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Der Israelit · 1898-07-14 · Heft 55 (14.7.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 55 (14.7.1898)
Date
1898-07-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1008 der Geschworenen zu verdanken hatte, veröffentlichte vor einigen Monaten in der voni berüchtigten Vater Lepsemyi herausgegebenen Zeitschrift „Krestan" einen Artikel unter dem Titel „Ueber Iudeurbum und Freimaurerthum". Die königliche wberüaai-anwaltschast iand aber in diesem Artikel den Dhaibenand der Auireiznng gegen die jüdische Konwffrvn und strengte deßhalb gegen den Berianer einen Preßprozcß an. Bei der jüngst üattgehabten Verhandlung hielt der öffentliche Ankläger eine Rede, in der er den Antisemitismus trenend brandmarkte. „ ... . mit roher Faun," io sagte er unter Anderem, „in die Saiten des Volksgemüths greisen, das m ein Appell an die Faun, die kein Argument mehr ist. Das ist nichts Anderes als Aufwiegelung, nichts Anderes als der mit dem religiösen G^Rhle getriebene Schwindel. Ein hartes Gort, meine Herren, aber es in reiüich erwogen, denn nach meiner Ansicht verbirgt sich da außer der maßlosen Aufreizung zum konfessionellen Haß noch ein anderes Ziel. In der Kulturarbeit im Interene dieses tausendjährigen Staates steht in enter Reihe: Tie Entwickelung des Ungarthums. Und in diesem Streben — sagen wir es nur offen heraus — sehen wir unter den ansehnlichen Faktoren die ungarische Iudemchan. . . . jju dem Gebäude unseres nationalen Staates har die ungarische Iudenschaft nicht nur ein Ziegelstück getragen. Wollen Sie in den Gegenden der Rationalitäten Umschau halten — überall bildet die Iudenschaft mit ihren ungarischen Schulen je eine In'el unter den Rumänen, Serben, Slowaken, Sachten, die ihre eigenen Schulen halten. In da der ungarische Jude den Schrelbern und den Leiern des slowakischen „Krestan" nicht ein Dorn im Auge - Gehen die Angriffe schließlich nicht auch daraus hinaus, daß der Jude mit Leib und Seele bemüht in, ''ich zu magoaristren ö Ich führe nichts weiter im In:?r?ste der angegriffenen Iudenschaft an. . . ." Rach die'er wirkungsvollen Rede konüatirten die Ge 'chw'.c.nen den Dhatbeüano der Aufreizung, sprachen aber den Angeklagten mit Rückncht aus sein Alter frei. Frankreich.!■■■ Paris, 11. Jul'. Di? „Liga der Menschen, une Bürgerrechte" versendet an ihre Mitglieder einen von dem Senator Traiteur, den Professoren Tu'.Gur, Dwektor des InstitutPasteur und Grimaur, dem von dem General Blllot gemaßregelten Chemiker, Unterzeichneten Au'cust der di? Mittheckung enthält, daß die w'.ga ihre W rki'amkeit begonnen hat. Die Liga beläßt 'ich bereits rr/t der Angelegenheit, sie zu ihrer Gründung Anlaß gegeben und deren ges-tzmäßige Losung ne verfolgt, der Anairs Dreyfus. TrStIuS wird in dem Schreiben nicht genannt, das ausführt, es sei heute allbekannt, daß ein Dsfizier im Jahre 1894 aus ein ihm unbekannt gebliebenes Aktenstück hin vernrtheilt worden ist. Es sei unzulässig, daß der Wunsch, Verantwortlichkeiten zu decken, bis zu dem Punkte getrieben werde, die Augen zu schließen. Die Sicherheit aller Bürger erheische, daß nie, auch nicht unter dem Vorwände der StaatSraison die legalen Formen verletzt werden, die für die gerechte Anwendung der Strafgesetze bürgen und ohne die die Justiz keine Sicherheit mehr böte. Es heißt dann weiter: „Man hatte glauben dürien, daß die gesammte öffentliche Meinung nch gegen eine derartige Ungesetzlichkeit erheben würde, deren Gutmachen das Strafgesetz selbst fordert, allein Leidenschaften eines anderen Zeitalters nnd entfesselt und der Antisemitismus hat für einen Augenblick von uns eine große Zahl derjenigen entfernt, die zwar dessen Tendenzen nicht billigen, aber denen Drohungen nicht zu trotzen wagen. Es hat nch eine Art von „Schreckensherrschaft" unter der vernden Aktion einer Kampagne von Verleumdungen und Lügen gebildet und die organntttert Rufe „Rieder, Tod den Juden!' haben aus einer rein juridischen eine politische Frage gemacht. Dieser Verstoß blinden Fanatismus fügt zu der Pflicht, ein Unrecht gutzumachen, die noch viel größere, die Seele Frankreichs vor einer ernsten Gefahr zu reiten. Ter Antisemitismus hat dank einer allzu langen Straflosigkeit für feine Drohungen und Herausforderungen endlich Algerien unterdrücken können, es darf nicht geschehen, daß er sich im Mutterlands einniste und va nach und nach oie Prinzipien bürgerlicher und politischer Gleichheit vernichte, die uns feit J.789 das Ideal der Menschheit eröffnet, für das wir die Verantwortung in der Welt tragen'. Die Einheit des Vaterlandes, die unsere Väter uns vermachten, hängt davon ab. Man würde bald nicht mehr das französische Vaterland erkennen, wenn wir, statt gleich vor dem Gesetze zu sein, wieder uni inehr als ein Jahrhundert zurück ein Volk würden, das den Rassenvorurtheilen, dem religiösen Haffe und der Sektirer Unduldsamkeit geweiht wäre. Der Verurtheilte von 1894 ist in unseren Augen nicht mehr Jude, als ein anderer an seiner Stelle Katholik, Protestant oder Freidenker wäre. Wir sehen in ihm nur einen Bürger, dessen Rechte die unsrigen stno una wir verwerfen als einen unerwarteten Rückschrist der Ideen der Freiheit die Sektenunterschiede, die man in seiner Person Herstellen möchte. Diese Gefühle der Duldsamkeit haben uns ohne Zweifel schmachvolle Schmähungen eingetragen und können uns noch neue Vorbehalten, allein nichts kann uns davon abbringen, da wir der Stimme des In tereffes kein Gehör schenken, wenn es sich darum handelt, im Einklang mit uns selbst zu bleiben. Hüten wir uns übrigens, werthe Kollegen, da-

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