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Der Israelit · 1898-07-14 · Heft 55 (14.7.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 55 (14.7.1898)
Date
1898-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1009 vor, die Gefahr des Wahnwitz-Windes zu übertreiben, der über unseren Köpfen herbeigezogen ist. Hegen wir Vertrauen zu der Vernunft, deren Berfinsterungn nur kurze Zeit dauern. Seien Sie versichert, daß Sie deren Triumph vorbereiten, indem Sie das lebendige und handelnde Gewissen des Landes in ihren Diensten bleiben." vermischtes Aus Württemberg. Der soeben miSgegebeiic iu. Bericht der Israel Waisenanstalt „Wiilielmspsle^e" in Hingen zeigt in erfreulicher Weise, daß die veiumg dieser humanen Anstalt in besten Händen ruht und sie der S»mpathie weitester Kreise, die sich in reichen Spenden und Stiftungen kundgicbt, vollauf würdig erscheint, Jur ,^eil befinden sich 3t5 Zöglinge in der Anstalt. n>o sie der Wohlthat einer guten Grziclnmg, gründlichen Unterrichtes und liebevoller Behandlung genießen. Trotzdem an den Wohl thätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen immer größere Ansprüche gestellt werden, zeigt doch arich dieser ßtechenschastsbericht wieder in schönster Weise, daß auch das heutige Ge schlecht sich D'jom ’JD D'jom nennen darl. Saint-Etienne. Bei dem Empfange lnersclbst sagte Präsident Fclir Faurc zu dem ihn begrüßenden Rabbiner der dortigen Gemeinde: „Ich habe derr Ausdruck der Am psindungcn der jüdischen t^erncinde mit Genugtlnrung cm pfangcn. Ich verspreche Ihnen, »ach dem Maß meiner -Kräfte stets die Gefühle der Brüderlichst il zur Geltung zu bringen, die Sie beanspruchen, und ich bin überzeugt, daß Sie nach dem Maß Ihrer Kräfte iiets dem Bciterlarid und der Republik dienen werden." Avpsstuien. Wie es heißt, beabsichtigt 'Keg. Menelit, sich im Jahre U>00 nach Iernsalem zu begeben. Mcnelil will die Stadt lenncn lernen, in der vor dreitausend Ialu. seine Stamm Mntler, die biblische Königin von Saba, die Gastfreundschasl des Königs Salomo genossen imi.- Feuilleton. Per Iukton. - Ai'ci nach bem Polllischeu. Von Ljubow M «rachina. Er hieß Levi Rabinvwitsch, tvurdc aber in der lebten Zeit nicht anders als „Iat'lon" genannt. Rlerkwnrdigerwcije schieil er ans diesen Sckimpsnamett ordentlich stolz zn sein. In der That sah man ihn früher nur am Sabbat, wo er frei von seinem Haunrkasten war, bochaufgcrichtet durch die schmutzigen Straßen deS elenden Städtchens schreiten: seit lnan ihm aber deit Spottnamen angehängt hatte, ging er so jeden Tag, trotz dem schweren Kasten, den er von früh Morgens bis spät Abends von Haus zu Hans auf seinem Rucken herumtrug. Dabei schauten seine träumerischen, goldschimmernden Augen j weit in die Ferne und sein schwarzes, mit einigen Silberfäden durchzogenes Ziegenbärtchen war in unaufhörlicher zitternder Bewegung, wie es im eifrigen Gespräch vorkommt. Man bemerkte auch, daß er die Mütze viel tiefer in dem Nacken trug, so daß seine hohe schmale Stirn ganz frei blieb, und seine Kleider und Stiefel viel reiner aussahen, als vordem. Es war, als ob er plötzlich reich geworden wäre, er, der Levi Nabinowitsch, der nie mehr als das Allernothwendigste in seinem alten Häuschen hatte, und auch das noch so sauer verdienen mußte! Geschah cs zuweilen, daß er nach alter Gewohnheit den schmerzenden Rücken krümmte, die Augen senkte und das Bärtchen hängen ließ, so gebrauchte nur Jemand ihm bcu „Jakton,, ins Gesicht zu schleudern: sogleich richtete er sich wieder hoch auf, schaute er mit seinen goldschimmernden Augen in die weite Ferne und begann die Lippen mitsammt dem Bärtchen zu bewegen. Wie war Levi Rabinowitsch zu diesem Schimpfnamen gekommen? Und wie konnte er stolz auf ihn sein? — Die Beantwortung dieser Frage liegt in dem Folgenden: Im Städtchen war ein rothhaarigcr, dickköpsiger, krumbeiniger Schneider mit Namens Jakob Porter ansässig. Bei Kleinem batte er sich fünfhundert Rubel zusammengespart und dieselben seinem langjährigen Freunde, dem reichen Viehhändler Schleifmann, aus Zinsen gegeben. Zeugen waren dabei nickt anwesend gewesen: das kleine Geschäft war unter vier Augen mündlich abgemacht geworden. Jakob Porter batte Niemand auf der ganzen Welt, außer einer Schwester, Sarah, deren Mann ein gewaltig gelehrter Talmudist war, der von Morgens bis Abends über seinen Büchern saß und sich um weiter nichts in der ganzen Welt bekümmerte. Was selbige arme Sarah für Ansircngttngen machte, mit sich, ihren gelehrten Mann und ihre vielzähligen Kinder zu erhalten, ist gar nickt zu beschreiben und auch kaum zu begreifen. Sie war noch jung, aber schon gänzlich verblüht, sv daß von ihrer Schönheit keine Spur mehr übrig geblieben war. Mit dem hageren, sorgendurchsurchten und von Wind und Wetter gebräunten Gesicht, den tief eingesunkenen, trüben Augen, dem ewig zerzausten Haar, schmierig, zerlumpt, zitternd vor ewigem Hunger und Müdigkeit, bot sie das Bild einer alten, elenden Bettlerin. Sie war jedoch ebensowenig Bettlerin als alt. Sie verrichtete bei sich alle Hausarbeiten, half anderen aus beim Waschen, Scheuern und dergleichen, wenn sie nur ein paar Kopeken dadnrck ^verdienen konnte,<Zief täglich mehrere Werst in die benachbarten Dörfer, um aus erster Hand einige Dutzend Eier, Butter, Gemüse und Fische zu. kaufen und.dann mit einem kaum merklichen Verdienst im Städtchen wieder zu

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