Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1898)
- Date
- 1898-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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992 bas sich zur Aufgabe gemacht hat, aus Orangem Winter kur ort zu machen L la Nizza, veröffentlicht einen vollkommen verzweifelten Bericht. Die Miethserträge sind ebenfalls um dreißig Prozent gefallen. Auch die Oper, die sonst ein gutes Geschäft war, arbeitet mit Verlust und nur die antisemitischen Agitatoren machen gute Geschäfte. Gerade deßhalb ist es aber auch eine vergebliche Hoffnung sie bald aufhören zu sehen; eS ist ein zu gutes Geschäft. Vermischtem. < -lltenbckmber- (Pfalz), 4. Juli. Unser Mitbürger Herr Heimann Stern und dessen Gemahlin feierten heute das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Leider ist das Jubelpaar von schwerem körperlichen Leiden heimgesucht, so daß die Feier nur im allcrengsten Familienkreise, der aus vier Söhnen mit Gattinnen und elf Enkelkindern besieht, statt finden konnte. Der greise Jubilar blickt heute nicht nur aus eine fünfzigjährige glückliche Ehe, sondern auch demnächst auf eine ebenso lange Thätigkeit als Snnagogenvorftand, sowie eine nahezu vierzigjährige Mitgliedschaft des hiesigen Gemeinderathes zurück, ein Beweis, welcher Beliebtheit und Wertschätzung sich Herr Stern stets zu erfreuen hatte: und daß er das ihm entgegengebrachte Vertrauen zu würdigen verstand, davon zeugen die zahlreichen unter seiner eifrigen Mitwirkung in unserem gesammten Gemeindewescn entstandenen Errungenschaften. Möge dem allverehrten greisen Paare baldigst wieder seine volle Gesundheit und damit ein schöner, noch langer Lebensabend beschießen sein. Rostock. Zu dem Wablresultat bemerkt die „Antisem. Korrespondenz": „Der Dr. Herzfeld ist aus der Stichwahl als Sieger hervorgegangen. Früher durfte hier in Rostock ein Jude ohne besondere polizeiliche Genehmigung nicht einmal nächtigen und jetzt schickt Rostock als seinen Vertreter in den deutschen Reichstag einen Juden.' 0 (jiiae mutatio rerum!“ nrnj? rui&D im Statistisches. L. Nürnberg Die körperliche und geistige Gesundheit christlicher und jüdischer Kinder bespricht Dr. Münz in der Zeitschrift für Schulgesundheitspflege. Nach diesem Forscher ist es eine durch statistische Nachweise festgestellte Thatsache, daß die Juden im Allgemeinen länger leben als die Angehörigen der übrigen Retigionsbekenntniffe. So hat W. Nertfville an der Hand von 2435 Sterbefällen der Stadt Frankfurt a. M. innerhalb der Jahre 1846—1848 das Durchschnittsalter der über 20 Jahre alten Einwohner für die Christen mit 50 Jahren «nd 8 Monaten, für die Juden mit 56 Jahren und 7 Monaten berechnet. Nach der amtlichen Statistik für Baiern von 1879 befanden sich im Jahre 1877 unter je 1000 jährlich Verstorbenen 32 Katholiken, 25 Protestanten und nur 18 Juden. Am auffallendsten aber zeigt sich der Unterschied bei Betrachtung der Kindersterblichkeit; so weist Firks aus Grund der Mittheilungen des königl. preuß. ftatist. Amtes aus den Jahren 1875—1883 nach, vaß während dieser Zeit in Preußen von je 1000 ehelich geborenen Kindern bei den Christen 223— 229, bei den Juden nur l 72 starben; dagegen ist die Sterblichkeit der unehlichen Kinder bei den letzteren bedeutend größer. Aehnliche Untersuchungen sind in anderen Theilen Deutschlands mit demselben Ergebniß angestellt worden. Die Ursache dieser auffallenden Erscheinung kann nicht, wie das vielfach geschieht, in dem verhältnißmäßig größeren Wohlstände der Israeliten gesucht werden, da es ja einzelne Gegenden und sogar Länder giebt, in denen die armen Juden sprichwörtlich geworden sind, ohne daß sie dadurch ihre besondere Langlebigkeit eingebüßt hätten. Die längere Lebensdauer der Juden findet vielmehr ihre Begründung in dem ihnen von Freund und Feind übereinstimmend nachgerühmten Familiensinn und der in diesem wurzelnden größeren Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Ausdauer, Nüchternheit und Sparsamkeit. Diese Tugenden, welche wesentlich dazu beigetragen haben, das jüdische Volk in den Zeiten des Mittelalters trotz aller Verfolgungen vor dem Untergang zu bewahren, sind auch jetzt noch nicht ganz von ihnen gewichen nnt> bringen es mit sich, daß die Juden auch heute noch eine größere Widerstandsfähigkeit besitzen als andere Volksstämme. So sind die Deutschen z. B. sehr empfindlich gegen klimatische Schädlichkeiten und gedeihen nur innerhalb verhältnismäßig engen Grenzen. Schon in Süditalien bringen sie es unvermischt nicht über die dritte Generation hinaus, woraus sich auch die Thatsache erklärt, daß die germanischen Völkermaffen aus den Zeiten der großen Wanderungen dort schon seit Langem spurlos verschwunden sind, während dagegen die semitische Einwanderung, obgleich viel früher vor sich gegangen, noch deutlich nachweisbar ist. Der Jude gedeiht und vermehrt sich eben in allen Zonen, und zwar noch unter Lebensbedingungen, die manchem anderen Volksstamme, der für Luft, Nahrung 2C. ein größeres Bedürfniß hat, nicht mehr genügen. — Dagegen liefern die Juden, ganz gleich, ob jung oder alt, eine auffallend große Zahl von Geisteskranken. So fand Servi im Jahre 1869 in Italien unter 391 Juden einen Irren, das ist fast das vierfache der Zahl, die die einheimischen Italiener den Irrenhäusern zuführen. Nach Mayer entfielen im Jahre 1871 in Preußen auf 10,000 Einwohner 8,7 christliche, dagegen 14,7 jüdische Geisteskranke, in Baiern 9,8 christliche und 25,2 jüdische, in ganz Deutschland 8,6 christliche und 16,1 jüdische. Diese Thatsache hat ohne Zweifel ihren Grund in der bis auf's Aeußerste getriebenen Regsamkeit der Juden und der damit Hand in Hand gehenden geistigen Nervosität. ■'1 t