Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-07-14 · Heft 55 (14.7.1898) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 55 (14.7.1898)
Date
1898-07-14
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448909--46358-2496769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

118 -?w^-•fr'*T*lD-' yiwwj Nachrichten aus Palästina. Ans den jüdischen Kolonien ist nicht viel Neues zu berichten, die Entwickelung schreitet langsam vorwärts; demnächst wird die galizische Kolonie in Kaaba in Angriff genommen werden. Dieselbe liegt in der Mitte der obergaliläischen Gruppe zwischen Rosch-Pinah, Misch mar Hajarden und Jessud Ham aal ah, und ist vorzüglich für jede Kultur geeignet. Zunächst sollen 10 Familien dort angesiedelt werden, doch bietet das Terrain, das 10,000 Dunam gross ist, Platz für ca. 50 Familien. Der Verein Ahawath Zion hat bereits die erste Rate in Höhe von 20,000 Francs für dieses Grundstück bezahlt. In den Kreisen der „Chowewe Zion“ schweben bereits neue Verhandlungen behufs Gründung einer neuen Kolonie, doch ist dieselbe noch ziemlich weit im Felde, da die Vereine den grössten Th eil ihrer Mittel bereits für Kastln i e h in Anspruch nehmen müssen. Hoffentlich ist diese Aussicht ein Sporn für alle Vereine, mit verstärkten Mitteln die Sammlung von Geldern für Kolonisationszwecke zu betreiben. In Ris cho n 1*Zi on ist Herr Levantin, einer der Väter der Kolonisation, gestorben. ieru8alem. An die aussergewöhnliche Witterung dieses Jahres werden die Bewohner Palästinas noch recht lange denken. Eine Kälte, wie in diesem Jahre, haben wir hier noch nicht erlebt. Leider sind wir hier auch gar nicht darauf eingerichtet, und trotz Heizens blies der eisig kalte Nordostwind durch die wenig dichten Thüren und Fenster. Selbst in Jaffa hat es geschneit, was noch nie dagewesen ist, so dass die Eingeborenen das unbekannte „Etwas“ angestaunt haben; es anzurühren, hüteten sie sich alle. Sogar in Jericho, das doch sehr tief liegt, sind viele Bäume erfroren. Jn Damaskus soll der Schnee fusshoch gelegen haben. Auch in Jerusalem fiel wiederholt viel Schnee, und die Kinder jubelten über handlange Eiszapfen. Die Preise stiegen auf dem Markte, weil das Unwetter den Verkehr hinderte. Die armen Leute litten sehr durch diesen ungewohnten „deutschen Winter“, auf den man hier so wenig eingerichtet ist, weder Mensch noch Thier oder Pflanzen, weder Haus noch Kleidung. Einige arme Juden sind unter Schneestürmen erfroren. Jn den Gärten, wo man sonst im Januar schon verschiedene Gemüse einerntete, um sie auf den Markt nach Jerusalem zu bringen, ist Schnee und Eis gewesen, was seit Menschengedenken nicht vorgekommen ist. Aber die kalte Witterung hatte auch ihr Gutes. Die Feigengärten des Gebirges Juda sind dadurch von der verderblichen Schildlaus befreit geblieben, die seit Jahren vielen Bäumen den Saft entzog, und keine güten Früchte reifen Hess. Und die sonst so schönen und fetten Saatfelder bei Madaba und weiter hinaus gegen Osten, die seit 7—8 Jahren von verheerenden Heuschrecken verdorben wurden, sind jetzt auch von diesem Feinde befreit, so dass der schöne Weizen früherer Zeit wieder zu erhoffen ist, was für Jerusalem sehr wichtig ist. Konstantinopel. Während das englische Comitö, welches die Wasserleitung in Jerusalem wiederherstellen wollte, sich vor Kurzem aufgelöst hat, ist bereits ein neuer Antrag bei dem hiesigen Ministerium für öffentliche Arbeiten eingegangen, eine Concession für den Wiederaufbau der alten Wasserleitung zu ertheilen. Diesmal sind die Bewerber Zia Pascha, der frühere Bürgermeister von Jerusalem, und ein Herr Lachire. Dieselben wollen einfach ein Geschäft machen, und aus den zu zahlenden Gebühren für das von ihnen zu liefernde Wasser Selbstkosten und Gewinn herausschlagen. Vielleicht haben daher diese Bewerber mehr Glück, als die früheren Concession9bewerber, welche diese Angelegenheit nicht geschäftlich, sondern philanthropisch betreiben wollten. Die „Mittheilungen des Deutschen Palästina-Vereins“ bringen folgenden interessanten Bericht aus Hebron: Jm Mai unternahm ich eine Reise nach Hebron, wo ich seit bald vierzig Jahren nicht mehr gewesen war. Jch fand grosse Veränderungen zum Besseren. Es sind sehr gute neue Häuser gebaut worden, so dass die früheren vier, getrennt stehenden Quartiere durch Zwischeubauten zu einem ganzen geworden sind. Jn den letzten Jahren sind besonders im Nordwesten der Stadt längs der Jerusalemer Strasse viele Neubauten im europäischen Stil errichtet worden. Die Einwohnerzahl hat sich sehr vermehrt, namentlich ist die Zahl der Juden gewachsen, sie soll sich jetzt auf 1800 Seelen belaufen, aber auch Christen, selbst Europäer giebt es jetzt mehr als früher in Hebron. Die dorthin führende Strasse ist gut und mit Kilometersteinen besetzt. Bei dem 36. Stein beginnt die Neustadt. Die Strasse misst im Ganzen von Jerusalem ab 37'/2 Kilometer, und hört etwas unterhalb des Teiches auf. Der Teich war mit Wasser gefüllt. Auch die Weinberge haben sich vermehrt, neue Wohnhäuser sind da und dort in ihnen gebaut

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.