Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 56 (18.7.1898)
- Date
- 1898-07-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1025 könnte — und so soll doch jeder Jude glauben — der fürchtet nicht, daß eine philosophische oder naturwissenschaftliche Hypothese ihn seines Glaubens berauben könnte, der Jude, der aufrichtig, ernst, und wahrhaftig glaubt, der vergißt auch für einen einzigen Augenblick nicht, daß „die min Gottes ist, alle andere bei Menschen gefundene Wissenschaft und Weisheit nur menschliches Erzeugniß sind", (Hirsch S. R. Pentateuch 111 18, 4—5). — Noch nie vermochte die Wissenschaft einen wirklichen Glauben zu erschüttern, was sie aber ja erschüttern konnte, war eben kein Glaube. Der Jude muß sich mit seiner religiösen Ueberzeugung nicht verkriechen; er provoziere wohl nicht den Kampf, aber so er auf den Feind stößt, sei er ohne Angst, auf der Feste der ewig unerschütterlichen Wahrheit seines Glaubens kann er dem ungestümen Heranstürmen der am Ende sich selbst aufreibenden Wissenschaft furchtlos die Stirne bieten. Freilich gibt es hier in Ungarn Leute, die diese unerschütterliche Festigkeit eben in jenem „Glauben" besitzen, daß die Wissenschaft der Religion ja schädlich ist, weßhalb auch in dieser brennenden Frage, so das ganze ung. orth. Judenthum sich nicht auf den Standpunkt dieser wenigen stellen will, von ihnen abgesehen werden muß, wenn inan nur sonst dem erstgenannten, beachtenswerthen Hindernisse auf eine, die jüdische Auffassung befriedigende Weise, gerecht werden kann, und daß und wie man es kann, soll mit Gottes Hilfe im nächsten Artikel besprochen werden. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspon-enzerr. Deutschland. Mainz, 18. Juli. Unter den uns in vergangener Woche zugegangenen Zeitungs-Ausschnitten befand sich auch ein solcher aus Lodz in Rußland, den wir in der Annahme, daß er einer russischen Zeitung entstamme, die bekanntlich aus Quellenangaben in deutschen Blättern keinen Werth legen, ohne eine solche zum Abdruck brachten. Die Redaclion der „Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift" zu Berlin theilt uns nunmehr mit. daß der erwähnte Bericht aus Lodz ihrer Zeitung entnommen sei und fordert uns gleichzeitig auf, unter Androhung von gerichtlichen und wenn nöthig noch anderen Schritten die Quelle der in Rede stehenden Correfpondenz nachträglich, anzugeben: Die „Allgemeine Israelitische Wochenschrift" hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits eine stattliche Reihe von Original - Correspondenzen des „Israelit", worunter auch solche, die wir durch schwere Mühe und Kosten uns verschafft haben, ohne Quellenangabe nachgedruckt. Manchmal erschienen sie in diesem Blatte mit Angabe irgend einer Zeitung als Quelle, die es ihrerseits für gut fand, den „Israelit" dein sie nachdruckte, zu verschweigen. Trotzdem entsprechen wir hierdurch dem Wunsche der Berliner Kollegin, du man uns versichert, daß der jetzige Revacteur derselben in dieser Beziehung andere Gepflogenheiten, wie seine Vorgänger habe. 8. Berlin, 8. Juli. Der Verein selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens hielt am ^8. v. M. eine außerordentliche Generalversammlung ab. Zu Beginn der Sitzung konnte der Vorsitzende den Mitgliedern die erfreuliche Mittheilung machen, daß das kürzlich veranstaltete Sommerfeft einen Ueberschuß von ca. 800 Mark ergeben habe. Bei den Ergänzungswahlen zum Vorstand wurde Sattlermeister Hecht zum ersten Schriftführer, Herr Brasch zum Kffsirer, Herr Ascher zum Revisor ernannt. Der Hanptberathungsgegenstand der Generalversammlung, die Gründung einer Krankenunterstützungskaffe, fand seine Erledigung in negativem Sinne. Ueber die Nothwendigkeit einer derartigen Institution war man auf allen Seiten einig. Jedoch konnte man sich vorläufig noch nicht entschließen, mit der Gründung der Kaffe vorzugehen, da die, wenn auch nichts weniger als ungünstigen, so doch noch verhältnißmäßig bescheidenen pekuniären Verhällniffe des Vereins eine derartige Einrichtung einstwecken noch als zu gewagt erscheinen ließen. Es wurde jedoch der begründeten Hoffnung Ausdruck gegeben, daß in nicht allzu ferner Zeit der Verein sich derart gehoben haben würde, daß die Krankenunterftützung alsdann in den Kreis seiner Aufgaben hineingezogen werden könne. W. München, 15. Juli. In der bayerischen Armee haben sich schon seit mehr als 50 Jahren fast stets, wenn auch nicht zahlreiche, Linienoffiziere israelitischer Religion befunden. Seit einigen Jahren sind theils durch Austritt aus der angestammten Religion, theils durch Pensionirung infolge eingetretener Dienstunfähigksit dieselben aus dem aktiven Heere verschwunden. Im Beurlaubtenstande befinden sich aber zahlreiche Offiziere israelitischer Religion, und der gestern veröffentlichte neueste Armeebefehl, die Ernennung von zwei Vizewachtmeistern bezw. Vizeseldwebeln israelitischer Religion zu Sekondelieutenants, so daß anzunehmen ist, daß für die thatsächüch zur Beförderung zum Osfizier geeigneten Osfiziersaspiranten des Beurlaubtenstandes die Angehörigkeit zur israelitischen Religion kein thatsächliches Hinderniß bei E.langung der Ossiziersstellung bildet. Im Sanitätsosfizierskorps der aktiven Armee befinden sich nach wie vor Angehörige israelitischer Religion.