Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1898)
- Date
- 1898-07-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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994 einfache, schöne Rythmus des Lecho Daudi-Liedes. Wie akustisch dieser Tempel war, wie voll und schön das Ganze tönte, wenn im Chore gesungen wurde. Doch horch! War es nicht die leise Discamstimme seines Vaters, die er hörte? Gewiß, sie war es; diese besondere Art, die Worte auszusprechen, die von seinem zahnlosen Munde herrührte, und diese innige Verschmelzung der Töne ineinander!! 'Rein, sollte er auch seinen Ohren nicht mehr trauen dürfen? Diese würden ihn doch nicht täuschen. Er wollte schon aufspringen, hineilen und das Phantom umarmen. Aber er schämte sich gleich über diesen bumnten Gedanken, er war doch kein Kind mehr; das ist ja rein unmöglich; die Todteu stehen nicht auf.- Wie es ihn: im Tempel heiß dünkie, er schwitzte, wie wenn er schwer gearbeitet hätte. Es lastete aus ihm ein gewisses etwas, das ihn schier zu Boden drückte. Er hätte fliehen mögen, aber er konnte nicht, seine Füße waren ihm wie gelähmt. Er mußte sich setzen, um nicht umzufallen. Aber sehen und hören wollte' er nichts mehr, er schloß fest seine Augen und hielt sich die Ohren zu. Was ging ihn denn auch das Ganze an? Diese alten Lieder, die zum Vortrage kamen, halten doch nur alterthümlichen Werth, wie die kurz aufgesundencn Apollohvmnen; und der Prediger, der nun die Kanzel bestieg, war auch nur ein Ueberrest jener veralteten Anschauungen, die er, der „Moderne", der „Vernunftmensch", nicht billigte. Aber, o Wunder! Mit geschlossenen Augen und zugestopsten Ohren hörte und sah er alles. Es war rein zum Verrücklwerden! Ganz deutlich sah er, wie sein Vater mit den Augen zwinkerte, wie er sich seinen Bart streichelte, wie er sich beim Beten bückte, wie er ehrfurchtsvoll nach oben ausschaute. Und dabei hörte er auch, wie er glaubensinnig Amen sprach, er hörte das Oessnen der kleinen Schnupftabaksdose, das Ausspringen und Zuklappen des Deckels, er hörte, wie er eine Prise den Nachbaren anbot. Ja, er hörte und sah auch alles, was sein Vater beobachtete. 'Er sah den Prediger auf der Tribüne stehen, er hörte ihn salbungsvoll reden, nach Bildern ringen, «Sätze aussprechen. In seinem Kopfe ging es knnterbnnt zu, er fühlte ein mächtiges Hämmern an seinen Schläfen. Der Gottesdienst war zu Ende. Die Versammelten begaben sich nach Haus, er sah das und war innerlich froh; er wollte auch fort, um los zu werden dieses Spuckes. Aber noch einmal wollte er das Phantom, das ihn äffte, betrachten, noch einmal imd noch einmal. Die Vision ging zuletzt hinaus, bedächtig imb langsam, wie cs seines Vaters Art war. Die Gestalt mußte an ihm vorüber kontmcn. In der That, sie hielt auch an und raunte ihm was ins Ohr: „Ich bin mit Dir zufrieden, mein Sohn, ich habe mich schon lange nach Dir gesehnt; komm öfters hierher, daß wir uns sehen, mein Kind Zu gleicher Zeit spürte er wie ein Rütteln am Arme, der Schamcs gab ihm zu verstehen, daß der Gottesdienst schon zu Ende und er nicht gesonnen sei auf ihn allein noch lange zu warten. Er küßte nun rasch, wie verschämt, das Gebetbuch und stürmte hinaus ins Freie.- Woche« - Kalender. Freitag, 15. Juli, 25. Thamus. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Samstag, 16. Juli, 26. Thamus, rT'nzio »yoci mua Sabbat-Ausgang in Main; und Frankfurt a. M. 9 Uhr 25 Min. — Berlin 9 Uhr 12 Min. — München 8 Uhr 57 Min. — Hannover 9 Uhr 25 Min. — Stuttgart 9 Uhr 17 Min. - Prag 9 Uhr — Min. — Straßburg 9 Uhr 20 Min. — Posen 8 Uhr 59 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag» und Donnerstag», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E. F. -trivacker, ftipjig, Aoßptah 16. — Inserate 25 Pfennig die4spaltige Petitzeile oder deren Raum. 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