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Der Israelit · 1898-07-14 · Heft 55 (14.7.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 55 (14.7.1898)
Date
1898-07-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1012 •. y3g?#f ' Machtbefugnisse — voll Anmaßung, in ungebührlicher unberechtigter Weise, beschwerte er sich hierüber beim Gemeindevorstand. Bei demselben Gemeindevorstand, der im Vertrag vom 2. Mai 1896 seine Autorität untergräbt, und in Bezug aus die Schechita u. den Kinderunterricht gegenüber den Mitgliedern der Religions Gesellschaft seine Machtbefugnisse einschränkt und in einen engbegrenzten Wirkungskreis verweist, beschwerte er sich — der Beamte der Religions-Gesellschaft hätte ohne vorher eine Bewilligung, Erlaubniß bei ihm nachgesucht zu haben rc. k. — eine rabbinische Funktion autzgeübt. — Jeder objektive Urtheilende kann für diese Beschwerde des Dr. Littmann nur ein Lächeln haben, sie kann nur erheiternd wirken. Nicht so beim Gemeindeoorstand, er nahm die Beschwerde des Dr. Lrttmann scheinbar sehr ernst. Er ließ sich sehr gerne Sand in die Augen streuen und vergaß den eingegangenen Vertrag. Ohne sorgfältig und gewissenhaft zu prüfen, benützte er <.s als das hetßersthnte Mittel, den Mitgliedern der Religions- Gesellschaft sich als Zwingherrn zu zeigen, und um jede Hoffnung auf irgend eine ConcZsion von seiner Seite sofort zu nehmen, erließ er Anordnungen und Verbote, wodurch die beide Parteien trennende Kluft nur noch mehr erweitert wurde. (Fortsetz. folgt.) Zeitrrttgsnachrichten und Correspoirderrzerr Deutschland. B. Berlin, v. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer .letzten Sitzung ihre Zustimmung zur Annahme eines Legats von 10,000 Mark erklärt, welches der am 25. v. M. hierselbft verstorbene praktische Arzt Dr. med. Alexander Fürst der Stadt Berlin hinterlassen hat. Dr. Fürst, der früher Arzt in Memel war und dort als Vorstandsmitglied des jüdischen Hilfscomitäs für russische Israeliten nicht nur bei unseren Glaubensgenossen ein segensreiches Andenken hinterlaffen hat, beftimmte letztwillig 5000 Mark für das städtische Obdach in der Fröbelstraße, sowie 5000 Mark für Schulkinder der hiesigen Gemeindeschulen, die bei Klaffen-Spaziergängen für die ärmeren Kinder zu verwenden sind. Herr Dr. Fürst, der auch für wohlthäkige Zwecke innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft stets eine offene Hand hatte, war ein Mann von echter Hu. manität und ein hervorragend tüchtiger Arzt. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben. Oester r.-Ungar. Monarchie. Aus Mähren, im Juni. Sowie das Herz des Wüstenwanderers etwas höher schlägt, wenn er von Weitem eine von grünen Bäumen umkränzte Quelle sieht, so erquickt und erlabt sich auch das Auge des gesetzestreuen Juden, wenn sich vor seinen Blicken in einer von irreligiösen Glaubensgenoffen bewohnten Gegend, ein trostverheißender Lichtquell darbietet. In dem von lauter Reformern strotzenden Brünn ist ein Mann, bei dem Wohlthätigkeit, Religiosität sich vereinigt haben, um ein Werk auf strengreligiöser Grundlage zu gründen, ein Werk, welches von selbst seinem Meister ein ewiges Denkmal setzt. Dieser Mann heißt Alois W i t r o ß k y '"2, ist Fabrikant in Brünn, und das Wohlthätigkeitsinstitut, welches er in's Leben gerufen, es ist der Freitischverein für arme Studenten, Volksschüler und Hochschüler. Früher waren die Ettern der die Brünner Schulen besuchenden Kinder gezwungen, ihre Glaubensgenoffen wegen unentgeltlicher Verabreichung der Kost zu bitten und da diese in den meisten Fällen nicht wa wirtschafteten, so aßen die Kinder schon frühzeitig nene. Wurden jedoch die Eltern bei ihren Glaubensgenoffen nicht erhört, so gingen die Schüler zu Andersgläubigen, um bei denselben unter Hintansetzung aller religiösen Bedenken Kost für billiges Geld zu verzehren. Um diesen Mißbräuchen ein Ende zu machen, gründete Herr Witroßky mit Unterstützung namhafter Persönlichkeiten den Freitisch-Verein. — In stiller Zurückgezogenheit starb in Brünn der 73-jährige Greis Simon Hauser, ein frommer, echter Jehudi. Er war viele Jahre Bürgermeister und Cultusvorsteher in Eibenschütz und diente daselbst durch sein ungeschminktes, frommes Wesen, durch sein humanes Wirken, vielen als Vorbild. Dieser seiner hervorragenden Eigenschaften wurden in einer trefflich angelegten Rede des Landesrabbiners Dr. B. Placzeck in gebührender Weise Erwähnung gethan. Simon Hauser eignete sich in Nikolsburg unter dem damaligen Landesrabbiner Nehemias Trebitsch jene schätzenswerthe Kenntnisse aus dem Hebräischen an, welche geeignet sind, die Grundlagen für einen echten glaubenstreuen Jehudi vorzubereiten. Möge die Erde ihm leicht sein. Rußland. V. Lodz. (Prozentuale Zulassung.) Hierselbst ist es den Bemühungen der Kausmannschatt gelungen, die behördliche Genehmigung zur Einrichtung einer Handelsschule zu erwirken, die ein schreiendes Beottrfniß war, da bei der Ueberfüllung der vorhandenen Lehranstalten die Unterbringung eines Knaben in diesen von den Eltern gleich einem Lotteriegewinn als Glücksfall erachtet wurde. Unter dem 25. (a. St.) v. M. hat der Finanzminister Herr v. Witte, die Statuten der neuen' Anstalt bestätigt. Die Unterhallskosten sind durch Selbstbesteuerung der Kaufteute auszubringen, so zwar, daß bei Lösung des Gildenscheins jeder Kaufmann erster Gilde 75, jeder Kaufmann zweiter Gilde 20 Rubel zum Besten der Handels-

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