Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1898)
- Date
- 1898-07-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1007 nommen!ReligiöseBestrebun gen sind aukgeschlossen. Nun herrscht Friede in Israel! Als ob jemand, der sein Leben nach den Lehren der Talmud-Thora-Schule einrichtet, d. ch. nach den Lehren der mm, deffen ganzes Thun und Lassen, sowohl im privaten als auch im geschäftlichen und sonstigen öffentlichen Verkehr sich nach den Vorschriften des fr6isr regulirt, dessen ganzes Leben daher nur ein einziges religiöses Leben bilden soll, nämlich diesen Vorschriften möglichst nachzukommen, — als ob ein derartiger ehemaliger Talmud-Tbora-Schüler plötzlich Abend» 8 Uhr, wenn er die heiligen Hallen seines Vereins betritt, nunmehr seinen sonstigen Mensch mit seinem Ueberzicher ausziehen könne und dürfe und in demselben seine religiösen Bestrebungen, die er im Geschäft, im Hause treulich vollführt hat, so lange ausbewahren könne, bis er die Vereinsräume wieder verläßt! Religiöse Führung des Haushaltes, Redlichkeit und Wahrheit im Umgang mit seinem Nebenmenschen, Waschen und Benschen vor und nach jeder Mahlzeit u. s. w. sind weiter nicht als religiöse Bestrebungen; man darf sie nicht abelegen, wie einen unbequemen Mantel! Ja, selbst die Wohlthätigkeit, die in dem neuen Verein als zweiter Hauptzweck benannt ist neben der Geselligkeit, was ist sie anders, als eine religiöse Bestrebung ti-i a'i:n mhv bv) und die Heranziehung von Schülern für die Talmud-Thora-Schule. ein weiterer Zweck des Vereins, was ist dies anders als die größte und schönste religiöse Bestrebung (svvb rwv pi jts bv mpuw. Und darum ist ein jüdischer Verein, der religiöse Bestrebungen ausschließen will, ein Unding. Bemerkenswerth ist ganz besonders, welche sonderbare, man ist fast versucht zu sagen, naive Anschauungen über einen solchen Paragraphen in den sich alles hineinlegen und aus dem sich alles herauslesen läßt, selbst in solchen Kreisen herrschen, die voll und ganz auf dem Boden der Orthodoxie stehen. Da äußerte Jemand mir gegenüber: Ein Verein mit religiösen Bestrebungen kann nur ein Lernverein sein, wir wollen diesmal keinen solchen, darum kann und muß der Paragraph mit hinein! Ein Anderer findet den Vortheil des Paragraphen darin, daß nunmehr es nicht Vorkommen könne, daß z. B. bei Vorträgen ein Redner die verheißene Zukunft nwi rars ableugnen könne (solches ist thatsächlich vor einigen Jahren hier in einem öffentlichen Vortrag geschehen); er meinte, wenn so etwas sich jetzt ereignen würde, könnte man doch auf Grund des zitirten Paragraphen Einspruch erheben. Ich frage darauf: Was würde geschehen, wenn nun ein Redner, der auf der Seite der Orthodoxie steht, über n'LDn mo, in unserem Sinne sprechen wollte! Da würden mit demselben Rechte die Gegner Einspruch erheben! Und deshalb meinte ein Dritter ganz naiv, jetzt könnten, wenn gewünscht doch religiöse Vorträge ohne Tendenz (!!!) gehalten werden. Daher ist der Zweck dieser Zeilen, berufene Federn anzuregen, aufklärend und belehrend in dem Sinne zu wirken, daß sie die volle Schädlichkeit solcher allgemeinen, phrasenhaften Sätze darthun und die Anthcilnahme an Vereinen, die religiöse Bestrebungen ausschließen wollen, kennzeichnen als das was sie sind, als sme! Wenn dieser Zweck erreicht würde, so wäre der Wunsch erfüllt Ihres Ergebenen M. I a c o b s e n. Aus Ba-vett. Die Wahlen der weltlichen Abgeordneten zur israelitischen Synode sind nun ebenfalls abgeschloffen. Im Allgemeinen zeigte sich in den meisten Wahlbezirken eine Lauheit und Jntereffenlosigkeit. Conservative Bezirke, wie Mosbach, Tauberbischosshein, Offenburg rc. rc. haben frequenter gewählt, als neologe. In der, größten israelitischen Gemeinde des Landes, in Mannheim, haben von 1037 Wahlberechtigten nur 54, also rund 5 Proz. ihre Stimmen abgegeben. — Bei den geistlichen Mitgliedern ist an die Stelle des Herrn T r e i t e l, früheren zweiten Rabb'ner in Karlsruhe, Herr Bezi, ksrabbiner Dr. Löwen st ein von Mosbach gewählt worden. Möge die baldigst bevorstehende Tagung der Synode nur Segen für Israel im Gefolge haben. L. d. Zweibrücken, 8. Juli. In einer hier selbst stattgehabten Versammlung der Vorstände der Kultusgemeinden des Nabbinatsbezirks Zweibrücken wurde der Beschluß gefaßt, zur Verwesung derRabbinatsstelle in Zweibrücken Dr. Meyer aus Jugenheim, Schüler des Breslauer Seminars, der Regierung m Vorschlag zu bringen. Ferner ward beschlossen, daß der Sitz des Rabbinats in Zweibrücken verbleibe. Eine definitive Anstellung ist, entgegen der Mittheilung anderer Blätter, bisher nicht erfolgt. O e st e r r.- U n g a r. M o n a r ch i e. 8 Pretzburg, 7. Juli. Das Leichenbegängniß des in so sonderbarer Weise aus dem Leben geschiedenen Predigers der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Dr. Julius David, war ein höchst einfaches und stilles und nur der Vorsteher dieser Gemeinde widmete dem Heimgegangenen einen kurzen Nachruf. Sonst hat Niemand weder an der Bahre noch am Grabe gesp.ocheu. Von auswärtigen Gemeinden war nur aus dein benachbarten Stampfen durch eine kleine Deputation vertreten. ror:e nw X Budapest, 10. Juli. Ein pensionirter römisch-katholischer Priester, der bereits wegen eines antisemitischen Hctzartikcls vor Gericht gestanden und ein freisprechendes Urtheil nur der milden Gesinnung