synagoge jüngst vollzogen. Auf der Tribüne, die mit Palmen und Flaggen bekränzt war, hielt Herr Oberrabbiner Sch melk es einen zündendenden Nachruf für den verstorbenen Jacob Gal. Der Sohn Herr Rudolf Gal versprach, um die Synagoge zu verschönern, zu den 30,000 fl. noch 8000 Gulden zu spenden. Rußland. E. Petersburg, 11. Juli. Einen erfreulichen Gegensatz zur letzten Verfügung des neuen russischen Unterrichtsministers und bisherigen Professors an der Universität Moskau Bogeljepow, durch welche er die Rechte der jüdischen Lehrer äußerst beschränkte, bildet ein soeben von ihm an die Kuratoren der Lehrbezirke ergangenes Circular. Hiernach sind die jüdischen Schüler der Gymnasien und sonstiger dem Umerrlchtsminifterium unterstellten Schulen von der Zahlung befreit, falls ihre Väter dem jüdischen Lehrerstande angehören. Ueberhaupt ist man nach der bisherigen, wenn auch kurzen Amtsthätigkeit des neuen Unterrichtsministers zu der Annahme berechtigt, daß er sich den Juden gegenüber humaner verhalten werde wie sein Vorgänger, der verstorbene Graf Deljanow. W. Moskau, 15. Juli. Wie die „M. W." gerüchtweise meldet, wird in Rußland auf Kosten des Barons Günzburg auf dessen Besitzung Dshenau Abad im Bender'schen Kreis (Gouv. Bessarabien) noch eine hebräische Ackerbaukolonie errichtet werden. Die Kolonie soll 500 Dessjatin groß und für 20 Familien eingerichtet werden. Die Kolonisten sollen eine Dorfgemeinde bilden, welche dem Landschaftschef unterstellt und bei der nächsten Wolost angeschrieben werden soll. Central-Asien. § Bokhara, im Juni. Obgleich unsere Gemeinde mit Synagogen genügend versehen ist, so stellt sich jetzt doch die Nothwendigkeit heraus, hier ein neues Gotteshaus zu erbauen. Unser Bahnhof liegt nämlich nicht nahe der Stadt, sondern drei Stunden Wegs von derselben entfernt, und wurde er eigens deßhalb so weit ab verlegt, damit die fanatische mohamedanische Geistlichkeit, der der Bahnbau ein Greuel in den Augen war und die gegen denselben daher fortwährend schürte, nicht nur nicht durch den Anblick, sondern selbst durch den Pfiff einer Lokomotive nicht aufgeregt werde. Zwischen der Stadt und dem Bahnhofe verkehren daher Fahrgelegenheiten. Aus dem freien Platze, der sich zwischen der Stadt und dem Bahnhose befindet, erhebt sich jetzt ein neuer Stadttheil mit europäisch gebauten Häusern und befindet sich dort auch die Filiale der Reichsbank in Petersburg. Auch mehrere einheimische und russische Juden haben sich schon dort angesiedelt und bald wird es dort eine kleine Cultusgemeinde geben. Einstweilen stellt sich schon die Nothwendigkeit ein, für dieselben ein Rethaus zu erbauen, damit sie am Sabbat und den Feiertagen nicht eigens in die Stadt kommen müssen, zumal im Sommer ist es bei unserer tropischen Hitze nicht angenehm, lange gehen zu müssen. Sprechfaul. i-vur diesen übernimmt die Nedaklion dem beierkreiö .Mniüber nur die vreßsieseyliche Verantwortung^ Prag, den 11. Juli. Nur ungern und gezwungen durch die äußerste Aothwendigkeit, ergreife ich heute die Feder. Meine Klage betrifft den Vorstand der.lllaus. Ich muß, um den Vorgang zu verdeutlichen, etwas weit ausholen. Als vor zwei Jahren der der KiauS starb, wurden, wie cs Usus ist. mehrere Bewerber um diesen Posten zum Probevortrage eingeladen und endlich ein junger Mann auf genommen, von dein man nichts Näbcrrs wußte, als daß er über eine mittelmäßige, nach mancher Ansicht sogar sehrschöne Stimme verfüge. Bei der Aufnahme hatte besonders der Vorsteher Nobitschek sich für ihn verwendet und durchgesetzt. daß man ihm mehrere hundert Gulden mehr gab als dem verstorbenen pti, der von seinem Gehalte eine sehrzahlreiche Familie ernähren mußte. Doch bald wurden Klagen über den biedern Jüngling laut. Er soll vor seiner Abreise ans Ungarn dasselbst beträchtliche Schulden hinterlassen haben und mußte gleich in den ersten Monaten zur Zahlung von Schulden, die er schon hier in Prag gemacht hatte, gezwungen werden. (Ein lediger Mensch, der weit über :ro<>0 fl. Einkommen hat - Außerdem wurden immer mehr und mehr Streiche von ihm bekannt. Als hier am autp die NBTlp N"Qn ihre alljährlichen Bußübungen und ihren Gottesdienst abhielt, wobei nach altem Brauche jedesmal ein anderer Vorbeter fungiert, hatte Herr Robitschek, der in den jin verliebt zu sein scheint, es durchgefetzt, daß dieser nruio vorbete. Run ist es strenge Vorichrift, daß der Vorbeter an diesem Tage faste. Herr Gutmann, so heißt der pn, überlegte es sich aber rasch, ließ die ganze Gemeinde im Stlch und meldete sich unwohl. Wir hatten es freilich nicht zu bereuen, denn der Obmann unserer VTnB inn toan pyzr? “in betete nnjD und zwar in einer Weise wie es ihm jener nicht nachgemacht hätte. Doch noch nicht genug! Beim nächsten V2W mj) bewarb sich wieder der gönnerhafte Vorsteher Herr Robnschek um die Ehre des Vorbctens für seinen pn und wider alles Erwarten erlangte er sie. Diesmal war auch der Vorstand vorsichtiger und ließ einen Reserve-pn fasten. Alles erwartete eine Absage, so

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