Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1898)
- Date
- 1898-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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991 zehn jüdische Kleider-Magazine in der Alexanderstraße rsvidirt und fast ihr gesammteS Personal, über 50 znm größten Theil verheirathete Commis, als in Kiew nicht wohnberechtigt festgenommen und auSgewiesen. In den kaufmännischen Kreisen herrscht große Vcsorgniß, da sehr viele Kaufleute, auch christliche, vor der Gcsahr stehen, bei Ausweisung der jüdischen Angestellten ihre Geschäfte zeitweilig schließen zu müssen. Die Kaufleute richteten daher höheren Orts eine Eingabe, die weiteren Revisionen vorläufig zu sistiren und ihnen Zeit zu lassen, für ihre Angestellten das Wohnrecht zu erwirken. Ein weirerer Schlug gegen unsere Kicwer Glaubensgenosien wird durch die Vereinigung des Fleckens Demjowka mit Kiew geplant. Dieser Flecken gehört bereits zum Ansievelungsrayon und wird znm größten Theil von Juden bewohnt, welche ihrem Erwerb in Kiew nachgehen. Die christlichen Hausbesitzer von Demjowka haben daher auch nicht verfehlt, gegen diese Eingemeindung beim Kiewer Magistrat zu protestiren, und neuerdings haben sich auch die bäuerlichen Communen der Umgegend diesem Proteste angcschlossen, da auch sie durch den Wegzug der Juden geschädigt würden. In den Kreisen der Stadtverordneten ist man aber für das Projekt, nicht aus Haß gegen die Juden, sondern aus Liebe zu — ihrem Gelde. Es wird nämlich darauf hingewicfen, daß in Demjowka viele reiche Juden ansässig sind, welche, um auch fernerhin ihr Wohnrecht zu behalten, gerne geneigt sein werden, die (städtische) Steuer der I. Gilde zu bezahlen, wenngleich sie durch den Umfang ihrer Geschäfte hierzu nicht verpflichtet sind. Da in den städtischen Bernn ltungskörperschasten unsere Glaubensgenossen nur mit 5 pCt. vertreten fein dürfen und die jüdischen Einwohner nicht einmal das active Wahlrecht besitzen, so werden die jüdischen Interessen selbstverständlich auch aus communalen Gebiete als gnuntittz negligealde betrachtet. Der Ausschluß der Juden vom Communalwahlrecht hat übrigens in der bekannten Stadt Verdrischest zu einem hübschen Coriosum geführt. Diese Stadt zählt über 60,000 Einwohner, und bei den letzten Communalwahlen waren dort inSgesammt 40 stimmberechtigte Wähler . . .! 8. Ovmolillsk (Rußland.) Im hiesigen Bezirksgericht wurde bei verschlosienen Thüren die Klagesache gegen den Reserve-Offizier Jegor Durow und seine Frau und den Reservisten Jtafsim Wannstein verhandelt, welche angeklagt waren, von der rechtgläubigen Kirche zum Judenihum übergetreten zu sein. Sie Alle wurden verurtheilt zur Entziehung aller Rechte, außerdem Durow zur Verschickung in die Zwangsarbeit nach den Bergwerken aus vier Jahre, seine Frau zur Ansiedelung in den entlegenen Gegenden Sibiriens und Wannstein zur Arrestantenkomcompagnie auf 3r/z Jahre. a. Lodz. Gleichwie in vielen anderen Städten wurde kürzlich auch hier eine Sabbat-Abendschule für jüdische Arbeiterinnen eröffnet, welche bei der arbeitenden Bevölkerung so großen Anktang findet, daß gleich nach der Eröffnung sich über 6<>0 Teilnehmerinnen meldeten. Leider war cs aus Mangel an Raum vorläufig nur möglich, 156 zu berücksichtigen. Von denselben konnten nur 24 etwas lesen, die anderen waren vollständige Analphabeten, ein Beweis, wie dringend nothwendig derartige Institutionen sind. A m e r i k a.? New-?)ork. Die amerikanischen Militärbehörden wissen den Eifer der Juden zu würdigen und erwiedern denselben mit allerlei kleinen Aufmerksamkeiten. So haben die jüdischen Soldaten von dem Kommandanten Oberst Baker in Camp Lee Urlaub für den ganzen Samstag erhallen, damit sie ihren Gottesdienst nicht zu versäumen brauchen. Palästina.? Jerusalem. Die hiesigen Franziskaner veröffentlichten in der französischen Zeitung ..La Ooix“ eine Schauergeschichte, nach der sie mit Mühe einen Nitnalmord verhindert hätten, den ein österreichischer Jude au einem italienischen Kinde verüben wollte. Jetzt stellt ein Bericht des österreichischen Consuls gemeinsam mit dem italienischen fest, daß die ganze Sache auf folgende Thal sacken zurückzuführcn ist. Ein Jude fand ein verirrtes Kind, das italienisch sprach und ging mit demselben auf das österreichische und das italienische Consulat, um den Vater des Kindes ausfindig zu machen. Das war alles! Die hiesigen amerikaitischen Juden haben, als die Nachricht von dem offiziellen Kriegsanfangc zwischen Spanien und Nordamerika kam, 'einen feierlichen Gottesdienst an der Tempelmauer veranstaltet, um für den Sieg der amerikanischen Waffen zu beten. Auch in der großen Synagoge der Aschkenasim fand am 17. Juni ciu besonderer Gottesdienst deßhalb statt, an dem auch der amerikanische Consul mit seiner Frau, sowie auch die Frau des englischen Consuls Theil nahul. Oberrabbiner Samuel Salant, der eben erst eine erfolgreiche Augenoperation überstanden bat, predigte über die Psalmen 18 und 20 und drückte die Sympathie aus, die alle Juden für das freie Anterika empfinden. Am 11. und 12. Juni waren Heilschreckenschwärme hier und in Jericho, doch haben sie wenig Schaden angerichtet, da die Ernte schon vorüber ist. In den jüdischen Kolonien sind sie gar nicht gesehen worden. Algier.? Oran. Die Antrsemiten fügen unserer Provinz so schweren Schaden zu, daß man sich fragen könnte, ob dies in ihrer Absicht liegt. Das Comit6,