Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 55 (14.7.1898)
- Date
- 1898-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXLX. Jahrgang. JK 55 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von l>r. le^mautt in Utatnj. Donnerstag, den 14. Juli 5658 (1898), Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Sechstes Buch. XXVIII. * Mainz, 1Ü. Juli, mrwwn t» rr.x. Die Haphthora des kommenden Sabbat bringt uns die erste der erschütternden Zurechtweisungen des Propheten Jirmijahu. Jahrtausende sind schon vergangen, seitdem der Allgütige diese Worte der Mahnung und Warnung an sein Volk schickte,- doch wer mit Aufmerksamkeit und Verftändniß diesen gewaltigen Worten lauscht, wird heute noch ebenso zerknirscht und beunruhigt, sein und seiner Zeitgenoffen Leben betrachten, wie jenes längst dahingegangene Geschlecht, das dieselben aus dem Munde des Gottesmannes vernehmen durfte. O, daß wir uns sagen könnten, wir sind beffer als unsere Ahnet», sind treuer und fester als jene, die als Strafe ihrer Sünden den Fall des Tempels und des jüdischen Staates miterleben mußten. Ja, dann würden wir ruhig und freudig gär Vieles im Buche des Jirmijahu lesen können, ruhig, weil wir wegen unseres Thuns so Schlimmes nicht zu furchten hätten und freudig, weil die Gegenwart im Vergleich zur Vergangenheit uns beglücken müßte. Solche nran zu lieben, die uns nichts angehen, bei deren Lektüre wir uns sagen können, wir sind nicht gemeint, Ermahnungen die Andere treffen, uns aber gerade ein Spiegelbild der eigenen Vortrefflichkeit Vorhalten, solche Zurechtweisungen gern zu haben, das ist leicht. Doch unsere Weisen haben das nicht gemeint, wenn sie dem Thorajünger anempfehlen die mmin zu lieben. Um so tiefer wir uns selbst durch den Tadel unseres Wandels getroffen fühlen, um so dankbarer sollen wir dem strengen Tadler fein, umsomehr muffen wir uns freuen, daß man aus unserer Achtlosigkeit und Gleichgiltigkeit uns ausgeschreckt hat. Sobald wir einmal durch eine Ermahnung Fehler abgelegt haben, soll für die Folge der Wunsch in uns wachbleiben, daß wir stets, sobald wir gefehlt, einen treuen Freund zur Seite haben möchten, der uns auf die Fehler aufmerksam macht. Diese treuen Freunde haben wir; in Seiner Gnade und Barmherzigkeit hat der Schöpfer allen Geschlechtern seiner Volkes Seine Propheten gesandt. In die Bücher dieser Gottesmänner sollen wir; uns während des ganzen Jahres vertiefen, aufmerksam sollen wir dieselben lesen und wo immer wir eine Ermahnung aus uns beziehen können, dieselben so beherzigen, als wäre sie heute erst gesprochen und als sei sie an uns persönlich gerichtet. Und da es gar viele Israeliten giebt, die nur selten ein Pophetenbuch ausschlagen und werl es nur Wenige gibt, für welche die Donner des Pwphelemvortes laut genug sind, um den Lärm und das Toten des Alltagslebens zu übertönen, so haben unsere Weisen, an den Fasttagen, die uns ja Zeiten der Neue und Zerknirichung sein sollen, und an den Tagen der Nahe, an den Sabbaten in der alljährlich wrederkebrendcn Zeit trübster Erinnerungen, uns die Mahn- und Strafreden der Propheten in die Hand gegeben, auf daß wir sie lesen mit offenem Blick und aufmerksamem Ohr. Wenn wir Thorawvrte vernachlässigt haben, so sollen wir durch Prophetenworte uns zurückführen lasien, damit wir nicht nölhiq haben uns durch Genoffen inahnen und schelten zu lasten. Sprechen dann die Freunde, so sollen wir auf sie hören, damit die Lärmtrompeten des Feindes nicht an unser Ohr schmettern. O hätten im Heiligen Lande unsere