Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1898)
- Date
- 1898-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1004 Väter gehört, wir hätten nicht nöthig gehabt, im Exil soviel Unangenehmes zu hören. O, daß wir doch im Leben hörten, auf daß wir nach dem Tode nicht hören müffen. Aehnliche Worte knüpfen unsere Weisen an den ersten Ver» der Haphthora des kommenden Sabbat: »bt* iy rmi ’im WBBf 131 flwn iy -an lyotr mnDin iyvs>7i »btr iy mraj >-ai vw nnaa *©i wwn .131 f*mup '-an vomt »bp ny m&n 131 iyvV Zum Schluffe heißt es: P3aviyvs"»biiy psy-nKiyoBi ,'n nan iyve» nnpsn msxyn iyve" »bi iy psv» iyve" „Es mögen eure Ohren hören, damit nicht eure Körper hören müffen; es mögen eure Körper hören, daß nicht eure Gebeine hören müffen. Ihr dürren Gebeine, höret das Wort Gottes." Vorher wird uns in einem schönen Gleichniß das große Glück geschildert, das darin besteht, daß wir durch das „Hören" den Weg zur. Rückkehr und zur Wiedererlangung des Verlorenen finden können. Zu den Worten 'i -an mv des Jirmijahu sagte R. Lewi: Seiner Braut brachte der König zwei Myrthen. Die eine derselben verlor sie und grämte sich darüber. Da sagte der König, bewahre mir die eine, welche dir noch geblieben, mit derselben Sorgfalt, als bewahrtest du beide. Dieses Gleichniß läßt sich auf Israel anwenden. Am Sinai sagten sie: nwu i *ni ie>» ba. „Alles, was Gott gesprochen, wollen wir thun und anhören." Als sie nun durch die Sünde des goldenen Kalbes das yctw verloren hatten, indem sie gegen Gottes Gebot handelten, sprach Gott zu ihnen: „Hütet wenigstens das nw«, als wenn ihr beide zu behüten hättet." Es ist uns damit gesagt, so lange wir noch zu hören verstehen, sind wir nicht verloren. Durch den aufrichtigen Willen zum Hören, werden wir auch dazu gelangen, das Richtige wieder zu thun. Wenn dem so ist, daß die Befolgung der Ermahnungen uns die Möglichkeit gibt, all das, was wir durch Unachtsamkeit und Leichtsinn verfehlt und verloren haben, wieder zu erlangen; ist es da nicht ein einfaches Gebot der Klugheit, daß wir den Mahner, sowie seine Ermahung nicht nur hinnehmen und ertragen, sondern daß wir auch sie werthschätzen und lieben sollen? Sehen wir uns jedoch um in der Welt, betrachten wir unsere Zeitgenossen. Ja die rrraui werden gern gehört, wenn man glaubt, sie nicht auf sich selbst beziehen zu müssen. Wenn Andere zurechtgewiesen werden, freut man sich. Wird man jedoch selbst zurechtgewiesen, so ist man unwillig und zürnt dem unbequemen Mahner, oer das glücklich eingeschläferte Gewiffen wieder erwecken will. Man ist leicht versucht auf unsere Zeit dar- Wort des R. Elasar b. Asarja anzuwenden bspar *a in 1*12 eh an by mar <in3iri. „Es soll mich wundern, wenn in unserer Zeit Jemand ex:stirt, der Zurechtweisung hinnimmt." Wenn in aufrichngster Freundschaft und bester Absicht Einer den Andern auf einen Fehler aufmerksam macht, weit entfernt, daß gefolgt wird, spielt man noch den Beleidigten, schmäht den Mahner und wirft ihm Ueberhebung vor. „Wie kommt der dazu, mir etwas zu sagen?" Wie oft hört man diese und ähnliche Redewendungen, wenn in Gesellschaft von einem unbequemen Mahner gesprochen wird! Und diejenigen, die mahnen könnten, die mahnen sollten! Selten, sehr selten sind sie geworden, weil man die Unannehmlichkeiten fürchtet, weil man in Angst ist vor dem Spott und vor der schmähenden Nachrede des zu Ermahnenden. Einst fragte R. Papa den Abaja, so wird uns im Tractat Berachot erzählt: Wie kommt es, daß den früheren Gelehrten Wunder geschehen sind, und oaß uns keine Wunder geschehen? Daß jene mehr lernten, kann doch der Grund nicht sein; denn sie lernten gründlich nur die Ordnung Nesikin, während wir uns eingehend mit allen sechs Ordnungen der Mifchna beschäftigen? Wenn Rab Jehuda zu einer bestimmten Mifchna des Traktats pypiy kam, erschien ihm diese schwierig, wie die scharfsinnigsten Controversen seiner Lehrer Rab und Samuel; während wir in 13 verschiedenen Weisen uns mit diesem Traktat der sechsten Mischnaordnung befaffen. Doch wenn Rab Jehuda bei Regenmangel nur den Schuh au?zog, so kam schon Regen; während man auf uns nicht achtet, wenn wir uns auch kasteien und die innigsten Gebete emporsenden? Abaja antwortet: Die Früheren haben ihr Leben hingegeben für die Heiligung des göttlichen Namens und wir opfern uns nicht auf für die Heiligung des göttlichen Namens. Das Beispiel, das Abäja anführt, bezieht sich aus die nnsw. R. Ada ben Ahaba habe sich den größten Unannehmlichkeiten ausgesetzt, um die jüdischen Frauen davon abzuhalten, sich unjüdisch zu kleiden; einmal habe er infolge dieses heiligen Eifers eine große Geldsumme bezahlen müffen. Daß unsere Zeit auf ihr „Lernen" sich nicht viel zu gut thun darf, wird jeder zugeftehen. Können wir uns aber wenigstens mit denen vergleichen, die rücksichtslos zur Gottesfurcht ermahnten? Wohl, auf den Kanzeln wird auch in der Gegenwart viel ermahnt und zurechtgewiesen; sind aber die Predigten auch der größten und begeistertsten Redner von so vielem Erfolg gekrönt, daß man sich mit diesen Mahnungen von der Synagoge aus begnügen kann? Viele Prediger werden es uns bestätigen, daß gerade Diejenigen, welche leichtsinnig in Bezug auf die Ausübung unseres heiligen Gesetzes sind, mit BorUebedieschärfsten Mnssar-Redenanhören. Die Einen beruhigen sich mit der höchst lächerlichen Phrase: „Der Rabbiner muß so reden." Die Anderen haben in ihrer Unwissenheit und Gleichgiltigkeit das eigene Gewiffen schon längst eingeschläfert. Wenn diese eine Predigt mit anhören, welche Gesetzesverletzungen der