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Der Israelit · 1898-07-18 · Heft 56 (18.7.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 56 (18.7.1898)
Date
1898-07-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1029 wie im vorigen Jahre, aber der pn hielt sein Wort und betete vor, nur vergaß er in nmc, da doch “ins»* H’jyn war. u'jy. Als man ihn darüber fragte, stellte sich heraus, daß er gar nicht gefastet habe. Durch oOO Jahre wurde jedes Jahr gesamt und jetzt wagt cs dieser junge Mann der Bräuche rrnscrer heiligen Ahnen zu spotten, sic mit Füßen zu treten Vießt da nicht nach dem belannten Satze ,~riN “ü“? ~iD'C mim 707 "iQ'iD der Verdacht nahe, das; dieser Mensch, selbst lvenn er 7^7 Ol' betete, nicht fastete. üi'achdem ich so den Menschen richtig charatterisirt habe, lamme sch auf den ip'y. Der j?n bat setz; vor einem Monate vorgegeben, er fahre in die Kur, thatsächlich aber fuhr er zu zwei Probevortrngen. Wie verlautet soll er hier, wie früher in Eisenstadl, große Schulden zurüchgelassen haben, mau spricht von 2<>()l) ff. Außerdem batte er hier, wie man sagt, Beziehungen zu einer Richtjüdin, und so ist cs sehr wahrscheinlich, daß er alle diese unangenehmen Lasten hinter sich lassen und nicht mehr nach Prag zurückkehrcn will. Arißer mehrfach crwähntenr Herrn Rvditsche! und arißer feinen Gläubigern wären wahr alle zufrieden, wenn er dies lbäle. Jedoch Herr Robitschet soll schorr Unterhandlungen angel'nüpft haben, uw der Claris diesen ehreirwerthen Herrn zu erhalten Und da erlauben wir uns jetzt eine Frage: Hat der Vorstand, haben die Mitglieder der Klans so wenig Charakter, so wenig Ehrgefühl, daß sie nicht eirrschcn, daß eine Schul, die der große 7" “ins gegründet und die sich auch jetzt noch siir orthodor ausgiebt, einen solchen Mann wegjagen müsse. Meinen sie denn, cs komme nur auf eine schone Stimme an, dann rvärc cs wahrlich besser sic nähmen sich einen andersgläubigen, aber charakterfesten Mann zum Borbeter. Wenn diese Zustande noch länger fortdaucrn, so ist die Klans für ewige Seiten gebrandmartl, geschändet, entweihl! Aber nicht nur der Svnagogcnvorstand trägt Schrrld an alledem, 'andern auch der Herr Dberrabbiner, der regelmäßig diese Lchulc besucht. Warum hat er nicht seinen Einfluß -- denn so viel wird er noch vermögen - ansgeboten, manitn hat er nicht gedroht, nie mehr die Schule zu betreten V Hoffentlich werden jetzt Borstand und Rabdinat vereint dahin ivirken, daß dieser?;n weggcjagt wird, zur Chre unserer Gemeinde, zur Ehre des Fndcnthnms und zur Ehre Gottes! >. K e u i l l c t 0 ii. 'e> Per 3afton. Frei nach dem Polnischen. Bon 2jnbow Murachina. Jakob führte die Schwester rund herum um das Gerüst, blieb Dann stehen und faßte: „Hör' mal, Sarah. Dil bist meine eirrzige Schwester und ich bin Dein einziger Bruder. Gott hat mir Verdienst gegeben, aber keine Sinder. Dir hat Gott viele Kinder gegeben, aber keinen Verdienst. Das ist nicht gut . . ." Sarah begann leise zu schluchzen. „Pst! Pst!" zischte Jakob, die Stirn in Falten ziehend. „Willst mich sprechen lassend . . Ich sage, das ist schlimm. Deine Kinder sind hungrig, Dein Mann ist hungrig und Du bist hungrig . . Sarah schluchzte noch heftiger; ja, sie war wirklich hungrig und konnte sich sogar nicht erinnern, daß sie je einmal satt gewesen war. „Pst! Pst!" zischte Jakob wieder und erhob bcu großen krummen Zeigefinger seiner rechten Hand. „Was hast nun zu weinen, wo ich mit Dir spreche? Ich sage, Deine Kinder sind zerlumpt, Dein Mann ist zerlumpt und Du bist auch zerlumpt . . ." Sarah schlug beide Hände vor das abgegrämtc Gesicht und heulte ordentlich auf vor Jammer über sich und ihre Familie. Der Bruder hatte auch in diesem Recht; sie selbst ging schon lange in Lumpen und hatte nie heile Stiefel an ihren armen, zerschundenen und geschwollenen Füßen. Der älteste Sohn Abraham besaß kein Hemd auf dem Leibe, und die älteste Tochter, Rachil, war den ganzen Winter lang auf der Straße, in der grimmigen Kälte, nur mit einem alten Tuche bedeckt gewesen, das ihr eine mitleidige, selbst oft an Roth leidende Händlerin geschenkt hatte. „Pst! Pst! Pst!" zischte Jakob von neuem, wobei seine kleinen, wasterblauen Augen sich fest zusammendrückten. „So laß mich doch zu Ende reden! Ich sage, Deine Kinder haben keinen eigenen Heerd, Dein Mann hat keinen eigenen Heerd und Du hast keinen eigenen Heerd. . . Sarah heulte noch stärker, indem sie ihren schmächtigen, abgemagerten Oberkörper verzweislungsvoll hin und her wiegte. Einen eigenen Heerd zu haben, mochte er noch so schlecht sein, war für sie der Inbegriff des höchsten Glückes auf Erden, an das auch nur zu denken sie sich nie vermessen durfte. „Pst! Pst! Pst!" ließ Jakob wieder zur Beruhigung ertönen. „Laß endlich das Weinen und Heulen. Sollst mich anbörcn rmd Dich freuen. Siehst Du, ich laste ein Haus bauen. Die Arbeiter sind sortgegangen, weil es für sie Essenszeit ist, sonst würdest Du auch sehen können, wie sie aus diesen Brettern und Balken das Haus zusammenstcllen, in dem ivir alle leben werdet!; ich in der einen Hälfte, Deine Kinder, Dein Mann und Du in der anderen . . . Ja, Sarahleben, kannst Deinem Bruder glauben, daß er die Wahrheit spricht. Dein Bruder hat nie in seinem Leben gelogen und wird auch nie lügen. Ich sage, daß Du Deinen eigenen Heerd haben wirst, und darum lasse ich mein Haus in zwei gleiche Hälften theilen, verstehst Du?" Sarah verstand es und verstand es wieder nicht. Sic schlug die Hände hoch über dem Kops zusammen, lachte und weinte in einem Athem, warf sich schließlich aus die Erde und küßte sie. Dann sprang sie auf, fiel dem Bruder an den dicken Hals, bedeckte sein, nun etwas vor Stolz aufgeblasenes Gesicht, seine Schultern, Arme und Hände mit heißen Küsten,

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