Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1898)
- Date
- 1898-07-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1013 schule zahlt. Außer dem Direktor und dem Vertreter des Finanzministers wird der Anstalt ein von den Kaufleuten aus ihrer Mitte gewähltes Kuratorium vorstehen. Der Czar ernennt den Vorstand dieses Kuratoriums, dessen Mitglieder der finanzministeriellen Genehmigung bedürfen. Die Eintheilung und der Umfang des siebenjährigen Kursus geben an dieser Stelle zu einer Bemerkung keine Veranlassung, ebensowenig die Bemessung des Schulgeldes; wohl aber die statutarische Bestimmung, daß die Zahl der jüdischen Schüler 10 pCt. nicht übersteigen und bis zu diesem Verhältniß stets höchstens proportional der jüdischerseits zum Unterhalt der Anstalt ausgebrachten (Summe sein darf. Diese Bestimmung, die russischer Gepflogenheit entspricht und keine Neuerung bedeutet, sondern lediglich ein Verharren im gewohnten Geleise anzeigt, ist insofern charakteristisch, als sie ganz unumwunden ausspricht: Die Juden dürfen wohl unter Umständen alle Mittel zu Bestreitung der Unterhaltungskosten aufbringen, aber die Nutzung der Schule ist ihnen niemals über 40 pCt. hinaus gestattet. Es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß der russische Finanzminister Herr v. Wine, der ein aufgeklärter Mann und vermöge seines Amtes vor Vielen im Stande ist, die wirthschaftliche Schädlichkeit der Judengesetze zu erkennen, bis an die Grenze des nach der gegenwärtigen Lage der Gesetzgebung und VerwaltungSproxis Möglichen gegangen ist, als er den Maximalantheil der Juden an der neuen Lodzer Handelsschule in der angegebenen Weise absteckte. Darum bleibt aber die Greiizbeftilnmung an sich ein Unrecht, selbst für den mlwahrfcheinlichen Fall, daß in Lodz der Juden Leistung und der Juden Recht immer parallel sein würden. Herr von Witte hat sicherlich bei der von ihm vorgeschriebenen Abgrenzung sich in der Nähe der gegenwärtigen thalsächlichen Verhältnisse gehalten. Hoffentlich kommt er in naher Zeit dahin, von der Vorschrift „prozentualer Zulassung" überhaupt abzusehen. England. London, 10. Juli. Soeben fand hier eine überaus zahlreich besuchte Versammlung der im Ostend von London beschäftigten jüd. Arbeiter statt. Der Zweck dieser Versammlung war, der stetig überhand nehmenden Entweihung des nsv abzuhelsen. Den Vorsitz führte Sir Samuel Montagu; die Hauptredner waren der Chief Rabbi, Rabbi Sußman Cohn (Dayan), Herrmann Landau und Alexander, deren Anträge dahin gingen, mit den großen Geschäftshäusern im Westend die Vereinbarung zu treffen, den Arbeitern schon am Montag (niemals später als Donnerstag Nachmittags) die Arbeit auszugeben und ihre Löhne statt Samstag schon Freitag Morgens auszuzahlen. Viele, sowohl jüdische als auch nichtjüdische große Firmen haben sich schon hierzu bereit erklärt. Es wurde ferner beschlossen, eine Versicherungskasse zu gründen, damit den Arbeitern, welche wegen der Sabbatfeier stellenlos werden sollten, bis zur Erlangung einer neuen Stelle, entsprechende Vergütung zur Bestreitung des Lebensunterhaltes gewährt werden kann. Sir Samuel Montagu erbot sich, um die Arbeiter zu ermuthigen, zu dieser Kasse beizutragen, das Gesammtergebniß der zu kollektirenden Beiträge bis zur Summe von Lstr. 1000 zu verdoppeln, so daß die Sammlung sehr wahrscheinlich in kürzester Zeit die Höhe von Lstr. 2000 erreichen wird. cf Bradford, 11. Juli. Herr Jakob Moser, der durch seine bisherige Wohlthätigkeit bekannte Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, hat dieser Tage einen weiteren großartigen Akt seines edlen Herzens folgen lassen, indem er ein Kapital von zweimalhunderttausend Mark zur Unterstützung von alten würdigen Leuten, die zur Arbeiterklasse gehören, zur Verfügung stellte. Herr Moser wurde vor einigen Jahren zum Friedensrichter ernannt, ein Amt, das ihm besonders ansteht, da er durch seinen rechtlichen und gerechten Sinn sich auszeichnet. Außerdem wurde er vor Kurzem durch seine Mitbürger zum Stadtrath erwählt. Zu seinem ferneren und wahrlich nicht geringeren Ruhme gereicht es, daß er sein Judenthum dabei nicht vergißt. Bei der Verwaltung der Gemeindeangelegen; heilen, wo er den Vorsitz führt, zeigt er sich stets als ein für das Gemeindewohl strebender Israelit. Auch seine Tasche ist stets offen, wenn es gilt, Gemeindeinstitutionen zu erhalten. Diese haben oft mit großen Schwierigkeiiten zu kämpfen, da hier zu Lande religiöse Gemeinschaften nur durch freiwillige Gaben aufrecht erhalten werden können. Mancher Israelit kommt in diesen Beziehungen seinen Pflichten nicht nach, und ist es solchen Männern wie Herrn Jakob Moser zu größerem Verdienste anzurechnen, daß sie auch ihrer Religion und dem Andenken ihrer Väter Rechnung tragen. Arabien. R. Armen. Die jüdischen Gemeinden, die in der hiesigen Gegend zerstreut sind, führen ein sehr dürftiges unglückliches Leben. Sie leben unter einer zurückgebliebenen und fanatischen Bevölkerung, deren Sitten und Gebräuche die des 17. Jahrhunderts sind, und sind in einer untergeordneten Stelle. Gedrückt und resignirt ertragen sie mit Stillschweigen die Demüthigungen ihrer stolzen Mitbürger und das Elend ihres unglücklichen Daseins. Viele sind Handwerker, die aber ihr Handwerk nur oberflächlich verstehen; einige sind kleine Krämer, der Handel im Lande ist unbedeutend und die wenigen großen Häuser gehören den Mohamedanern.