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Der Israelit · 1898-07-14 · Heft 55 (14.7.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 55 (14.7.1898)
Date
1898-07-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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100Ö wöchentlich), 3) Herr Dr. Schreiner: Geschichte der Juden. (2 Stunden wöchentlich.) Persönliche Meldungen bei Herrn Rabbiner Dr. M. ybaum, W., Hinter der kathol. Kirche 1, (Sprechstunde 11—)2.) Vorlesungen am Rabbiner-Seminar: 1) Dr. Wohlgemuth: Lektüre leichter, historischer Stücke aus der Bibel, verbunden mit grammatischen Uebungen nach T. L.-Metbode. (3 Stunden wöchentlich), 2) Prof. Dr. Barth (für Vorgeschrittenere:) Wissenschaftliche Grammatik, verbunden mit der Lektüre von Stücken aus den Propheten- und Hagiographenbüchern. (3 Stunden wöchew.l.), 3) Dr. Wohlgemuth: Ueberfichtliche Darstellung aller noch heute geltenden Gesetze und Zurückführung derselben ans ihre Quellen, (eine Stunde wöchentlich.) 4) Dr. Hoffmann: Geschichte deö Zeitraums von den Makabäern bis zum Abschluß des Talmud?, verbunden mit Lektüren von Proben aus Mischna und Talmud. (2 Std. wöchenrl.) Persönliche Anmeldungen bei dem derzeitigen Sekretär des Seminars, Herrn Dr. I. Wohlgemuth, C., Rosenthalerstr. 40 III. D. Berlin, 11. Juli. Die galizischen Unruhen gegen unsere Glaubensgenoffen finden in der Berliner Tagespreffe, mit Ausnahme eines Antisemitc, blattes, die eingehendste Mißbilligung. Ein anderes Lokalblatt hat sogar einen Spezialberichterftatter an den Schauplatz der Unruhen geschickt, der in seinem letzten Briefe folgenden Fall mittheilt, der die Bigotterie der galizischen Juden illuftriren soll, in Wirklichkeit aber beweist, das; der Korrespondent Dinge heranzieht, von denen er nur eine unvollkommene Kenntniß hat. Wir citiren wörtlich Folgendes: „Die Bauern betreiben durchgehends Kleinwirthschaft, während die Chassidim und ihre Rabbiner vom Bettel leben, von den Almosen, die ihnen die gläubige Menge spendet. Wenn einem f.ommen Juden irgend etwas unterläuft, was er mit seinen Begriffen von Frömmigkeit nicht in Einklang bringen kann, dann wendet er sich an den Chassidim-Rabbi, daß dieser ihm aus den heMgcn Büchern Aufklärung biete. Dieser Nathschlag wird honorirl; das Honorar variirt zwischen 10 Kreuzer und 1 Gulden. Zur Jllustrirung folgender Fall. Eine fromme Jüdin kauft auf dem Markte von einem Bauern ein Huhn. Dieses ist, weil es von Christen stammt, „unrein". Sie bringt es nun nach Haus, und da w II es der Zufall, daß es in eine Schüffcl geräth, die „milchig* ist." . . . u. f. w. So macht sich hier ein frommer Katholik, wie unser Correspondent, über Gebräuche, die er falsch wiedergibt, und über den Rabbiner, den er einen „schlauen Menschen" nennt, lustig und trägt, wohl ohne es zu wollen, zur Vermehrung jenes Haffes be», der die Unruhen hervorgerufen. Hamburg, 10. Juli. (Politische und religiöse Be st rcbun gen sind grundsätzlich ausgeschlossen.) Ju diesen Tagen fand hier in Hamburg die Gründung eines Vereins ehemaliger Talmud-Thoraschüler statt. lieber die Zwecke desselben, sowie den Gründungsact wird wohl Ihr Herr Correspondent Bericht erstatten. Der Unterzeichnete möchte heute nur den irr der Uebcrfchrift genannten Passus beleuchten, welcher unter heftigem Widerstreben einer ansehnlichen Minorität in die «Statuten übernommen wurde. Ein gleicher Paragraph finbet sich u. A. in den Statuten des hiesigen sehr bedeutenden Commisvcreins von 1858; dieser Verein nimmt Juden und Nichtjuden gleichmäßig als Mitglieder auf, sein Zweck ist hauptsächlich Stellenvermittlung, nebenher auch geselliger Verkehr :c. Da hat sich der genannte Paragraphals sehr nützlich erwiesen, indem mehrfache Stürme von sozialdemokratischer und antisemitischer Seite gegen den Verein mit Erfolg abgewiesen wurden. Wo im Uebrigen ein geselliger Verkehr gewünscht wird, müssen sich die wenigeil Juden selbstredend der Majorität unterordnen! Sinnlos ist dagegen speziell der zweite Thcil (Religiöse Bestrebungen) des erwähnten Paragraphen in einem Verein, der nur Juden ausnimm', dazu nur Schüler der T a l m u d - T h o ra s ch u l e, welche ihrem ganzen Wesen nach durchaus confessionell ist und deren Zwecke dahin sich zusammenfaffen lassen, die ihr anvertrautcn Kinder bv .-rpirn, zu braven, frommen Jehudim zu erziehen, nnd welche dieses Ziel auch bisher in hervorragendem Maße erreicht hat! Wenn dann die dieser Schule entstammenden jüngeren oder älteren Leute sich später in einem Verein treffen, dann muß — so will es Paragraph 1 dieses Vereins — jedes religiöse Bestreben altsgeschloffen sein.' Wie sagt doch Hamlet: „Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode". Der Zweck dieses Paragraphen ist ein sehr durchsichtiger, derselbe soll dazu dienen, Gegensätze zu Überdrucken, die niemals vereint werden können! Die strengste Orthodoxie, welche, wie in der Gründiiilgsveisammlung ein Redner sich richtig ausdrückte, die Lehren im Leben befolgt, zu deren Erlernung sie die Talmud- Thorn-Schule besucht habeir, und die alles verleugnende, alles Unbtgneme abstreifende Reologie wollen in einem Vereine zu gesilligem Verkehr zusammentreten! Damit nun bei den Neologen um Himmels Willen kein Anstoß erregt werde durch die bösen Orthodoxen, welche (ebenfalls Ausspruch eines Redners) eifrigu bestrcbt sind, olle, welche anderer Richtung sind, zu vergewaltigen und zu bekehren (!!!), wird nach Muster der U. O. B. B. der Paragraph aufgc-

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