Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-07-11 · Heft 54 (11.7.1898) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 54 (11.7.1898)
Date
1898-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448908--46319-2496729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

990 Prinzregent lud sowohl den Rabbiner, wie den Cultusvorstand der Gemeinde (Dr. Eckstein bezw. Dr. Werner) zur Hoftafel und zeichnete sie durch Ansprachen aus. Oester r.-Ungar. Monarchie. Wien, 7. Juli. (Dürfen Juden am Samstag radfahren?) Die antisemitische „Ostdeutsche Rundschau" schreibt: Mit Entscheidung dieser für gläubige Juden ungemein wichtigen Frage beschäftigen sich gegenwärtig, dem „Sswet" zufolge, zahlreiche Rabbiner in West.-Rußlano. Da zwischen den russischen Rabbinern keine Uebereinstimmung erzielt worden sei, hätten sie sich an eine grobe Autorität genießenden Berliner Rabbiner (Hildesheimer?) gewandt, von welchem folgender Bescheid ertheill worden wäre: Da jede Arbeit von Mensch und Thier am Samstag sündlich ist, so darf an diesen Tagen nur mit Automobilen gefahren werden. (Das Ganze trägt den Stempel der Unwahrheit an sich. Red. deS Israelit.) Pretzburg, 2. Juli. Es wird uns berichtet: Heute zeitlich früh ereignete sich ein sehr trauriger Unglücksfall. Prediger Dr. Julius David, der schon seit langer Zeit leidend ist, ließ sich vergangene Nacht durch die dumpfe Schwüle in seinem Schlafzimmer verleiten, sitzend auf dem Fensterbrett frische Luft zu athmen, schlief dabei ein und fiel, vom Schlafe übermannt, aus der im zweiten Stocke befindlichen Wohnung auf das Straßenpflaster, von wo er schwerverletzt, doch bei voller Besinnung, in seine Wohnung gebracht wurde. Die herbeigeholten Aerzte konnten vorläufig den Grad der Verletzungen nicht konftatiren, doch hoffen sie, den verunglückten allgemein verehrten Seelsorger, wenn sich keine inneren schweren Verletzungen ergeben, reiten zu können. Allgemeine Theilnahme und aufrichtige Sympathien geben sich in allen Kreisen für die so schwer heimgesuchle Familie kund, namentlich gilt dies der Frau Dr. David, die als liebevolle, hingebende Gattin, als gute und brave Frau allgemein geschätzt und verehrt wird. Dr. Julius David ist, wie uns nachträglich aus Preßburg berichtet wird, am Montag Abends seinen furchtbaren Leiden erlegen. Derselbe stand erst im C>J. Lebensjahre und stammte aus Szerdaheli. Er besuchte anfangs die Preßburger Jeschiba, absolvirte sein Studium in Wien und wandte sich dann der Reformpartei zu, die er auch in Preßburg vertrat. Er war mit dem bekannten Bokharareisenden Hermann Vamdery, Profeffor der orientalischen Sprachen an der Universität in Budapest verwandt. England.? London. Der 27. Jahresbericht der Anglo Jewish Affociation giebt ein getreues Bild von der Thätigkeit dieses großen Vereines, der, obgleich von der Alliance israelite universelle getrennt, die gleichen Ziele und meist in freundschaftlichsten Beziehungen zu derselben verfolgt. Während die Summen, die aus London der Anglo Jewish Association zufließen, sich vermindert haben, sind die Zweigvereine gewachsen. Neu hinzugekommen sind solche in Aucktand, Hongkong und Shanghai. Im ganzen eristiren 36 Zweigvereine, darunter 2l in dem Königreich England und Schottland. Der Bericht giebt eine liebersicht über die Situation der Juden im Osten. In Rumänien liegt cs am schlimmsten, 30 000 jüdische Kinder sind in der Praxis von den öffentlichen Schulen ausgeschlossen, aus allen höheren Schulen sind die Juden verdrängt, und ein neuer Winkelzug der Regierung versperrt ihnen auch noch die medizinische Carriere, die ihnen sonst in allen Ländern offen steht. Während die bei den Judencxzessen geschädigten Israeliten, wenn sie nicht Unterthanen fremder Mächte sind, beinahe gar keinen Ersatz für ihre Verluste erhalten, gehen die Exzedenten vollkommen straffrei aus. Gut sind dagegen die Beziehungen in Serbien und Vulgaren zwischen den Inden und Christen. Das Anftauchen der Vlutanschuldigung in Stiono störte für einen Moment diese guten Beziehungen, indessen das energische Einschreiten der Negierung hatte bald den Erfolg, die Grundlosigkeit dieser Behauptungen nachzuwcisen. In Persien wurden im Laufe des Jahres 1807 dreimal Unruhen gegen die Juden von der dortigen fanatischen Geistlichkeit veranstaltet und zwar in Teheran, Lar und Jspahan. Der energische Druck jedoch, den der englische Gesandte auf den Schah und seine Minister ausübte, veranlaßt durch das Einschreiten der Anglo Jewish Association, brachte die Ruhe bald wieder. In Marocco dagegen erwiesen sich die gleichen Schritte fast nutzlos, so daß die A. I. A. Geld für die verfolgten Juden in Marocco sammeln und hinsendcn mußte. Diesem Zwecke flössen 6600 Mk. zu. Viel größere Mittel wurden für das Erziehungswerk in den Ländern des Orients verausgabt, im Ganzen ca. 53 000 Mark. In den so subventionirten Schulen befanden sich 4516 Knaben, 3227 Mädchen und 277 kleine Kinder. Die Resultate der iubventionirten Schulen waren durchaus befriedigend und die Anglo Jewish Association dankt den englischen Konsulen und Diplomaten für das thätige Interesse, das sie häufig für diese Schulen gezeigt haben. Im Ganzen sind mit verhältnißmäßig kleinen Mitteln, nicht mehr als 60 000 Mark im Jahr, sehr schöne Erfolge erzielt worden. Rußland. X. St. Petersburg, 2. Juli. Die Polizei geht in Kiew gegen unsere Glaubensgenossen immer strenger vor. Nach den Handwerkern kommen jetzt die Handlungsgehilfen an die Reihe. Kürzlich wurden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.