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Der Israelit · 1898-07-14 · Heft 55 (14.7.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 55 (14.7.1898)
Date
1898-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1005 Gemeinde geißelt, so blicken sie auf Andere, statt auf sich selbst und freuen sich darauf, am Wirthstisch Mittags erzählen zu können, wen eigentlich der Rabbiner gemeint habe. Das sind die nn-iri nmx unserer Tage. Wenn dieselben Leute, welche so gerne zu den unterhaltenden Musiar-Predigten gehen, von einem Freund oder selbst dem Rabbiner im Privatgespräch wegen irgend eines Unrechts ermahnt werden, wie suchen sie dann nach Worten um ihrem Unmuth und Grimm über die „Anmaßung und Arroganz" des Zurechtweisenden Ausdruck zu verleihen.' Jerusalem wurde nur deßhalb zerstört, lesen wir im Traktat Sabbat, weil die Leute sich nicht gegenseitig zurechtwiesen, nr nx m irwi »bv. Es heißt nämlich in Megilat Echa: „Ihre Fürsten waren wie Widder, die keine Weide finden." Damit ist Folgendes gemeint: Wie bei den Widdern in der Heerde Einer den Kopf zum Schweife des Anderen herabneigt, ähnlich war es mit dem Israel der damaligen Zeit- Sie richteten den Blick zu Boden opnpa dttod und ermahnten sich nicht gegenseitig. Dieser Tadel des Untersichblickens, um nicht zu sehen und um nicht mahnen zu müffen, wie häufig könnte man ihn unseren Zeitgenosien zurufen! Wie viele Väter und Mütter giebt es, die nichts wisien wollen von den Gesetzesverletzungen ihrer Kinder, die die Augen verschließen und dadurch sogar ein Unrecht nicht sehen, von dem schon in der Oeffentlichkeit gesprochen wird? Wie viele Lehrer und Meister giebt es, die sich gern über den religiösen Lebenswandel ihrer Schüler täuschen, uni sich durch erregte Auseinandersetzungen nicht die Freude eines Wiedersehens zu vergällen? Wie viele Vereine hat man jetzt glücklich gegründet, in welchen von religiösen Dingen nicht gesprochen werden darf, und welche so Uebungs- und Pflanzstätte für das unheilvolle „tolerante" Geschehenlassen innerhalb des Judenthums werden? Uno wie of; wird der Blick dem Unrecht gegenüber nicht einmal mehr zu Boden gesenkt; wie oft hören selbst gesetzestreue Glaubensgenossen Reden und Unterhaltungen ohne Widerrede, ohne Zeichen des Unwillens mit an, in welchem das Heiligste in den Staub gezogen wird? Ja, wie oft kann man die Toleranz unserer Frommen in den nichtjüdischen Wirthschaften bewundern, wo sie ruhig an denselben Tischen bei Israeliten sitzen die sich durch den Genuß verbotener Speisen aufs Schwerste versündigen? Wer hat am Sabbat es noch nicht mitangesehen, wie ein als fromm bekannter Mann in friedlichem Gespräch in der Ladenthür des Sabbatentweihers stand? Soweit hat man die Pflicht der nrow vergessen, daß gar Mancher charakterlos genug ist, sich zu scheuen, in Gegenwart eines sündhaften Glaubensgenossen die heiligen Gebote der Thora zu erfüllen. Anstatt die Sünder dazu zu bringen, daß sie sich schämest Unrecht zu thun, scheut man sich das Wahre, Gute und Rechte auszuüben. Wir wollen die traurigen Beispiele hier nicht noch weiter ausführen. O, jenes kostbare Gut, das unsere Väter beim Fall Jerusalems sich retteten, das glaubenstreue Judenthum, das auch heute weilen Kreisen zu erhallen gewesen wäre, es ist zerstört worden, weil man die Pflicht des Zurechtweisens aufs Gröblichste vernachlässigte. Möchten wir doch uns Alle in oiesen Trauerwochen um Jerusalem an unsere Ausgabe erinnern, die irrenden und sündigen Glaubensgenossen durch richtige und rechtzeitige Ermahnung zu ihrer Pflicht zurückzuführen! O daß wir von dem Propheten Jirmijahu lernten mit Mutb und Standhaftigkeit überall da zu reden und zu mahnen, wo Rede und Ermahnung heilige unverbrüchliche Pflicht ist. Wenn wir erst nicht mehr den Widdern gleichen, welche den Kopf zu Boden senken, wenn erst die richtige nran wieder unter uns auflebt, dann ist der Grundstein gelegt zum Wiederaufbau des wegen mangelnder nroir» einst zerstörten Jerusalem. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 11. Juli. Aus der Schreibstube des Deutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes geht uns folgende Zuschrift zu: Je mehr sich erfreulicher Weise die Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes an den städtischen und königlichen höheren Schulen Preußens ausdehnt, desto stärker macht sich das Bedürfniß nach solchen jüdischen Religionslehrern geltend, die eine akademische Bildung empfangen haben uno damit sowohl den Anforderungen der Schüler als dem Bildungsstande der andergläubigen Lehrer an jenen Anstalten entsprechen. Auf Veranlasiung und mit Unterstützung des D e u 1s ch- ISraeliti schen Gemeindebundes haben deßhalb die Lehranstalt für die Wissenschaft des Juden t hum S, Li n den st r. 48/50, sowie das Rabbiner-Seminar, GipSstr. 12a, in Berlin un entgeltliche Vorlesungen für akademisch gebildete zukünftige Lehrer der jüdischen Religion eingerichtet, die mit dem Anfänge des nächsten Wintersemesters, also am 2b. October beginnen sollen. An der Lehranstalt werden lesen: 1) Herr Dr. B a n e t h : Pentateuch und hebr. Grammatik (2 Stunden wöchentlich), 2) Herr D r. M a y b a u m: Bibelkunde (2 Stunden

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