Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1898)
- Date
- 1898-07-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Dem Ebenbilde Gottes entspricht nicht die stolze Gelehrsamkeit, nicht die himmelftürmende Wissenschaft, sondern das edle, sanfte und liebevolle Menschenthnm. Und der vielgeschmähte Talmud, wie denkt der über Humanität? Zu dem Psalmverse: „Es sei die Herrlichkeit Gottes anerkannt in der Welt, daß sich Gott freue an den Werken Seiner Geschöpfe/' bemerkt er Folgendes: neu d^jh w m pieu „Das ist der Ausdruck des entwickelten Weltgeistes." Edles Menschenthum, das Gott und Menschen erfreut, ist das von der Religion ausqestcckte Hochziel der Menschheit. Wollt ihr Gottes Herrlichkeit anerkannt wissen auf Erden, dann lasset ab von Haß und Verfolgung. Uebet menschenbeglückende Thaten; freuet euch, indem ihr andere erfreut. Seid Menschen, edle, liebevolle und Liebe bethätigende Menschen! Nicht dadurch werdet ihr das Reich Gottes anerkannt wisien auf Erden, daß ihr euch gegenseitig zur größeren Ehre Gottes hasset, verleumdet und verfolget, sondern dadurch, daß ihr euch an den köstlichen Ausspruch des jüdischen Buches Sohar haltet: onx fc-u. Nichts ziert den Menschen mehr, als edle Humanität. Allein diese Humanität, die frei ist von jeder selbstsüchtigen Regung, die sich freut, wenn sie andere erfreut, die beglückt ist, wenn sie andere beglückt, ist von der Thora Israels nicht zu trennen. Sie ist die edle Frucht dieses Lebensbaumes, ist Geist von seinem Geiste. Daß gegen diese Lehre innerhalb wie außerhalb Israels gesündigt wird, daß diese Erkenntniß auch innerhalb Israels noch nicht zum Durchbruche gekommen ist, das ist tief zu bedauern. Wie anders stünde cs um unsere Thorapflege, wie anders um unsere Religionsschulen, wenn der Geist dieser Lehre in Israel herrschte. Fragen wir jüdische Ellern, ob sie bei der Erziehung ihrer Kinder eingedenk sind: nrnn rw, daß die Thora die Grundlage der Erziehung sei? So antworten sie uns: e-ra nws:, wir wollen unsere Kinder zu Menschen blos erziehen und nicht zu jüdischen Gelehrten. So klug waren auch unsere Altvordern. Auch ihnen schwebte das Bibelwort vor, bix ntrya: Wir wollen aus unfern Kindern Menschen machen. Allein sie waren einsichtig genug, es in Verbindung zu bringen mit jenem andern Thoraworte mir» ns« bnsz ire* o mx: Das ist der große Segen der Thora, sie schützt und schirmt, daß der Mensch im Menschenzelte nicht sterbe, daß das edle Menschenthum im Menschen nicht verkümmere. Und weil sie das thaten, weil sie von dieser ErkHUttniß durchdrungen waren, deßhalb flößten sie ihren Kindern Liebe zur Thora ein, deßhalb hauchten sie ihnen ein den Geist der göttlichen Liebe und Milde, deßhalb lehrten sie ihre Kinder schon im zartesten Alter die Gotteslehre als den Schutzgeist ihres Lebens, als theures Erbe und Vermächtniß, das unsere frommen Altvordern mit ihrem edelsten Herzblute erkauft haben, lieben und hochachten. Und schon die lallende Kindeszunge lernte die Worte aussprechen, die später zum Wahlsvruche des gereiften Mannes werden sollte: riVnp rome n&s nb wat .-rrn apr „Die Lehre, die uns geboten Moscheh, sie ist das theure Vermächtniß der Väter, das theuer erkaufte Erbe der Versammlung Jakobs." Man spricht und schreibt in unserer Zeit so viel von der Rothwendigkeit Religionsschulen zu gründen. Die Gründung allein macht es nicht. Erst wenn die Liebe zur Thora in die Herzen jüdischer Eltern und Erzieher eingedrungen sein wird; wenn sie zur Erkenntniß gelangt sein werden, daß die Thora der Lebensbaum Israels ist, auf dem die edle Frucht der wahren Humanität, des edelsten MenschenthumS wächst, werden unsere Religionsschulen blühen und gedeihen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. F. Frankfurt a. M., 15. Tamus. Eine Wiener Zeitung weiß den um ihre Glaubensgenossen besorgten Brüdern und der civilisirten Welt durch die erfreuliche Nachricht, daß bei den schon mehrere Wochen andauernden galizischen Exzessen noch kein Menschenleben zu beklagen sei, Trost zuzusprechcn. Verschwiegen wird aber, daß mehr als eine Familie an den Bettelstab gebracht worden, daß viele nicht ihr Haupt auf eine eigene Schlafstelle niederlegcn können, daß alte Männer, sowie schwächliche Frauen und Kinder infolge der Aufregung und des Schreckens der Wochen des Faustrechtes einen Keim todtbringender Krankheiten in sich ausgenommen, manch bisher wohlhabender, begüterter Mann heute seinen Nächsten um Almosen angehen muß. Daß die Zahl derer keine geringe ist — wir müssen dies besonders hervorheben, denn leider heute tröstet man sich, es sind ja 30 oder 40 Mann, denen ein Unglück zugestoßen, zudem Juden und bemerkt zugleich, da darf und kann die Oeffentlichkeit nicht beunruhigt werden — geht aus dem Inhalte eines an die jüdischen galizischen Reichsrathsabgeordneten aus Jaslo vor zwei Wochen, also bevor noch die Plünderung ä la Neu-Sandcc stattfand, nach Wien abgesandtes Telegramm klar und deutlich hervor. Darin werden die jttd. galiz. Abgeordnete um ernste Schritte angegangen, da im Unterlassungsfälle 40 Tausend