Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1898)
- Date
- 1898-07-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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tet, eine namhafte Summe, einen bedeutenden Theil ihres Capitals der Ausdehnung der Colonisation zu widmen. Bei allen ihren künftigen Unternehmungen zum Wähle des Volkes muß die Kolonisationsihättgkeit immer in erster Reihe stehen. 2) Die Grundfeste der Ohibath Zion ist die heilige Thora, wie ich bereits in meinem ersten Schreiben an den Baseler Congreß nachdrücklich betonte. Ohne unsere Thora, unseren Lebensquell, ist all' unsere Arbeit Nichts, und darum fei es fern von den Führern der Zionisten, bei ihrer nationalen Arbeit irgend welchen Anlaß zum Gerede zu geben, als entweihe der Zionismus die Religion. Freilich, wer sich der Arbeit für unser Volk widmet, den fragt man nicht über sein privates Verhalten. Brüder sind wir in den Leiden für unser Judenthum, und Brüder bleiben wir bei der gemeinschaftlichen Arbeit zum Wiedererwecken unseres Volksthum'. Aber die Grundfeste unseres nationalen Strebens muß unser heiliges Gesetz sein; darum hat auch die jüdische Bank dem Zwecke zu dienen, diesen Pfeiler unserer Regeneration mit aller Kraft aufrecht zu Hallen. Religion und Kolonisation des heiligen Landes muß der Zionismus in allen seinen Richtungen uns Unternehmungen anstreben, namentlich aber bei der Gründung der Bank. . . Neben der großen Arbeit haben wir besonders Folgendes zu thun: Wir besitzen Ansiedelungen in Palästina, deren Bauern und Winzer noch vi lsach der Stütze bedürfen, auf den Bergen Juda's harren Hunderte jüdischer Feldarbeiter der Seßhaftmachung. Zu dem Zwecke besteht ein von unserer hohen Regierung bestätigtes Comir« in Odesta, das in seiner schönen Aufgabe, den Bauern zur Arrondirung ihrer Besitzungen und den Arbeitern zur Ansiedelung und Besitznahme ihrer Grundstücke zu verhelfen, zu unterstützen uns ernste, heilige Pflicht ist. Wir müssen bedenken, daß hinter den Hunderten von Arbeitern Tausende von jüdischen Bewohnern Palästma's bangend und sorgenvoll den Tag erwarten, wo sie auf den neu zu schaffenden Arbeiter-Kolonien Beschäftigung finden.Kein Land wird in einem Tage besiedelt, am wenigsten ein seit vielen Jahrhunderten verwüstetes, vernachlässigtes Land, und noch dazu durch ein Volk, das nahezu zweitausend Jahre der Agricultur entrissen ist. Keine Kolonisation im Großen kann gelingen ohne zahlreiche Experimente, ohne Versuche; darum sind die kleinen Thaten, wenn sie auch klein wären, sehr groß, sehr wichtig, und jeder Jude, der aufrichtig der Zionsidee ergeben ist, hat die Pflicht, für das Comitä in Odessa Mitglieder zu werben, die Beiträge vergrößern zu Hellen. Die Kolonisation Palästma's hat der Welt den Beweis geliefert, daß das jüdische Volk noch lebt, daß auch unsere hebräische Sprache lebenssähig ist, daß die jüdischen Bauern der Erdarbeit ergeben sind, und daß auch der Boden reichen Ertrag gibt. Die Schulen in den Kolonien, vor Allem die Mittelschule in Jaffa haben überzeugend dargethan, daß der Geist unserer heiligen Thora tiefe Wurz ln in den Herzen unserer Kinder schlägt, daß sie ihren Vorschriften gemäß leben, daß unsere altgeheiligte Sprache in ihrem Munde auflebt, kurz, daß das Heranwachsende Geschlecht in Palästina mit allen seinen Lebensfasern und Geistesanlagen seiner Religion, seinem Volke und Lande treu ergeben ist. Wir müffen unserer Jugend an's Herz legen, was die jüdische Hoffnung ist, worin das jüdische Jveol besteht. Unser Volk muß Kenntniß von seiner großen Vergangenheit erhallen, um zu erfahren, daß diese Größe nicht durch Gewalt, nicht durch das Schwert wiederzugewinnen iü, sondern einzig und allein mit Hilfe seiner heiligen Thora, seines starken Geistes uns seines sittlich-reinen Lebenswandels. Unser Volk muß aber auch neben seiner großen Vergangenheit seine traurige Gegenwart kennen, muß wissen, daß mit dem ökonomisch-materiellen Niedergang der moralisch-intellektuelle gepaart ist, daß durch die Verschlimmerung seines politisch-sozialen Zustandes auch die Thora, die Lebens quelle unseres Volkes, vergessen wird und Viele, Viele sich von un4 lossagen auf — Nimmerwiedersehen! . . . Ob die Herren Herzl und Nordau sich das in ihr Notizbuch schreiben — wir bezweifeln es. Türkei.? Ealontchi. Hier sind 22 Familien aus Larissa angekommen, die sich hier niederlassen wollen, um den Verfolgungen der griechischen Bevölkerung zu entgehen. Es sind tüchtige Arbeiter, die schon ihr Brod finden werden; einstweilen erhielten sie von der jüdischen Gemeinde eine kleine Geldunterftützung und von dem reichen Muhamedauer Mustapha Arif Effendi frei Wohnungen in feinen Häusern. Die Flüchtlinge erzählen, daß in Larissa kürzlich wieder durch eine Bande von Bauern die jüdischen Läden geplündert worden und die Polizei erst einschritt, als schon großer Schaden angerichtet war. Die jüdischen Kaufleute halten daher ihre Läden geschloffen und die Stadt ist viel lebloser, als zur Zeit, als Edhem Pascha dieselbe besetzt hielt. Die griechischen Behörden nehmen vielfach Partei gegen die Juden, die man beschuldigt, während derOkkupation sich griechisches Eigenthum angeeignet zu haben. Dagegen schreitet die Militärbehörde, insbesondere General Bassos, i« jedem Falle energisch ein und ihm gelang es auch bei den Bauern und selbst den Priestern der Umgegend viel von den gestohlenen Sachen zu finden, deren Diebstahl man den Juden Schuld giebt. Indien.? Bombay. Der von Hoffkine erstattete offizielle Bericht über seine Schutzimpfung gegen die Pest ist auf Kosten des Gouvernements in die Ein-