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Der Israelit · 1898-07-18 · Heft 56 (18.7.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 56 (18.7.1898)
Date
1898-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1027 derartigen Fragen wird der Herr Abgeordnete von allen Seilen bestürmt. Da er nun auf keine dieser Fragen merkwürdigerweise eine befriedigende Auskunft zu geben in der Lage ist, so wird wieder der Jud als Sündenbock hingestellt. Er erzählt seinen Wählern, was er im Parlament am öftesten gehört und was er am besten verstanden hat, nämlich, daß an allem Nebel die Juden Schuld sind und daß man die Juden hinausjagen, abschlachten, erschießen soll u. s. w. Er macht seinen Hörer weis, daß ehe nicht alle Juden ansgeraubt, ausgerottet sein werden, das Elend der Bauern nicht zu beseitigen ist. Wer's nicht glaubt, der Frage Ehren-Schneider und seine Konsorten Lueger re., das sind hochgeborne, hochweise Herren, die inüffen's doch wissen. Hat nun der Schnaps und die antisemitische Tirade die bäuerlicheit Köpfe in höchste Erregung und Wulh versetzt, dann wirb beschlossen, die Juden zuerst zu berauben, und wenn dies nicht hilft, sie eventuell zn erschlagen. Die Juden werden also sein säuberlich ausgeraubt, ein biscken mit Knütteln gestreichelt und unentgeltlich massirt. Nun zeigt sich wieder die Niedertrachl der Juden. Anstatt sich Ijöflichst zu bedanken, daß man sie nicht gleich todtge schlagen hat, schreien sie Zeter und Mordio, telegraphiren um militärische Hilfe, und die braven Bauern, welche doch nur Ordnung im Staate machen wollten, werden noch für ihre „reformatorische Thätigkeit" eingesperrt. Ja, das fonmtt davon. Von unseren parlamentarischen Zuständen nämlich. Von den antisemitlschen Hetzreden im Parlamente und dem Antisemitenregime in Wien. Jedes Land nimmt sich ein Beispiel an seiner Hauptstadt, sowohl in der Mode als auch in der Politik. Der Bauer wird von gewissenlosen Agitatoren, von seinen eigenen Abgeordneten gehetzt, die Intelligenz wird von der antisemitischer. Presie gehetzt. Es ist leichter, einen Brand anzusachen, als einen Brand zu löschen. rr. Rzeszow, 14. Juli. (Die antisemitischen Exzesse.) Hier haben nun die ersten Strafprozesse in Folge der Ruhestörungen in Westgalizien stattgefunden. Der Bauer Pitra, der angeklagt war, mit anderen Gesinnungsgenoffen das jüdische Wirthshaus in Jwornik im Bezirke Strzyzow überfallen und zerstört zu haben, wurde zit zwei Renaten Kerkers verurtheilt. Ferner war der Jude Jacob Hagel angeklagt, weil er in demselben Bezirke Strzyzow, als dort wegen der Exzesse eine Halb-Escadron Husaren einquartirt wurde, sich geäußert habe, daß man die Husarenpferde, denen der Standplatz bei der jüdischen Synagoge unter den Bäumen eines alten jüdischen Friedhofes angewiesen wurde, nach der Kirche oder auf den christlichen Friedhof bringen möge. Er habe hierdurch provokatorisch gewirkt. Der Angeklagte verantwortet sich, daß er jüd. Friedhofsaufseher sei und von seinen Glaubensgenossen aufgefordert wurde, das Einstellen der Cavalleriepfcrden auf dem jüdischen Friedhofe zu verhindern. Er sagte zum Zeugen Wvrzikowsky, warum die Pferde gerade auf dem jüdischen Friedhofe eingestellt werden; man möge einen anderen Platz wählen. Ein zweitesmal sagte er zu dem Bruder des Wyrzvkowski's: Warum werden die Pferde nicht auf dein christlichen Friedhose eingestellt ’t Die vernommenen Zeugen bestätigen die Anklage, geben aber an, Hagel sagte, man solle „ne" in die Kirche bringen. Die Zeugen verstanden unter „sie" die Pferde. Die Zeugen bestätigen, daß der Angeklagte aufgeregt war. Der Staatsanwalt hält die Anklage aufrecht und sagt, man müsse zeigen, daß die Schuld an den Unruhen nicht auf Seiten der Bauern, sondern auch auf der anderen Seite gelegen sei. Vertheidiger Dr. Nosenblatk bekämpft die Generalisirnng und weist aus Grund der Zeugenaussagen nach, daß die Aeußerung Hagel's keine Aufregung hervorrief. Auf die Aeußerung des Staatsanwalts, daß die Juden in Strzyzow sich provoeatorisch benommen haben, weil sie sich nach dem Eintreffen der Eavallerie als Herren der Situation fühlten, erwiedert der Vertheidiger, mit peinlicher Verwunderung habe er diesen Ausspruch des Staats anwalteS gehön, welchen er sonst nur in Hetzblättern dritten Ranges gefunden habe. Aergstenfalls liege eine Beleidigung der Kirchengewalt vor, aber nicht daS vom Staatsanwaltc behauptete Verbrechen der Aufreizung. Abgeordneter Szajer wohnte der Verhandlung bei. Rach Replik und Duplik und längerer Berathuiig wurde das Urtheil publicirt. Hagel ist schuldig des Verbrechens nach § «7, des Vergehens nach $ HOB und wird zu einem Jahre schweren Kerkers und zum Fasten in jeder zweiten Woche verurtheilt. Es wurde die Richtigkeits-Beschwerde und die Berufung angemeldet. Das Erkenntnißgericht befaßte sich gestern ferner mit den antisemitischen Exzessen in Czudec _ bei Strzyzow. Am 17. Juni wurden dort die jüdischen Einwohner von einer Rotte von Bahnarbeitern und Bauern bedroht unb mit einem Steinhagel bedacht. Mehrere Juden erlitten Verletzungen. Es gelang jedoch, von den Ercedenten nur den Johann Kipa festzunehmen, welcher Steine warf und seine Genossen auffvrderte, die Juden zu schlagen. Trotz der ihn belasteten Zeugenaussagen leugnete er jede Schuld. Er wurde wegen öffentlicher Gewalttbätigkeit zu vier Monaten schweren .Kerkers verurtheilt. Neutra. In Bistritz ist vor einigen Tagen der Beamte einer Dampfsäge, Adolf Keine ny, gestorben. Bei der Beerdigung hielt der Rabbiner

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