Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1898)
- Date
- 1898-07-14
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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119 worden, dis auf drei viertel Stunden Entfernung von der Stadt. Das ist ein deutlicher Beweis für den Fortschritt der Kultur und für die grössere Sicherheit des Eigenthums. Auch den ehrwürdigen sogenannten ^Abrahams-Baum“ habe ich besticht, und bekam bei seinem Anblick einen merkwürdigen Eindruck. Jm Sommer 1859 hatte ich während der Ferien meine Zelte im Schatten des Baumes aufgeschlagen und dort mit meiner Familie eine Woche lang gewohnt. Damals stand der Baum noch in seiner vollen majestätischen G-rösse und Pracht, grün und blühend, ohne jeden bemerkbaren Schaden. Einige Jahre später wurde jedoch ein grosser Astzweig durch die Last des Schnees, der darauf gefallen war. abgedrückt. Wieder einige Jahre später zerschmetterte der Blitz einen anderen starken Zweig. Seitdem ging das Absterben des Baumes mit schnellen Schritten vorwärts — jetzt fand ich ihn als völlige Ruine; Der Baum mit dem umliegenden Lande wurde schon vor mehr als zwanzig Jahren von den Russen angekauft. Sie pflegten den Baum so gut wie es ging, und umgaben ihn mit einer niedrigen Mauer, deren inneren Raum sie mit Erde anfüllten, um die alten Wurzeln des Baumes besser zu bedecken. Ringsum den Baum, wo das Laubdach desselben aufnörte, pflanzten sie eine grosse Anzahl von Cypressen, die meist gut gedeihen und schon hoch gewachsen sind. Ja ihrer Mitte ragen der Stamm and die Aeste des abgestorbenen Baumes empor, umgeben von dem frischen Nachwuchs. Der Sfamm hat die Rinde verloren uud zeigt viele Wurmlöcher, in die ich bequem mit dem Bleistift hineinfahren konnte. Etwas oberhalb des Baumes haben die Russen ein grosses Hospiz für Pilger erbaut und auf der Höhe einen Aussichtsthurm, von dem man eine herrliche Rundschau hat. Die Meierei-Schule von Djedeida. (I. Fortsetzung.*) Was die Olivenbäume betrifft, so sind die wenigen mageren Früchte, die vorhanden waren, wiederum vom Sirocco an ihrer Entwickelung behindert worden. Die Landwirtbe, welche am wenigsten riskirt und verloren haben, sind eben diejenigen, welche keine Cnlturen angelegt haben. Wie .Ihnen bekannt sein wird, sind es namentlich die Araber, welche in Folge eines so schlechten Jahres ohne alle Mittel sind; den Meisten dieser L^ute, welche unsere Miether sind, wurde es zur Unmöglichkeit, uns den Mietlizins zu zahlen; ich musste darum das Central- Comite ersuchen, Denjenigen, welche am meisten darunter gelitten, ein Jahr Zeit zur Regelung ihrer Verpflichtung zu gewähren. Viele von ihnen sehen sich genöthigt, einen Theil ihrer Heerden zu verkaufen, um sich die Mittel zu sichern, das nächste Jahr ihr Land bebauen zu können; die Aermeren sehen sich gezwungen, Geld zu borgen, um den nöthigen Samen für die nächste Campagne zu beschaffen. Jn unserer Ortschaft war das Elend unter den Arabern so gross, dass Viele von ihnen kaum zu essen hatten; ich kenne deren eine Menge, bei denen dies kaum jeden dritten Tag der Fall war. Die schlechten Jahre sind namentlich in einer so grossen Besitzung, wie die unserige fühlbar. Unsere Mühle, die drei Monate im Jahre für die Eingeborenen arbeitet, hat in diesem Sommer fast durchweg gefeiert, da die Araber so gut wie nichts geerntet hatten. Der Miether des Kaufladens und der Wirtschaft, der sich auf unserem Grund- *) 8. Nr. 666. stücke niedergelassen, bat seinerseits um eine Herabsetzung der Miethe, weil seine Einnahmen in diesem Sommer so geringfügig waren. Die Araber, welche so gut wie wir über die Hilfsmittel unserer Domainen unterrichtet sind, sind alle überzeugt, dass wir in diesem schlechten Jahre ganz bedeutende Summen einbüssen mussten, und dass unsere Bilanz ein grosses Deficit aufweist. Zum Glücke treffen diese Vermutungen nicht zu, denn, nach Zahlung von 7000 Frcs. Eozel, weisen die Betriebsrechnungen des Dominiums den freilich sehr geringen Nettogewinn von 5,559.35 c nach, also etwa das Drittel von den Einkünften des Jahres 1894/95. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass, wenn sich die Hilfsmittel des Gutes lediglich auf die der Culturen beschränkten, wir unseren Enzel nur mit grosser Mühe hätten beschaffen können und das Ergebniss eines solchen Jahres wäre ein grosses Deficit gewesen; doch sind wir zum Glücke nicht in dieser Lage. Was uns selbst in schlechten Jahren rettet, das sind die festen Einnahmen der Pächter wie der Abnehmer von Wasser zu Be.wässerungswecken, eben so sichere Einnahmen, wie diejenigen der Miether der Jmmobilien. Was unsere Culturen betrifft, so haben uns die einen wie die anderen nur Enttäuschung bereitet, weil die meteorologischen Bedingungen alle gegen uns waren. Einzelheiten über einige der Culturen dürften nicht übei flüssig erscheinen. Obst- und Gemüsegärten. Wenn die vorausgesehenen Ausgaben für diese Cultnr